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Beck-Rücktritt Eine überraschende Erbin

Sozialministerin Malu Dreyer soll nach dem angekündigten Rücktritt von Kurt Beck neue Ministerpräsidentin in Rheinland-Pfalz werden.

29.09.2012 18:02
Malu Dreyer soll die Nachfolge von Kurt Beck antreten. Foto: dpa

Malu Dreyer schien lange gar nicht im Gespräch zu sein, wenn über mögliche Nachfolger des rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck spekuliert wurde. In der SPD fielen in diesem Zusammenhang monatelang ganz andere Namen. Erst in den vergangenen Wochen häuften sich die Hinweise, dass es auch auf die langjährige Sozialministerin hinauslaufen könnte.

Und nun hieß es tatsächlich in Mainz: Die 51-Jährige soll neue Regierungschefin werden. Dreyer gilt in Partei und Land als beliebt. Oft ist dabei von ihrem gewinnenden Wesen die Rede. Attribute wie Teamgeist und Leidenschaft fallen gerne, wenn Dreyer und ihre Arbeitsweise charakterisiert werden sollen.

Vorgezeichnet war ihr eine steile politische Karriere nicht. „Ich bin eigentlich eine sogenannte Quereinsteigerin“, sagte Dreyer einmal über sich. Der lange Weg durch die Partei, von den Jusos in die hohen Ämter, das war ihre Sache nicht. Dreyer, die in Neustadt an der Weinstraße als Tochter eines Schuldirektors und einer Erzieherin geboren wurde, trat im Vergleich zu anderen Politikern erst spät in die SPD ein – 1995 mit 34 Jahren.

Sinn für Gerechtigkeit

Beck und Dreyer, so wirkt es zumindest nach außen, eint der Sinn für Gerechtigkeit. An Beck fasziniere sie besonders, „dass er einen Urinstinkt für Gerechtigkeit hat“, beschrieb Dreyer den Landesvater im vergangenen Jahr. „Er ist ein Mensch, dem muss man nicht viel referieren zu diesem Thema.“

Dreyer selbst schreibt sich ebenfalls das Thema Gerechtigkeit auf die politische Fahne. Schon vor ihrer Parteikarriere habe sie sich engagiert, erzählte sie einmal. „Vor allem für Gerechtigkeit, Solidarität, für Teilhabe.“

Für Sozialpolitik interessierte sich Dreyer, die mit ihrem Mann und dessen drei Kindern in Trier lebt, von Beginn ihrer politischen Tätigkeit an: Als Bürgermeisterin von Bad Kreuznach war sie in den 90er-Jahren auch für Soziales und Jugend verantwortlich. Seit 1997 arbeitete sie als Mainzer Sozialdezernentin, schließlich seit nunmehr zehn Jahren als Sozialministerin unter Kurt Beck.

Zudem engagiert Malu Dreyer sich als Schirmherrin im rheinland-pfälzischen Landesverband der Deutschen Multiple-Sklerose-Gesellschaft. Nicht von ungefähr. Seit gut eineinhalb Jahrzehnten ist sie selbst an Multiple Sklerose erkrankt. Abgesehen von Bewegungseinschränkungen behindere die Erkrankung ihre Arbeit „in keiner Weise“, stellte Dreyer klar.

Nun wartet noch mehr Arbeit und Verantwortung auf sie. Bereits in den kommenden Wochen oder Monaten soll sie die Nachfolge Becks antreten. Für die SPD könnte diese Entscheidung auch ein geschickter Schachzug für die nächste Landtagswahl im Jahr 2016 sein. Ihre Herausforderin dürfte dann CDU-Landeschefin Julia Klöckner sein, die Beck in den vergangenen Wochen vor allem wegen der Pleite am Nürburgring heftig attackiert hatte. Im Wettstreit mit Dreyer dürfte sich die Ausgangslage wieder verändern. Dreyer hat nun die Chance, sich nun in den kommenden Jahren einen Amtsbonus zu erarbeiten. (AFP)

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