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Bayern Viele sind über Kreuz mit Markus Söder

Die Opposition empört sich über die Kruzifix-Vorschrift des bayerischen Ministerpräsidenten.

Sitzung Kabinett
Aufgehängt: Markus Söder nach getaner Tat in seiner Staatskanzlei. Foto: dpa

Ein prominenter CSU-Politiker wollte seinen Namen nicht in der Zeitung lesen, nahm dafür aber kein Blatt vor den Mund. „Das ist eine glatte politische Instrumentalisierung und unglaubliche Herabwürdigung des Kreuzes“, sagte er dieser Zeitung und fuhr fort: „Das ist der pure Opportunismus. Mir wird schlecht dabei.“ Der Zorn galt dem bayerischen Ministerpräsidenten und Parteifreund Markus Söder. Er hatte am Dienstag eine vehemente Kreuz-Debatte entfacht.

Der 51-Jährige brachte in der Eingangshalle der Münchner Staatskanzlei ein Kreuz an, das bis 2008 im Kabinettssaal des früheren Münchner Kardinals Friedrich Wetter gehangen hatte und nach Söders Worten auch von diesem geweiht worden war. Bevor Söder es an die Wand hing, hielt er es demonstrativ in die Kameras. 

Es wird nicht das einzige Kreuz bleiben, das fortan derart Verwendung findet. Das Kabinett des Freistaates beschloss eine neue Vorschrift, derzufolge in allen bayerischen Landesbehörden künftig Kreuze im Eingangsbereich hängen sollen – nicht aber in Bundesbehörden mit Sitz in Bayern oder kommunalen Einrichtungen, auf die die Landesregierung keinen Zugriff hat. Bisher hatte die Landesregierung Kreuze lediglich für die Klassenzimmer der bayerischen Schulen und Gerichtssäle vorgeschrieben. Manch andere bayerische Behörden hatten bislang in Eigenregie ein Kreuz in ihren Räumen angebracht.

Söder erklärte die Neuerung mit den Worten, die Kreuze sollten kein religiöses Symbol des Christentums sein, sondern ein „Bekenntnis zur Identität“ und zur „kulturellen Prägung“ Bayerns. „Das Kreuz ist nicht ein Zeichen einer Religion“, betonte er. Es aufzuhängen, sei daher auch kein Verstoß gegen das Neutralitätsgebot.

Der Regierungschef erntete teilweise wütende Proteste. Zwar riet der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg, „zur Mäßigung“. Kreuze seien „allenthalben vorhanden und Zeichen der europäischen Kultur“, sagte er dieser Zeitung und gab damit Söder indirekt recht. „Ich sehe keinen Grund für einen Kampf gegen Kreuze.“ Sternberg fügte jedoch hinzu: „Alle Seiten sollten respektvoll mit dem Kreuz umgehen. Es geht darum, zu klären, wofür Kreuze stehen: Kreuze sind nicht ausgrenzend, Kreuze sind kein Kampfmittel gegen andere, sie zeigen den Sinn und Grund unseres Glaubens, zeigen den Wert von Religion.“

Der 66-jährige Sternberg verwies schließlich auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 1995, wonach der christliche Glaube für die europäische Kultur „von überragender Prägekraft gewesen“ sei.

Die Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Bundestag, Katrin Göring-Eckardt, antwortete hingegen zornig auf den Vorstoß aus Bayern. „Das Kreuz ist keine heimelige Wand-Deko“, erklärte sie dieser Zeitung. „Es ist das wichtigste christliche Zeichen. Es steht für das Leiden Jesu Christi und die Erlösung. Dieses Symbol wird durch plumpes Wahlkampfgetöse von Markus Söder missbraucht.“ Göring-Eckardt nannte dessen Vorgehen „beschämend für jede Christin und jeden Christ. Und für Muslime und Juden, Säkulare und Andersgläubige ist der Zwang zum Kreuz eine Ausgrenzung.“ Göring-Eckardt war von 2009 bis 2013 Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland und leitete 2011 als Präsidentin den Kirchentag in Dresden.

Linken-Chef Bernd Riexinger hatte bereits zuvor gesagt: „Statt jeder Behörde ein Kreuz zu verordnen, sollte die CSU sich lieber wieder auf christliche Werte wie Nächstenliebe besinnen. Da haben Söder und Co. massiv Nachholbedarf.“ 

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