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Atommüll in den Meeren Atomfässer verseuchen Ärmelkanal

Rostende Atommüll-Behälter lagern im Ärmelkanal und verseuchen das Wasser. Greenpeace sieht Zusammenhänge mit Krebserkrankungen bei den Küstenbewohnern.

Kreideküste in der Normandie. Foto: Imago

Vor Europas Küsten lagern Tausende Tonnen Atommüll in rostenden Fässern auf dem Meeresboden. Entgegen den Auskünften der Behörden geben sie bis heute radioaktive Strahlung ab, wie Recherchen von Greenpeace und dem SWR zeigen, die am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurden. Nach internen Daten der Internationalen Atomenergie-Behörde IAEA wurden von 1950 bis 1963 allein im Ärmelkanal mehr als 28?500 Fässer mit schwach- und mittelradioaktivem Material aus europäischen Krankenhäusern und Kernreaktoren versenkt.

Auch an anderen Abwurfstellen, wo bis in die 80er-Jahre Atommüll im Atlantik versenkt wurde, sollen Tausende Fässer lagern – auch hoch radioaktiver Abfall. Vor Frankreich befänden sie sich in nur 124 Meter Tiefe. Auch Deutschland habe Atommüll im Meer verklappt, etwa aus dem Forschungsreaktor Karlsruhe.

Doch anders als von der IAEA behauptet, seien die Fässer nicht dahingerostet, sodass ihr Inhalt bis zur Unschädlichkeit verdünnt wurde. Vielmehr geben die teils erhaltenen, aber löchrigen Fässer Radioaktivität an Meeresboden, Wasser und Fische ab. Nach dem Verbot der Fass-Verklappung von 1993 seien etwa von der französischen und der britischen Wiederaufbereitungsanlage in La Hague und in Sellafield kilometerlange Rohre verlegt und Atommüll ins Meer gepumpt worden. Greenpeace konnte Strahlenbelastung im Meeresboden, an Stränden und im Fisch nachweisen und sieht Zusammenhänge zu hohen Krebsraten bei Anwohnern.

Mit den Recherchen konfrontiert sprach sich IAEA-Meeresexperte Hartmut Nies für die Bergung der Fässer aus. Auch die Grünen fordern das. Britische Behörden lehnen die Rückholung ab. Greenpeace hatte auf ähnliche Funde bereits im Jahr 2000 erfolglos hingewiesen.

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