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Armut Staatsruine Südsudan

In der südsudanesischen Hauptstadt Juba zeigt sich, wie heruntergewirtschaftet der umkämpfte Staat wirklich ist.

Hunger
Menschen und Tiere hungern: Viehhirten der Dinka hüten während der Trockenzeit ihre Rinder auf kargem Land. Foto: afp

Jubas Flughafen ist eigentlich nur ein Zelt: Die Ankunftshalle besteht aus einem Holzgerüst und einer Plastikplane. Dazwischen drängelt sich ein hektisches Häuflein an Diplomaten, bleichen Mitarbeitern von Hilfsorganisationen, dunkelhäutigen Uniformierten, ein paar verirrten Geschäftsleuten und den in Afrika inzwischen allgegenwärtigen Chinesen. Täglich kommt in der südsudanesischen Hauptstadt ein halbes Dutzend Flugzeuge aus der Region an: Ihnen entsteigen vor allem professionelle Elendsverwalter. Neben dem Zelt soll ein neues Flughafengebäude entstehen. Die Planungen und der Bau dauern jetzt   allerdings schon zehn Jahre.

Präsident Salva Kiir musste jüngst einräumen, dass sein Land pleite ist. Die Zentralbank verfüge über kein Geld mehr, sagte der Staatschef, der gern einen schwarzen Cowboyhut trägt: „Und da ist nichts, was wir auf die Schnelle ändern könnten.“ Dennoch feuerte Kiir vorsorglich seinen Finanzminister; auch wenn dieser für die Pleite nicht viel mehr verantwortlich ist, als ein Lastwagenfahrer für einen platten Reifen kann.

Präsident Kiir hält sich seit geraumer Zeit nicht mehr in seinem in der Stadtmitte gelegenen Amtssitz auf. Der sei einsturzgefährdet, erzählt ein einheimischer Journalist. Für die von der Straße aus sichtbaren Wachtürme gilt das auf jeden Fall. Sie sind von Einschusslöchern durchsiebt, Sandsäcke ersetzen ihre Scheiben. Dort lieferten sich die Truppen Kiirs und seines Stellvertreters Riek Machar vor zwei Jahren heftige Gefechte. Der Konflikt zwischen dem Dinka Kiir und dem Nuer Machar stürzt den jüngsten Staat der Welt immer tiefer ins Verderben. Mehr als ein halbes Jahrhundert lang hatten die christlichen Südsudanesen gegen die muslimisch-arabische Elite im Norden das Landes gekämpft. Zwei Jahre nach ihrer Unabhängigkeit im Juli 2011 gerieten die rund 60 südsudanesischen Völker dann untereinander in Streit. Malakal, die einst zweitgrößte Stadt im Norden des Landes, gibt es heute nicht mehr.

Dafür brummt es in Juba ununterbrochen. Das ist allerdings nicht der entfesselten Wirtschaftskraft des Erdölstaates, sondern den Generatoren vor jedem größeren Haus zuzuschreiben. Eine öffentliche Stromversorgung gibt es in Juba längst nicht mehr. Im Hauptquartier der Vereinten Nationen, von wo aus die 17 500-köpfige Friedensmission Unmiss geleitet wird, sind heute auch die Wasserleitungen trocken – was David Shearer, den Chef der Blauhelmmission, weniger stört als der allgemeine Zustand des Landes. „Der Südsudan ist zweifellos an einem Tiefpunkt angelangt“, sagt der 60-jährige Neuseeländer, der im Verlauf seiner UN-Karriere „Shitholes“, wie US-Präsident Donald Trump sie nannte, wie Liberia, Sierra Leone oder Sri Lanka im Bürgerkrieg kennengelernt hat.

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