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Atomenergie in Frankreich Hoffen auf den Wandel

Frankreich setzt seit 1956 auf Atomkraft. 19 Kraftwerke mit 58 Reaktoren wurden gebaut. Umweltschützer wollen nun ein Bewusstseinswandel herbeiführen. Mit dabei: Daniel Cohn-Bendit. Er fordert: Die Franzosen sollen über den Ausstieg abstimmen.

Auch in Frankreich erneuern Umweltschützer ihre Forderung nach einem Ausstieg aus der Atomenergie. Foto: REUTERS

Frankreich setzt seit 1956 auf Atomkraft. 19 Kraftwerke mit 58 Reaktoren wurden gebaut. Umweltschützer wollen nun ein Bewusstseinswandel herbeiführen. Mit dabei: Daniel Cohn-Bendit. Er fordert: Die Franzosen sollen über den Ausstieg abstimmen.

Daniel Cohn-Bendit scheint von einem fernen Land zu sprechen. Im Radiosender France Info erzählt der Europa-Abgeordnete der Grünen, wie in diesem Land die Überzeugung wächst, dass man der nächsten Generation nicht die Gefahren ziviler Atomenergie hinterlassen darf. Cohn-Bendit spricht von Deutschland.

Der Abgeordnete verweist auf die Atomkatastrophe in Japan und regt ein Referendum an: Die Franzosen sollten über den Ausstieg aus der Kernkraft abstimmen. Der Moderator hört sich das geduldig an. Er fragt nicht nach. Zu abwegig kommt ihm offenbar vor, was der Grüne vorschlägt, zu weit weg von der in Frankreich vorherrschenden Meinung, dass es ohne Atomkraft nicht geht.

Umweltschützer machen mobil

Frankreich setzt seit 1956 entschlossen auf Atomkraft. 19 Kraftwerke mit insgesamt 58 Reaktoren decken 76 Prozent des heimischen Strombedarfs.

Selbst wenn Frankreich es wolle, könne das Land auf Atomenergie nicht verzichten, hat die Pariser Umweltministerin Nathalie Kosciusko-Morizet am Montag versichert und hinzugefügt: „Frankreichs Atomkraftwerke sind darauf vorbereitet, von der Natur ausgehenden Risiken zu begegnen.“

Die Politikerin verweist auf den als veraltet verrufenen Atommeiler von Fessenheim, der nach ihren Worten „selbst einem Erdbeben trotzen würde, das fünfmal so stark ist wie das bisher heftigste in der Region, das 1356 Basel erschüttert hat.“

Die Umweltschützer des Landes sind davon wenig beeindruckt. Sie machen mobil, erneuern ihre Forderung nach einem Ausstieg aus der Atomenergie. Die sich in Japan ausweitende Katastrophe eröffnet nach Ansicht von Grünen und ihnen nahestehenden Verbänden wie Sortir du Nucleaire (Aus der Atomkraft aussteigen), Greenpeace oder France Nature Environnement (Frankreich Natur Umwelt) die Chance, in Frankreich endlich Gehör zu finden und einen Bewusstseinswandel herbeizuführen.

Wichtigster Gewährsmann der Atomkraftgegner ist der Physiker Roland Desbordes, Vorsitzender der Kommission für eine unabhängige Erforschung und Information über Radioaktivität. Nach Angaben des Experten kommt es in Frankreichs Kernkraftwerken jährlich zu etwa 1000 Zwischenfällen. Einige Reaktoren stünden in erdbebengefährdeten Gebieten, ohne dass dieses Risiko wirklich ernst genommen worden sei.

Der Staat, der über die Sicherheit der Anlagen zu wachen habe, sei als Hauptaktionär des Stromriesen EdF zugleich gehalten, mit der Atomkraft Geschäfte zu machen, moniert Desbordes. Für Greenpeace France folgt daraus: „Nach den Ereignissen in Japan müssen wir in Frankreich mit dem Mythos nuklearer Sicherheit aufräumen.“

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