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Atomabkommen Droht nun die Eskalation?

Welche Folgen hat Trumps Ausstieg aus dem internationalen Atomvertrag mit dem Iran? FR-Korrespondent Martin Gehlen gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Golan
„Wenn es bei uns regnet, gibt es im Iran eine Sintflut“, droht Verteidigungsminister Avigdor Lieberman. Israelischer Soldat und Pappkameraden auf den Golanhöhen. Foto: afp

Die USA kündigen den Atomvertrag mit dem Iran auf, die Folgen dieses Alleingangs sind unkalkulierbar. Was bedeutet das für die Region, die zu den instabilsten und gewalttätigsten der Welt gehört? 

Droht eine direkte militärische Konfrontation zwischen Israel und Iran?
Israels Führung beunruhigt neben dem Atomthema vor allem die massive iranische Militärpräsenz im Nachbarland Syrien. Rund 3000 Revolutionäre Garden hat Teheran derzeit im Einsatz, die dort offenbar auf Dauer stationiert bleiben sollen. Hinzu kommen mindestens 10 000 von Iran rekrutierte und bezahlte Milizionäre, überwiegend Iraker und Afghanen. Seit Monaten führt Israel bereits einen unerklärten Krieg gegen diese iranische Militärmacht, der in nächster Zeit dramatisch eskalieren könnte. 36 Stunden nach der Trump-Rede bombardierten 28 israelische Kampfjets zahlreiche Stellungen der Revolutionären Garden in Syrien, nach Angaben aus Armeekreisen eine der massivsten Militäroperationen während der vergangenen Jahre.

Zuvor waren die Golanhöhen von syrischem Territorium aus mit etwa 20 Raketen beschossen worden. Israels Premierminister Benjamin Netanjahu reiste am Mittwoch nach Moskau zu Wladimir Putin, der die Kontrahenten zur Zurückhaltung und zum Dialog aufrufen ließ. Trotzdem könnte dem Kreml Netanjahus aggressiverer Kurs durchaus gelegen kommen, weil er den iranischen Ambitionen in Syrien Grenzen setzt. Umgekehrt kann allein die russische Luftabwehr den israelischen Jets wirklich gefährlich werden. Und so wird sich Israel hüten, das Assad-Regime oder russische Einrichtungen direkt anzugreifen.

Was bedeutet Trumps Konfrontation mit dem Iran für den Jemen?
In der Auseinandersetzung Irans mit seinen regionalen Widersachern am Golf könnte der Krieg im Jemen eine zentralere Bedeutung bekommen. Bislang hielt sich die Waffenhilfe Teherans für die Huthi-Rebellen in Grenzen. Allerdings halfen Irans Spezialisten offenbar dabei, die alten Mittelstreckenraketen aus den Beständen der jemenitischen Armee zielgenauer und weitreichender zu machen. Mehr als 130 Geschosse haben die Huthis in letzter Zeit auf Saudi-Arabien abgefeuert, gemessen an den mehr als 100 000 Raketenangriffen der Saudis eine geringe Zahl. Mindestens zwei Raketen schlugen auf dem internationalen Flughafen von Riad ein. Auch in der Nacht nach der Trump-Rede wurden wieder zwei Geschosse auf die saudische Hauptstadt abgefeuert, die jedoch abgefangen werden konnten. Eine Verhandlungslösung rückt jetzt in noch viel weitere Ferne. Denn der Iran dürfte nicht mehr bereit sein, politisch auf die Huthis einzuwirken, an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

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