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Atommüll Gorleben ist noch nicht vom Tisch

Die Atomendlager-Kommission legt ihren Abschlussbericht vor. Greenpeace-Studie bemängelt: Eine dauerhafte Sicherheit sei bei der Entsorgung nicht gewährleistet.

Der Streit um Gorleben könnte weiter gehen. Foto: AFP

Beim Dauerbrenner Atom-Entsorgung sind wieder Bundestag und Bundesrat am Drücker. Sie sollen das 2013 verabschiedete Standort-Auswahlgesetz gemäß den Empfehlungen der Atomendlager-Kommission überarbeiten. Die Kommission hat am Dienstag ihren Endbericht offiziell vorgelegt. Die Co-Vorsitzenden Ursula Heinen-Esser (CDU) und Michael Müller (SPD) übergaben das 615-Seiten-Werk an Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD). Sie will das neue Gesetz noch in dieser Legislaturperiode verabschieden.

Kernpunkte: Die rund 30.000 Kubikmeter hoch radioaktiver Abfälle aus den Kernkraftwerken sollen in einem tiefen Bergwerk untergebracht werden. Diese Option sei die „beste Möglichkeit zu einer sicheren Entsorgung“. Eine dauerhafte Zwischenlagerung des Nuklearmülls gilt bestenfalls als zweitbeste Möglichkeit. Die Suche nach dem Standort soll bundesweit neu beginnen, als grundsätzlich geeignet gelten Salzstöcke, Granit- und Ton-Formationen. Das umstrittene Gorleben wird dabei nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Die Entscheidung über den nationalen Endlager-Standort dürfte laut Kommission frühestens 2058 fallen, eine Einlagerung des Mülls erst 2117 oder später beginnen.

Die 34-köpfige Kommission hatte die seit 40 Jahren wegen der politischen und wissenschaftlichen Tricksereien in Gorleben hoch umstrittene Endlagersuche befrieden sollen. Doch die Hoffnung wurde enttäuscht, wie sich auch am Dienstag wieder zeigte. Atomgegner demonstrierten in Berlin, vor allem, weil das „politisch verbrannte“ Gorleben nicht von der weißen Landkarte genommen wurde. Und Bayerns Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) machte klar, dass ihr Bundesland ohnehin aus dem Konsens ausschert: „Die Gesteine in Bayern sind nicht für ein Endlager geeignet – das gilt für Granit, Ton und Salz“, sagte sie.

Kostendruck gegen Sicherheit

Auch Sachsen-Anhalt legt ein Sondervotum zur Kommissionsarbeit vor, in dem kristallines Gestein wie Granit, das in beiden Ländern vorkommt, als untauglich bezeichnet wird. Heinen-Esser betonte jedoch: „Es wird im gesamten Bundesgebiet nach einem Endlagerstandort gesucht.“

Ein renommierter Atommüll-Experte meldete unterdessen Zweifel am Konzept der Endlagerung von Atommüll in tiefen geologischen Schichten an. Der Schweizer Geologe Marcos Buser kommt in einer Studie, die von Greenpeace in Auftrag gegeben wurde, zu dem Schluss, dass alle bisherigen Versuche mit solchen Lagern den Anforderungen für dauerhafte Sicherheit nicht genügten. Buser hat als Vorsitzender einer Schweizer Expertenkommission das dortige Endlagerkonzept mitentwickelt und war laut Greenpeace jahrzehntelang ein starker Fürsprecher der tiefengeologischen Lagerung.

In der Studie analysiert er die Gründe für das Scheitern von vier Endlagerprojekten für Atommüll respektive Sondermüll in der Schweiz, Frankreich, den USA und Deutschland – hier das „Versuchs-Endlager“ Asse, das für mehrere Milliarden Euro saniert werden muss. Hauptursachen des Scheiterns waren danach in allen Fällen der Kostendruck und mangelnde Bereitschaft, aus Fehlern zu lernen. Drei der vier von Buser betrachteten Projekte lagen wie Gorleben in einem Salzstock. Buser stellt fest, dass das Konzept mehrerer Barrieren, die einen Austritt schädlicher Stoffe verhindern sollen, bereits früh während des Lagerprozesses versagte.

Greenpeace-Atomexperte Tobias Münchmeyer forderte die Regierung auf, Alternativen zur Endlagerung in der Tiefe untersuchen zu lassen. „Das ganze Konzept steht infrage. Um diese unbequeme Wahrheit hat sich die Endlagerkommission herumgedrückt.“ Er plädierte im Gespräch mit der FR dafür, vorerst eine „langfristige oberirdische Zwischenlagerung“ anzupeilen.

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