Lade Inhalte...

Attentat auf Ex-Spion London und Washington: Russland verantwortlich für Angriff mit Nervengift

Das Ultimatum läuft. Bis heute Abend hat die russische Regierung Zeit, sich zum Attentat auf Sergej Skripal zu äußern. Auch die Nato ist alarmiert.

13.03.2018 06:00
Attentat auf Skripal
Militärpersonal im Einsatz am Ort des Attentats. Foto: afp

Das Ultimatum Großbritanniens an Russland läuft. Bis Dienstagabend hat London Moskau eine Frist gesetzt, innerhalb derer sich Russland zu dem Nervengift-Anschlag gegen den Ex-Doppelagenten Sergej Skripal und dessen Tochter Yulia äußern soll. Die beiden wurden nach Angaben von Premierministerin Theresa May durch einen Nervenkampfstoff vergiftet, der einst in der Sowjetunion produziert wurde. Moskau soll sich nun gegenüber der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) erklären. Russland wies die Vorwürfe am Montagabend barsch zurück.

Russland müsse umgehend zur Aufklärung beitragen, forderte May. Es gebe nur zwei mögliche Erklärungen für das Attentat: Entweder habe Moskau den Anschlag direkt ausgeführt oder die russische Regierung habe die Kontrolle über das Nervengift verloren und es sei in andere Hände gelangt, sagte May. Der russische Botschafter in London sei bereits in das Außenministerium einbestellt worden.

Tillerson schließt sich London an

Für das Attentat sei „höchstwahrscheinlich“ Russland verantwortlich, berichtete May im Parlament in London im Anschluss an eine Sitzung des nationalen Sicherheitsrates. Eingesetzt wurde demnach ein Nervenkampfstoff aus der Nowitschok-Serie: Die früher in der Sowjetunion produzierte Substanz, die in etwa 100 Varianten vorkommt, zählt zu den gefährlichsten Nervengiften überhaupt.

US-Außenminister Rex Tillerson schloss sich der Schlussfolgerung der britischen Regierung an, wonach Russland für den Giftanschlag verantwortlich ist. „Wir haben volles Vertrauen in die Untersuchungen des Vereinigten Königreiches und seine Bewertung“, wurde Tillerson in einer Mitteilung seines Ministeriums in Washington zitiert. „Wir sind schockiert, dass Russland sich erneut in derlei Verhalten engagiert zu haben scheint“, fügte er hinzu.

Stoltenberg: „die Nato ist in großer Sorge“

Die Nato zeigte sich alarmiert. „Das Vereinigte Königreich ist ein hochgeschätzter Bündnispartner, und dieser Vorfall macht der Nato große Sorge“, heißt es in einer Mitteilung von Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg. Die Nato sei mit den britischen Behörden wegen dieser Angelegenheit in Kontakt. „Der Einsatz von jeglichem Nervengas ist grauenhaft und vollkommen inakzeptabel.“

Der Ex-Spion (66) Skripal und seine Tochter Yulia (33) waren am 4. März bewusstlos auf einer Parkbank in der südenglischen Kleinstadt Salisbury entdeckt worden. Sie befinden sich weiterhin in einem kritischen Zustand. Insgesamt mussten 21 Menschen im Krankenhaus behandelt werden, darunter ist auch ein Polizist.

Das russische Außenministerium sprach von einer „Zirkusnummer“ im britischen Parlament. „Das Schluss ist klar – es ist eine reguläre informationspolitische Kampagne, basierend auf Provokationen“, wurde Außenamtssprecherin Maria Sacharowa von der Agentur Tass zitiert.

Ein „absolutes Hirngespinst“ nannte Leonid Sluzki, Vorsitzender des Duma-Komitees für internationale Angelegenheiten, die Vorwürfe aus Großbritannien. „Die Position Londons bei der Ermittlung nach der Vergiftung Skripals spiegelt die jüngsten westlichen Trends: keine Beweise, aber für alles ist Russland schuldig.“ Als Grund für das Verhalten Londons wollte Sluzki nach russischen Medienberichten eine mögliche Beeinflussung der Präsidentenwahl nicht ausschließen.

Ein Auftragsmord wie bei Trotzki

Für den früheren Geheimdienstchef Nikolai Kowaljow gehören derartige Anschläge im Auftrag einer Regierung zur Vergangenheit. Den letzten derartigen Auftragsmord habe es 1940 gegeben, als der bei Stalin in Ungnade gefallene Leo Trotzki im mexikanischen Exil mit einem Eispickel getötet wurde. „Seitdem hat es nichts Ähnliches gegeben“, sagte der frühere Leiter des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB.

May erörterte die Situation am späten Abend mit dem französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron. Dabei sei „das breite Muster aggressiven russischen Verhaltens“ angesprochen worden, auf das gemeinsam mit den Verbündeten geantwortet werden solle, sagte ein Sprecher der Downing Street.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen