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Atom-Zwischenlager Gorleben „Strahlenwert überschritten“

Die Umweltorganisation Greenpeace wirft Niedersachsens Umweltministerium falsche Berechnung vor, um den Castor-Transport Ende November nicht zu gefährden.

Behälter mit hoch radioaktiven Abfällen im Zwischenlager Gorleben Foto: dapd/Nigel Treblin

Die Umweltorganisation Greenpeace wirft Niedersachsens Umweltministerium falsche Berechnung vor, um den Castor-Transport Ende November nicht zu gefährden.

Greenpeace hat Niedersachsens Umweltministerium hart wegen des Atom-Zwischenlagers in Gorleben attackiert. Die Umweltorganisation äußerte den Verdacht, das Haus von Minister Hans-Heinrich Sander (FDP) habe die Strahlenwerte heruntergerechnet, um den Castor-Transport Ende November nicht zu gefährden. Tatsächlich könne der maximale Jahresgrenzwert am Zwischenlager überschritten werden - und zwar ohne die zusätzliche Lieferung der elf Castor-Behälter, die aus der Wiederaufarbeitungsanlage in La Hague (Frankreich) ins Wendland gebracht werden sollen.

Die umstrittenen Strahlenwerte sind die Grundlage für die Entscheidung des Ministeriums über die Transportgenehmigung, die Sander am kommenden Dienstag verkünden will. Maximal erlaubt sind am Zaun des Zwischenlagers, in dem derzeit 102 Castoren stehen, 0,3 Millisievert. Dabei werden die von den Behältern ausgehenden Neutronen- und Gammastrahlungen addiert. Das Ministerium hatte im September einen Wert von 0,233 Millisievert bekanntgegeben. Greenpeace kommt nun aber auf eine mögliche Strahlendosis von 0,305. Damit würde der Grenzwert überschritten. Der Castor-Transport müsste abgesagt werden.

Begründung: Terrorangriffe

Streit über die Werte gibt es seit August. Damals hatte ein Check des für die Gorleben-Überwachung zuständigen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (LWKN) für das erste Halbjahr 2010 ergeben, das der Ganzjahreswert wahrscheinlich überschritten würde. Daraufhin schaltete das Sander-Ministerium die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) und den TÜV ein, die aktuelle Messungen und eine Prognose für die zu erwartenden Werte machten. Es wurde Entwarnung gegeben. Als ein Grund gilt, dass die Castor-Behälter im Juni in der Zwischenlager-Halle umgestellt worden waren , und zwar nicht wegen der Strahlenwerte, sondern um den Schutz gegen mögliche Terrorangriffe zu verbessern.

Erstaunlich positive Reaktion

Greenpeace wirft dem Ministerium vor, bei der Kombination der Messdaten beider Behörden für das erste und das zweite Halbjahr drei „erhebliche“ Berechnungsfehler gemacht zu haben, die zum niedrigen Jahreswert führten. So habe es für das erste Halbjahr willkürlich einen erhöhten Wert für die natürlich vorkommende Neutronenstrahlung angesetzt, der von dem am Gorleben-Zaun gemessenen Gesamtwert abgezogen wird. Dadurch sei der Wert der Castor-Strahlung niedriger ausgefallen. Außerdem sei „unzulässigerweise für das erste Halbjahr eine Gammastrahlung von Null“ angenommen worden, moniert Greenpeace. Dabei lägen Messungen der Landesbehörde vor, die höhere Werte lieferten.

Greenpeace-Experte Heinz Smital kommentierte: „Die Zahlen sprechen eine klare Sprache, der Castortransport muss abgesagt werden.“ Es scheine, als habe das Ministerium „die Messwerte heruntergerechnet, um den Transport nicht zu gefährden“.

Das Ministerium reagierte unerwartet positiv. Man sei froh, dass Greenpeace die Einwände jetzt formuliert hätte, „da die Entscheidung über den Castor-Transport noch nicht gefallen ist“, sagte eine Sprecherin der FR. Sie würden nun geprüft. Sander hatte nach Bekanntgabe der niedrigen Werte im September bereits quasi grünes Licht für den Castor-Transport gegeben.

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