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Antisemitismus „Muslime sind nicht der Feind der Juden“

Zentralratspräsident Josef Schuster spricht im Interview über Strategien gegen Antisemitismus, den Erfolg der AfD und Sigmar Gabriel.

Kippa
Einige Juden trauen sich nicht, mit Kippa auf die Straße zu gehen. Foto: imago

Herr Schuster, wie entwickelt sich das jüdische Leben in Deutschland?
Es entwickelt sich positiv. Nach der großen Zuwanderungswelle in den 90er Jahren sind wir in einer Phase der Konsolidierung und auch der Normalisierung. Dazu gehört, dass die jüdischen Gemeinden viel stärker präsent sind im öffentlichen Leben, es gibt auch wieder mehrere jüdische Gymnasien. Das zeigt ganz klar, dass jüdisches Leben in Deutschland wieder selbstverständlicher wird.

Über jüdisches Leben lässt sich leider nicht sprechen, ohne über Antisemitismus zu sprechen. Studien zufolge ist der Antisemitismus wieder stärker in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Können Sie das aus Ihrer Erfahrung bestätigen?
Antisemitismus artikuliert sich auf jeden Fall wieder deutlicher in der Mitte der Gesellschaft. Man getraut sich heute viel stärker, das zu sagen, was man schon immer gedacht hat, sich aber eben nicht getraut hat zu sagen. Eine wichtige Rolle spielen dabei die neuen sozialen Medien. Es ist sehr einfach, antisemitische Ressentiments im Netz zu verbreiten.

Antisemitismus, das zeigen Studien, äußert sich heute häufiger in Form von Antiisraelismus. Wo würden Sie die Grenze ziehen und gibt es überhaupt eine Grenze?
Es gibt eine ganz klare Grenze. Es ist absolut legitim und hat mit Antisemitismus nichts zu tun, wenn ich konkret an Entscheidungen der israelischen Regierung Kritik übe. Genauso legitim ist es, Entscheidungen der deutschen Regierung zu kritisieren. Das gehört zum Wesen der Demokratie. Wenn ich aber pauschal Israel, seine Bewohner oder gar alle Juden in Generalhaft nehme, ist die Grenze überschritten, dann handelt es sich um Antisemitismus.

Insofern ist es auch legitim, wenn der amtierende Außenminister Sigmar Gabriel Kritik an der israelischen Regierung übt?
Kritik ja, aber auch hier gilt: Wenn man von Israel als Apartheidstaat spricht, dann ist objektiv eine Grenze überschritten. Dafür habe ich kein Verständnis.

In den letzten Jahren haben auch antisemitische Straftaten zugenommen. Ist der Antisemitismus in Deutschland aggressiver geworden?
Wenn insgesamt die roten Linien verschoben werden, kommt zwangsläufig irgendwann der Punkt, wo das Wort auch zur Tat wird. Insofern ist diese Entwicklung nicht verwunderlich, wenn auch alles andere als schön.

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