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Argentinien Todesengel Astiz zu lebenslanger Haft verurteilt

“Mörder, Mörder“, rufen die Angehörigen im Gerichtssaal. Der frühere Junta-Offizier Alfredo Astiz wird nach mehr als 30 Jahren wegen Entführungen, Folter und Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Mit ihm standen 17 weitere ehemalige Armeeangehörige vor Gericht.

27.10.2011 10:32
Alfredo Astiz, wird wegen seiner Taten auch Todesengel genannt. Foto: REUTERS

Der als „Todesengel“ berüchtigte frühere Junta-Offizier Alfredo Astiz ist in Argentinien zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Astiz wurde wegen Entführungen, Folter und Mordes während der argentinischen Militärdiktatur zwischen 1976 und 1983 verurteilt, wie der Vorsitzende Richter Daniel Obligado am Mittwoch (Ortszeit) in Buenos Aires sagte. Besonders bekannt ist der Fall zweier getöteter französischer Nonnen.

Zusammen mit Astiz standen 17 weitere ehemalige Armeeangehörige vor Gericht. Insgesamt wurden ihnen fast einhundert Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen. Die meisten Angeklagten erhielten lebenslange Haft oder langjährige Gefängnisstrafen, zwei wurden freigesprochen. Unter anderen wurde der frühere Außenminister Oscar Montes zu lebenslänglich verurteilt.

“Mörder, Mörder“, riefen Angehörige von Opfern nach der Urteilsverlesung. Nach 34 Jahren könnten die Familien endlich trauern, sagte ein Anwalt der Angehörigen der 1977 entführten Nonnen, Horacio Mendez Carreras, der Nachrichtenagentur AFP. Eine Nichte von Léonie Duquet, einer der beiden Nonnen, begrüßte das Urteil am Ende des zweijährigen Prozesses. Die Justiz sei „Basis der Demokratie“, sagte Geneviève Jeaningros. „Alle, die ihr Leben gegeben haben, haben das nicht umsonst getan.“ Unterstützer der Angeklagten sangen dagegen die argentinische Nationalhymne.

Französische Nonnen verschleppt

Die Nonnen Alice Domon und Léonie Duquet waren im Dezember 1977 verschleppt worden. Mit ihnen wurden zehn weitere Aktivistinnen entführt, darunter die Gründerin der Mütter der Plaza de Mayo, einer Organisation von Frauen, deren Angehörige während der Diktatur verschwanden. Es wird angenommen, dass Duquet und vier Argentinierinnen lebend aus einem Flugzeug ins Meer geworfen wurden. Ihre Leichen wurden 2005 auf einem Seefriedhof entdeckt, auf den Grabsteinen stand „N.N.“ Anwohner hatten die Toten entdeckt, als sie an Land gespült wurden. Hunderte Opfer der Militärjunta wurden bei so genannten Todesflügen ermordet.

In Frankreich wurde der heute 59-jährige Astiz bereits 1990 in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt, in Italien im Jahr 2007. Ein argentinisches Gericht hatte den „Todesengel“ bereits nach dem Ende der Militärherrschaft für schuldig befunden, Morde, Folter und Entführungen begangen zu haben. Ende der 1980er Jahre jedoch wurden unter dem peronistischen Präsidenten Carlos Menem Amnestiegesetze erlassen, von denen Astiz profitierte. Der Oberste Gerichtshof des Landes erklärte den Gnadenerlass später aber für nichtig.
Zur Zeit der Militärdiktatur war Astiz in der Marineingenieursschule ESMA in Buenos Aires tätig - einem der Folterzentren der Junta, das als Symbol für die Gewalt in die Geschichte einging. Dort sollen rund 5000 Menschen misshandelt worden sein. Insgesamt wurden nach Schätzungen von Menschenrechtsorganisationen bis zu 30.000 Menschen während der argentinischen Militärdiktatur gefoltert, ermordet oder verschwanden spurlos. (afp)

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