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Berat Albayrak Erdogans Kronprinz

Als Finanzminister der Türkei müsste Berat Albayrak sein Land jetzt vor dem wirtschaftlichen Kollaps bewahren – aber er dient vor allem seinem Schwiegervater.

Berat Albayrak
Zielstrebig, arrogant, gerissen: Frühere Weggefährten bescheinigen Berat Albayrak einen enormen Machtinstinkt. Foto: afp

Ein ehemaliger Angestellter einer Gülen-Einrichtung, der ungenannt bleiben will, sagt: „Wer auf ein Gymnasium des Predigers ging, wurde nicht zwangsläufig Gülenist, aber die Wahrscheinlichkeit war wegen der Indoktrination groß.“ Unter den gehackten E-Mails findet sich auch eine interessante Botschaft Gülens an Berat Albayrak von 2009, die ein Freund ihm nach einem Besuch beim Sektenchef schickte: „Sag‘ ihm Hallo. Mein Gott, gib‘ ihm Stärke und Geduld, hilf ihm…“.

Offiziell ist Albayrak inzwischen ein ebenso strikter Feind von Gülen und dessen Bewegung wie Erdogan. Er agiert überhaupt im perfekten Gleichklang mit dem Schwiegervater. Praktisch überall, wo der Präsident auftaucht, ist jetzt auch Albayrak zu sehen. Nicht nur in Kabinettssitzungen lässt Albayrak andere Minister spüren, wie überlegen er sich ihnen fühlt. Wie hoch die Spannungen dort sind, wurde sichtbar, als eine Fernsehkamera vor wenigen Tagen einfing, wie Innenminister Süleyman Soylu seinen Kollegen Albayrak während eines offiziellen Termins mit voller Absicht im Vorbeigehen anrempelte und dann verächtlich anblickte.

Bereits mit seiner ersten wichtigen politischen Bewährungsprobe hatte Albayrak die Skepsis ausländischer Investoren bestätigt. Vor der mit Spannung erwarteten ersten Zentralbanksitzung nach den Wahlen bemühte sich der Aufsteiger, die Anleger zu beruhigen. Die Frage war, ob er es wagen würde, sich mit seinem Mentor anzulegen und höhere Leitzinsen durchzusetzen, wie sie die Märkte verlangten.

Die Antwort gab die Zentralbank am 24. Juli. Sie ließ die erwartete Zinserhöhung ausfallen und folgte damit Erdogans unorthodoxer Auffassung, dass niedrige Zinsen niedrige Inflation bedeuten. „Die Entscheidung machte klar, dass er strikt die Politik seines Schwiegervaters verfolgt“, sagt Wirtschaftsanalyst Bentley. „Als die Krise dann eskalierte, war Albayrak meistens abwesend, wenn er am dringendsten gebraucht wurde.“

Wenn er die Krise jetzt nicht schnell in den Griff bekommt, müsste er eigentlich zurücktreten. Aber damit ist nicht zu rechnen. Und die Lira fällt weiter.

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