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Attentat von Straßburg Terror kennt keine Grenzen

Nach dem Attentat von Straßburg war eines von Anfang an frappierend: die Parallelen zum Attentat vom Berliner Breitscheidplatz vor zwei Jahren. Ein Kommentar.

Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz
Am 19. Dezember 2016 verübte ein Attentäter einen Anschlag auf den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz in Berlin. Foto: epd

Es dauerte am Mittwoch eine ganze Weile, bis Details über den Attentäter von Straßburg durchsickerten. Nur eines war von Anfang an frappierend: die Parallelen zum Attentat vom Berliner Breitscheidplatz vor fast genau zwei Jahren. Diese Parallelen sagen Wesentliches aus über den islamistischen und zuweilen pseudoislamistischen Terrorismus.

Die Straßburger Tat geschah auf einem Weihnachtsmarkt – wie in Berlin. Sie wurde von einem jungen Mann ausgeführt, der polizeibekannt war und als „Gefährder“ galt – wie in Berlin. Und schließlich war dieser Mann bis zuletzt auf der Flucht – wie es in Berlin Anis Amri war. Beide Täter waren, bevor sie gezielt unschuldige Menschen umbrachten, grenzüberschreitend allgemeinkriminell tätig. So blieb verständlicherweise in der Schwebe, wofür man sie halten sollte: einfache Straftäter oder Politkriminelle.

Lediglich ein bedeutsamer Unterschied existiert, neben dem Instrument der Tat: Während der in Italien erschossene Amri sich als Flüchtling ausgab, hat sein Wiedergänger von Straßburg zwar ebenfalls nordafrikanische Wurzeln, ist aber französischer Staatsbürger – weshalb man ihn auch nicht hätte abschieben können.

Für die Terrorbekämpfer stecken in diesen Gemeinsamkeiten gute und weniger gute Nachrichten. Das Gute im Schlechten hat trotz der Tat von Straßburg weiterhin Bestand: Die Terrorgefahr ist heute weniger groß als 2016, die Zahl der Terrortoten ist weltweit zurückgegangen. Das ist für Opfer und ihre Angehörigen wahrlich kein Trost, für die Lebenden aber vielleicht schon. Der „Islamische Staat“ (IS) hat durch den Zerfall des selbst ernannten Kalifats in Syrien und dem Irak an Schlagkraft und Ausstrahlung verloren. Das Schlechte im Schlechten gilt jedoch ebenso: Die Terrorgefahr verschwindet nicht, sondern besteht latent fort.

Grenzüberschreitender Anti-Terror-Kampf

Daraus ergeben sich bis auf weiteres zwei Schlussfolgerungen. Die erste lautet: Die Terrorgefahr lässt sich zwar begrenzen, aber sie lässt sich nicht völlig ausschalten. Dass jemand kommt und einfach um sich schießt, können Beton und Stahl nicht verhindern. Umso mehr gilt es, einsame Wölfe wie Anis Amri und Chérif C. ins Visier zu nehmen, desintegrierte Menschen also, denen – aus eigener Sicht! – kein anderer Weg gangbar erscheint, als das individuelle Scheitern im Sinne einer islamistischen Botschaft zu verklären.

Die zweite Schlussfolgerung lautet, den grenzüberschreitenden Anti-Terror-Kampf zu intensivieren. Die Fälle Berlin und Straßburg demonstrieren die europäische Dimension des Terrors deutlicher denn je. Alles spricht dafür, dem auch europäisch zu begegnen.

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