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Autonomes Fahren Hat Uber Vertrauen verspielt?

Uber stoppt alle Tests mit Roboterautos. Es dürfte noch Monate dauern, bis der tödlliche Unfall von Tempe aufgearbeitet ist.

Uber Probefahrt
Probefahrt: Auch in Pittsburgh testete Uber bislang autonome Autos auf den Straßen – mit einem menschlichen Kopiloten auf dem Fahrersitz. Foto: afp

Polizisten und Experten von Behörden werden versuchen, den Hergang des Unfalls in der Stadt Tempe im US-Bundesstaat Arizona so genau wie möglich zu rekonstruieren. Erstmals ist eine unbeteiligte Person von einem Roboterwagen erfasst und getötet worden. Das wirft Fragen über die Zuverlässigkeit der Technik auf, auf die Hightech-Konzerne genauso wie alle namhaften Autobauer setzen.

Es geschah am Sonntagabend gegen 22 Uhr. Laut Polizei wollte die 49-jährige Elaine Herzberg eine Straße überqueren. Sie schob dabei ein Fahrrad. Die Frau wurde von einem SUV der Marke Volvo erfasst. Sie starb kurze Zeit später im Krankenhaus. Nach Angaben der örtlichen Polizeichefin Sylvia Moir sei die Frau „direkt aus dem Schatten auf die Fahrbahn getreten“. Offensichtlich ohne sich zu vergewissern, ob ein Fahrzeug kommt.

Der Volvo war kein normaler Volvo

Für die oberste Polizistin von Tempe ist deshalb klar, dass der Unfall schwer zu verhindern gewesen wäre, gleichgültig ob das Auto von einer Person auf dem Fahrersitz oder von einem Autopiloten gesteuert wurde. Expertenteams der US-Verkehrsbehörde NHTSA und Unfallforscher der Verkehrssicherheitsbehörde NTSB sind am Montag in Tempe eingetroffen: Der Volvo war kein normaler Volvo. Ingenieure des Fahrdienstvermittlers Uber hatten ihn vollgestopft mit fortschrittlichster Technik für autonome Fahrzeuge. Zur Sicherheit saß ein Fahrer hinter dem Steuer.

Zur Ausstattung zählen auch zahlreiche Sensoren und ein sogenannter Laserradar. Die Gerätschaften sind dafür da, nicht nur die Geschehnisse auf der Fahrbahn, sondern auch rechts und links davon zu registrieren und dem Bordcomputer zu melden, der dann für ein sicheres Fahren sorgen soll.

Genau das war nicht gewährleistet. Und fatalerweise entspricht der Typus des Unfalls genau dem Szenario, das in vielen Videos gezeigt wird, um für die Roboterautos zu werben: Eine Person tritt plötzlich und unerwartet auf die Straße. Das Auto wird in der Theorie mit einer Notbremsung zum Stillstand gebracht, weil der Autopilot – auch bei Dunkelheit – schneller und zuverlässiger reagieren kann als ein Mensch und weil er „vorausschauend“ Gefahrenquellen erkennt. Dazu war der Volvo aber offensichtlich nicht in der Lage. Nach ersten Ermittlungen der Polizei wurde keinerlei Bremsvorgang eingeleitet. Außerdem soll das SUV mit einer Geschwindigkeit von 38 Meilen (rund 61 Kilometer) pro Stunde unterwegs gewesen, obwohl auf dieser Straße nur 35 Meilen erlaubt sind.

Es dürfte Monate dauern, bis die Experten endgültige Ergebnisse vorlegen. Doch schon jetzt hat der Unfall international eine heftige Diskussion ausgelöst. Das Vertrauen der Verbraucher in die Technologie der selbstfahrenden Autos werde um Jahre, vielleicht sogar um Jahrzehnte zurückgeworfen, sagte Jason Levine dem Finanznachrichtendienst Bloomberg. Der Chef der Verbraucherschutzorganisation Center for Auto Safety betonte, man müsse nun langsamer agieren. Er meint damit die enorme Geschwindigkeit, die Unternehmen bei der Entwicklung von Roboterautos bislang an den Tag gelegt haben.

Die Zahl der Firmen, die mit vielen Milliarden Dollar und Euro an deren Entwicklung arbeiten, dürfte größer als eine halbe Hundertschaft sein. Alle namhaften Autobauer weltweit sind mit von der Partie. Hinzu kommen Hightech-Konzerne wie Apple und die Google-Mutter Alphabet. Aber auch große Zulieferer wie Bosch und Conti wittern neue, höchst lukrative Geschäftsfelder.

Schnellstmöglicher Ersatz konventioneller Taxis geplant

Uber spielt dabei eine Sonderrolle. Der umstrittene Fahrdienstvermittler zielt direkt auf sogenannte Level-5-Fahrzeuge, die so schnell wie möglich konventionelle Taxis ersetzen sollen. Sie sollen vollautomatisch über die Straßen rollen, weder ein Lenkrad noch manuelle Bremsen haben. Hier ist ein erbitterter Wettlauf mit Waymo aus dem Alphabet-Konzern entstanden. Waymo will noch in diesem Jahr in Phoenix, ebenfalls Arizona, den ersten Taxiservice mit fahrerlosen Autos starten.

Autobauer gehen die Sache eher mit einer Art evolutionärem Ansatz an. Sie wollen ihre Produkte immer mehr mit Assistenzsystemen ausstatten, deren Zusammenwirken dann im autonomen Fahren münden soll. Audi hat mit dem neuen Oberklasse-Flaggschiff A8 gerade einen Pkw auf den Markt gebracht, der sich auf der Autobahn schon so selbstständig fortbewegen kann, dass der Fahrer nicht mehr permanent den Verkehr im Auge behalten muss – die Behörden verbieten bislang aber den Einsatz dieser Technik.

BMW hat angekündigt, 2020 in Kooperation mit dem Chipkonzern Intel ein vollautomatisches Auto auf die Straße zu bringen. Die Branche argumentiert öffentlich vor allem damit, dass Roboterautos die Zahl der Unfälle verringern würden. So wird auch die stetig sinkende Zahl der Unfalltoten und der Verletzten im Straßenverkehr auf die immer bessere Sicherheitstechnik der Fahrzeuge zurückgeführt. Uber hat indes seine Tests mit Roboterautos bis auf weiteres eingestellt.

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