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Barcelona Ist der Hauptverdächtige noch auf der Flucht?

Die Ermittlungen in Spanien kommen voran. Die Regierung stellt fest, von der Terrorzelle gehe keine Gefahr mehr aus. Doch der Haupttäter ist möglicherweise noch auf der Flucht.

19.08.2017 13:18
Barcelona
Nach der Terrorattacke mit einem Lieferwagen in Barcelona ist der Haupttäter möglicherweise noch auf freiem Fuß. Foto: rtr

Nach dem Anschlag von Barcelona hält die spanische Regierung die Terrorzelle für zerschlagen. Dies sagte Innenminister Juan Ignacio Zoido am Samstag vor Journalisten. Darin hätten die Sicherheitsexperten der Madrider Regierung auf einem Treffen übereingestimmt. „Wir können sagen, dass die Zelle von Barcelona total zerschlagen ist – und zwar auf der Grundlage der Personen, die ums Leben gekommen sind oder die festgenommen worden sind, sowie aufgrund der Identifizierungen, die vorgenommen wurden“, so Zoido. Die spanische Regierung lehnte es auch ab, die Terrorwarnstufe anzuheben.

In Spanien gilt bereits seit zwei Jahren die zweithöchste Terrorwarnstufe 4. Sie bedeutet, dass ein „erhebliches Risiko eines terroristischen Anschlags“ besteht. Allerdings würden die Sicherheitsvorkehrungen ab sofort verschärft, kündigte Zoido an. Einzelheiten wollte er aus Sicherheitsgründen nicht nennen.

Doch der Haupttäter ist möglicherweise noch auf freiem Fuß. Die Polizei äußerte Zweifel, dass der bisherige Hauptverdächtige tatsächlich der Fahrer des Tatfahrzeugs war.

„Es ist eine Möglichkeit. Aber zu diesem Zeitpunkt (...) verliert sie an Gewicht“, sagte der katalanische Polizeichef Josep Lluís Trapero am Freitagabend in einem Fernsehinterview. Der 17 Jahre alte Moussa Oukabir war nach Angaben der Polizei zusammen mit vier anderen Verdächtigen in der Nacht zum Freitag bei einem Antiterror-Einsatz in Cambrils rund 100 Kilometer südlich von Barcelona erschossen worden.

Es gebe derzeit keine „ausreichenden Beweise“, dass Oukabir den Lieferwagen auf der Touristenmeile Las Ramblas in Passanten gesteuert habe. Offen sei auch, wie er nach der Tat von Barcelona nach Cambrils gelangt sein könnte. Bei der Attacke in Barcelona am Donnerstag waren mindestens 13 Menschen getötet worden. Eine Frau starb zudem nach einem vereitelten Angriff in der Küstenstadt Cambrils.

Der IS hat die Angriffe für sich reklamiert

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat die Angriffe für sich reklamiert. Mehrere Glaubenskämpfer hätten sie in zwei Gruppen ausgeführt und „Kreuzfahrer“ ins Visier genommen, teilte der IS in einer Erklärung über das Internet mit. Bisher war das IS-Bekenntnis nur von seinem Sprachrohr Amak verbreitet worden.

Medienberichten zufolge richtet sich die Aufmerksamkeit der Polizei nun auf einen derzeit flüchtigen 22 Jahre alten Marokkaner. Dabei handele es sich um den Bruder eines der getöteten Terrorverdächtigen von Cambrils. Demnach stammt er aus Ripoll rund 100 nördlich von Barcelona.

Der Gesuchte war unbestätigten Berichten zufolge möglicherweise Richtung Frankreich unterwegs. Er könnte die spanisch-französiche Grenze bereits passiert haben.

Netzwerk von zwölf Verdächtigen

Die Ermittler gehen derzeit von einem Netzwerk von zwölf Verdächtigen aus. Fünf von ihnen wurden in Cambrils getötet, vier wurden festgenommen. Drei weitere sind noch nicht gefunden. Einer oder zwei von ihnen könnten bei der Explosion in dem Wohnhaus in Alcanar am Mittwoch umgekommen sein. Die Beamten vermuten, dass die Gruppe dort Sprengstoff für ein noch größeres Attentat als das in Barcelona vorbereitete.

Die Polizei durchsuchte am Samstagmorgen in der Stadt Ripoll nördlich von Barcelona das Haus eines Imam. Die Sicherheitskräfte hätten nach DNA-Proben gesucht, berichtete die Zeitung „El País“ unter Berufung auf Polizeikreise. Es gebe die Vermutung, dass es sich bei einer der beiden Leichen, die in der von einer Explosion zerstörten Wohnung in Alcanar gefunden worden waren, um den muslimischen Geistlichen handeln könnte.

Die Terrorzelle soll laut Polizei den Anschlag auf dem Boulevard Las Ramblas und den vereitelten Anschlag von Cambrils in der Wohnung geplant haben, wo es am Mittwoch zu einer Explosion gekommen war.

Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) legte am Samstag weiße Rosen an der weltberühmten Flaniermeile nieder, wo am Donnerstag 13 Menschen getötet und mehr als 120 verletzt worden waren, als ein Lieferwagen in Passanten raste. Unter den Verletzten sind auch 13 Deutsche.

Gabriel hatte bereits am Freitag ein Krankenhaus besucht und mit einer jungen Deutschen gesprochen, die bei dem Anschlag verletzt wurde, sowie mit Angehörigen. Zwei Frauen liegen in dem Hospital noch auf der Intensivstation. Beide schweben in Lebensgefahr. Eine Frau im mittleren Alter befindet sich in einem sehr kritischen Zustand.

Die Polizei ordnete beide Vorfälle einer mutmaßlichen, aus zwölf Mitgliedern bestehenden Islamisten-Zelle zu - genau wie die Gas-Explosion mit möglicherweise zwei Toten am Mittwoch in einem Wohnhaus in dem Ort Alcanar. Die Ermittler vermuten, dass die Gruppe dort Sprengstoff für ein noch größeres Attentat als das in Barcelona vorbereitete. (dpa)

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