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Autopsie „Mit meinem Leben bezahlen“

Experten haben die sterblichen Überreste von Salvador Allende erneut untersucht und zweifelsfrei festgestellt - es war Selbstmord.

Der chilenische Präsident Salvador Allende. Foto: AFP

Experten haben die sterblichen Überreste von Salvador Allende erneut untersucht und zweifelsfrei festgestellt - es war Selbstmord.

Salvador Allende, der sozialistische Präsident Chiles, ist beim Putsch vor 38 Jahren nicht ermordet worden, sondern hat sich das Leben genommen. Das ergab jetzt zweifelsfrei die Autopsie seiner sterblichen Überreste.

Dass sich Allende in der Nacht der 11. September 1973 das Leben genommen habe, ist die Überzeugung sowohl seiner Anhänger als auch seiner politischen Gegner. Sie basiert auf einer Autopsie, die zwei Ärzte kurz nach dem Tod machten, und außerdem auf Augenzeugenberichten. Aber der Umstand, dass Allende von zwei Kugeln getroffen wurde, hatte über die Jahrzehnte stets Zweifel an der Selbstmord-These genährt.

Deshalb wurde die Leiche des demokratisch gewählten und durch Putsch gestürzten Sozialisten vor zwei Monaten auf richterliche Anordnung exhumiert und erneut untersucht. Der Abschlussbericht, den das zwölfköpfige Expertenteam nun vorgelegt hat, schließt Fremdverschulden eindeutig aus. Dass der Körper Allendes von zwei Kugeln getroffen wurde, liegt an der Waffe – ein automatisches Gewehr, das zehn Schüsse pro Sekunde abfeuert.

„Es gibt keinen Hinweis auf eine zweite Person“, sagte David Pryor, Ballistik-Experte von Scotland Yard, „es ist nur eine Wunde.“ Es seien zwei Kugeln abgefeuert und zwei Hülsen gefunden worden. Allende habe sich das Gewehr von unten ans Kinn gehalten und abgedrückt. „Wir haben keinerlei Zweifel am Selbstmord“, versicherte auch der spanische Mediziner Francisco Etxeberría.

Mindestens fünf Zeugen für den Selbstmord

Die Tochter der gestürzten Präsidenten, die sozialistische Senatorin Isabel Allende, sagte, das Autopsieergebnis stimme mit der Ansicht der Familie überein: „Angesichts der extremen Umstände, die er durchlebte, entschied Präsident Allende am 11. September 1973, sich lieber das Leben zu nehmen, statt sich demütigen zu lassen oder sich welcher Situation auch immer auszuliefern.“ Der Menschenrechtsanwalt und kommunistische Abgeordnete Hugo Gutiérrez sagte, es sei nun an der Zeit, die Debatte über die Todesart abzuschließen. Aber die historischen Umstände des Selbstmordes – etwa die Unterstützung der Rechtsputschisten durch den US-Geheimdienst CIA – dürften nicht aus den Augen verloren werden.

Der offiziellen Version zufolge hat sich Allende das Leben mit einem AK-47-Sturmgewehr genommen, das ihm Fidel Castro – der sich während Allendes Amtszeit wochenlang in Chile aufhielt – geschenkt hatte. Mindestens fünf Personen, die beim Sturm der Putschisten auf den Präsidenten-Palast La Moneda dabei waren und Allende in seiner letzten Stunde begleiteten, bezeugen den Selbstmord. Allerdings schwiegen vier von ihnen jahrelang aus Angst vor Repressalien.

Allende hatte in der Nacht des Putsches, während im Hintergrund schon Schüsse und Explosionen zu hören waren, in einer letzten Rundfunkansprache seinen Selbstmord angekündigt. „Ich werde nicht zurücktreten“, sagte Allende, „jetzt, da ich an diesem historischen Scheideweg stehe, werde ich die Loyalität, die mir das Volk entgegengebracht hat, mit meinem Leben bezahlen.“

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