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Argentinien Argentinien setzt auf Kontinuität

Amtsinhaberin Cristina Kirchner gewinnt dank Wirtschaftsboom die Präsidentschaftswahl.

Argentiniens Sonne scheint weiter für Cristina Kirchner. Foto: dpa

In Argentinien hat die Amtsinhaberin Cristina Fernández de Kirchner die Präsidenten-Wahl haushoch gewonnen. Sie kam auf rund 54 Prozent der Stimmen, mehr als dreimal so viel wie der Sozialist Hermes Binner, der mit 17 Prozent Zweiter wurde. „Ich rufe das ganze Land zur nationalen Einheit auf“, rief die Präsidentin vor begeisterten Anhängern auf der Plaza de Mayo vor ihrem Amtssitz in Buenos Aires. „Lenken wir uns nicht durch unnötige Konfrontationen ab.“

Cristina Kirchner wurde vor vier Jahren als erste Frau ins höchste Amt Argentiniens gewählt. Damals trat sie die Nachfolge ihres inzwischen verstorbenen Ehemanns Néstor Kirchner an. Im historisch instabilen Argentinien gelang bloß zwei Präsidenten die Wiederwahl: Carlos Menem, der von 1989 bis 1999 regierte, und Juan Domingo Perón, der 1945 bis 1955 amtierte. Nur Perón wurde mit mehr Stimmen – 62 Prozent – wiedergewählt als Kirchner jetzt. Außer Hermes Binner, dem Gouverneur der Soja-Provinz Santa Fe, hatte auch Ricardo Alfonsín die Amtsinhaberin herausgefordert. Der Sohn des ersten zivilen Präsidenten nach der Militärdiktatur (1976-83) kam auf elf Prozent.

Außer der politischen Blässe ihrer Gegner und einem gewissen Mitleidseffekt wegen des jähen Todes ihres Mannes im Jahr 2010 ist es vor allem die wirtschaftliche Lage, die der Präsidentin den Sieg gesichert hat. Aber die Wirtschaft gilt zugleich auch als die große Herausforderung für die Staatschefin.

Zwar hat ihre Regierung bei Wachstumsraten von sieben bis neun Prozent in den vergangenen Jahren die Armut und die Arbeitslosigkeit beträchtlich verringern können. Aber Argentinien hat nach Venezuela die höchste Inflationsrate Südamerikas – offiziell wird sie mit rund zehn Prozent angegeben, private Schätzungen setzen 25 Prozent an. Unternehmerkreise werfen der Präsidentin vor, sie mische sich in das Wirtschaftsgeschehen ein.

Wenn die USA husten, kriegt Lateinamerika eine Lungenentzündung, hieß es früher. Heute ist es China, um dessen Gesundheit Lateinamerika besorgt sein muss. Auch Argentinien verdankt seinen Boom zum Großteil den Asiaten, die Landwirtschaftsprodukte wie Soja kaufen. Und sollte Brasilien anfangen zu husten, dürfte Argentinien zumindest eine schwere Erkältung bekommen, denn ein Großteil der nationalen Industrieproduktion findet im Nachbarland Absatz. So kauft Brasilien 80 Prozent der argentinischen Autoproduktion.

Nachfolger wird aufgebaut

Umfragen zufolge sind auch überzeugte Kirchner-Wähler der Ansicht, die Präsidentin müsse führende Figuren ihrer Regierung auswechseln. Das dürfte geschehen, wenn Cristina Kirchner am 10. Dezember für ihr zweites Mandat vereidigt wird. Ihr Kabinettchef Aníbal Fernández, dessen polemische Ausfälle das politische Klima in den vergangenen Jahren oft verschärft hatten, wurde ohnehin in den Senat gewählt. Wer ihm folgt, ist unklar. Industrieministerin Debora Giogi und Zentralbankchefin Mercedes Marcó del Pont werden für die Spitze des Wirtschaftsministeriums gehandelt. Der bisherige Amtsinhaber, Amado Boudou, ist an der Seite von Cristina Kirchner zum neuen Vizepräsidenten gewählt worden.

Beobachter spekulieren bereits, dass Boudou, ein loyaler Gefolgsmann der Präsidentin, als deren Nachfolger aufgebaut werden soll. Der knapp 48-jährige Ökonom ist in der Jugend als Rock-Musiker hervorgetreten und spielte volkstümlich auch als Wahlkämpfer mitunter Gitarre. Cristina Kirchner darf kein drittes Mal antreten, es sei denn, die Verfassung würde geändert – eine Möglichkeit, über die ebenfalls spekuliert wird.

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