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Atomkraft Ärzte warnen vor Niedrigstrahlung

Die Organisation „Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs“ legt einen Bericht über die gesundheitlichen Folgen nach Fukushima und Tschernobyl vor.

17.02.2016 16:35
Von Jörg Wimalasena
Akira Yamada (89) hat die Hiroshima-Bombe überlebt. Foto: rtr

Fünf Jahre nach der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima haben Ärzte vor anhaltenden Gesundheitsrisiken durch eine niedrige Strahlendosis gewarnt. Die Organisation „Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs“ (IPPNW) legte dazu am Mittwoch in Berlin einen Bericht vor, der auch Forschungsergebnisse zu den Gesundheitsfolgen der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl vor 30 Jahren umfasst.

Demnach mehren sich in anerkannten wissenschaftlichen Publikationen Hinweise, dass Niedrigstrahlung wesentlich gefährlicher ist als bislang angenommen. Schon sehr kleine Strahlendosen führten zu signifikant erhöhten Risiken für Krebs, Herzkreislauferkrankungen, Totgeburten sowie Fehlbildungen bei Neugeborenen.

Nach Angaben von IPPNW ist in der Präfektur von Fukushima die Zahl der Kinder, die an Schilddrüsenkrebs erkrankten gestiegen. Insgesamt 115 Kinder mussten laut Bericht seit 2011 wegen metastasierten oder stark wachsenden Krebsgeschwüre in ihren Schilddrüsen operiert werden. Die jährliche Rate von Neuerkrankungen von Schilddrüsenkrebs bei Kindern in Japan wird vom japanischen Gesundheitsministerium laut IPPNW mit 0,3 pro 100 000 angegeben. Bei einer Bevölkerung von 300 000 Kindern sei somit lediglich mit einem Schilddrüsenkrebsfall im Jahr zu rechnen gewesen.

Infolge der Katastrophe von Tschernobyl 1986 kam es laut der Ärzteorganisation ebenfalls zu einer Häufung unterschiedlicher Krebsarten, sowie zu einem „erschreckenden Anstieg“ von Erkrankungen des Herzkreislaufsystems, der Lungen, der Blutzellen und der Schilddrüse, sowie zu Diabetes und Hirnschäden. Ferner habe es signifikant mehr Fehlbildungen gegeben.

Von den 830 000 Aufräumarbeitern (Liquidatoren), die 1986 eingesetzt wurden, seien bereits mehr als 112 000 gestorben, vor allem an Schlaganfällen, Herzinfarkten und Krebs. IPPNW erwartet bis zu 850 000 weitere Tschernobyl-bedingte Krebserkrankungen. Eine erhöhte Zahl von Totgeburten und Sterbefällen direkt nach der Geburt sei bis heute in verschiedenen europäischen Ländern zu verzeichnen.

Als weitere Folge nannte IPPNW eine europaweite Veränderung im Geschlechterverhältnis durch die Verstrahlungen aus dem Tschernobylreaktor. Die Lücke entspreche rechnerisch von 1987 bis 2011 etwa 500 000 weniger Mädchen. Für Deutschland bedeute dies ein Minus von 20 000 Mädchen. In Bayern hätten einige Krebserkrankungen von 2002 bis 2009 zugenommen. Für Schilddrüsenkrebs könne ein Zusammenhang mit dem Fallout nachgewiesen werden.

Der IPPNW-Vorsitzende Alex Rosen forderte unabhängige Untersuchungen zu Atomunfällen. „Jeder Verdacht auf Beeinflussung durch die Atomindustrie und ihre politischen Unterstützer muss ausgeschlossen werden“, so Rosen. Die Ärzte werfen dem zuständigen UN-Ausschuss vor, die Folgen der Katastrophen herunterzuspielen.

Der Ausschuss stütze sich in seinem Bericht zu Fukushima auf Angaben der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO) und der Betreiberfirma TEPCO. Ergebnisse unabhängiger Institute würden ignoriert. Es bedürfe umfangreicher Studien, um die gesundheitlichen Konsequenzen für die betroffene Bevölkerung zu verstehen, Erkrankungen frühzeitig zu erkennen und zukünftige Generationen durch neue Erkenntnisse besser zu schützen. (mit KNA)

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