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Australien Und wieder stürzt ein Premier

Australiens neuer Regierungschef heißt Scott Morrison. Aber wie lange kann er sich wohl im Amt halten?

Scott Morrison
Adrette Familie: Scott Morrison, Australiens neuer Premier, mit Frau und Töchtern. Foto: rtr

Australien wechselt schon wieder seinen Regierungschef aus. Der bisherige Finanzminister Scott Morrison löst den erst 2015 ins Amt gekommenen Malcolm Turnbull ab, der nach einwöchiger Gegenwehr jetzt von seiner eigenen Liberalen Partei gestürzt wurde. Morrison ist bereits der sechste Regierungschef des Landes seit 2007. Er rangiert in Meinungsumfragen zum Ansehen der Toppolitiker der Regierungspartei mit einem Zuspruchswert unter zehn Prozent erst an zehnter Stelle.

Den abgesetzten Premier Turnbull und seine Anhänger störte das wenig. Sie erreichten mit Morrison ihr oberstes Ziel: Die Parteimeuterer um den früheren extrem konservativen Premierminister Tony Abbott, der 2015 von Turnbull aus dem Amt vertrieben worden war, sollten leer ausgehen. Die Rebellen hatten den ehemaligen und populäreren Innenminister Peter Dutton ins Rennen geschickt. Er verlor bei seinem ersten Griff nach der Macht am Montag.

Nachdem die Rebellen eine erneute Abstimmung am Freitagmorgen erzwangen, verzichtete Turnbull auf sein Amt. Bei der anschließenden Kampfabstimmung in der Fraktion der Liberalen Partei hatte Dutton erneut das Nachsehen und verlor gegen Morrison.

Australien, das gegenwärtig von einer massiven Dürre heimgesucht wird, ist damit einmal mehr von der offensichtlichen Lieblingsbeschäftigung der großen Parteien geprägt: Ihre Spitzenpolitiker sinnen mehr auf persönliche Vergeltungsfeldzüge als auf eine zukunftsgerichtete Politik.

Den Rachereigen hatte im Jahr 2010 Ruth Gillard in der sozialdemokratischen Labour Party eröffnet. Sie entthronte ihren Parteigenossen Kevin Rudd, nur um später wiederum von ihrem Vorgänger zu Fall gebracht zu werden. Bei der Wahl 2013 siegte Tone Abbott von der konservativen Liberal Party. Er musste nach drei Jahren gehen, weil Turnbull an die Macht wollte.

Neuseeland reagiert mit Hohn

Dessen Widersacher nutzten nun eine Niederlage bei einer Nachwahl und schlechte Meinungsumfragen. Auslöser war ein Aufstand gegen neue, eigentlich ziemlich schwache Grenzwerte bei der Luftverschmutzung. Erzkonservative Gegner Turnbulls in der eigenen Partei liefen Sturm. Dabei sollten die derzeit grassierende Dürre in weiten Teilen Australiens und bleibende Schäden am riesigen Barrier Reef wegen der Erwärmung des Meerwassers selbst den hartnäckigsten Gegnern des Umweltschutzes zu denken geben.

Ob die Revolte die Wahlchancen der Liberalen Parteien beim Urnengang im kommenden Jahr retten kann, ist offen. Australiens Wähler sind empört über den ewigen personellen Zank der Spitzenparteien.

In Neuseeland, das seit Herbst des vergangenen Jahres von der gerade Mutter gewordenen Jacinda Adern regiert wird, herrscht nur noch Spott für die Nachbarn. „Ich melde mich aus dem Land des Wahnsinns“, meldete sich eine Rundfunkreporterin bei einem Radiosender in der Hauptstadt Wellington nach dem Fall von Turnbull. „Oh!“, antwortete die Moderatorin, „ich dachte das Theater sei Tradition in Australien.“

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