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Antisemitismus in Europa Arte reagiert auf „Bild“-Aktion

Weil der Sender Arte einen Rückzieher macht, zeigt „Bild.de“ eine umstrittene Dokumentation über Antisemitismus in Europa. Ein Arte-Sprecher nennt das „befremdlich“.

13.06.2017 13:15
Ausschnitt aus dem von Bild.de veröffentlichten Film.

„Bild.de“ hat am Dienstag die vieldiskutierte Dokumentation über Antisemitismus in Europa gezeigt, die Arte nicht ausstrahlen will und die der WDR noch prüft.

„Seit Wochen wird bis in die höchsten Ebenen der Politik über diese - von Gebührengeldern produzierte - Dokumentation diskutiert. Ohne dass die Bürger sie sehen dürfen. Ohne dass sie sich ein Urteil bilden können“, schrieb Chefredakteur Julian Reichelt auf „Bild.de“. Der Verdacht liege nahe, dass diese Dokumentation nicht gezeigt werde, weil sie ein antisemitisches Weltbild in weiten Teilen der Gesellschaft belege, das erschütternd sei, hieß es auf „Bild.de“.

Arte weigert sich, die Dokumentation „Auserwählt und ausgegrenzt - Der Hass auf Juden in Europa“ von Joachim Schroeder und Sophie Hafner zu senden. Auf epd-Anfrage erklärte Arte im Mai, der produzierte Film entspreche nicht dem geplanten Projekt: „Vereinbart war ein von zwei Koautoren erstelltes Panorama des Antisemitismus heute in Europa. Zum Großteil spielt aber der von einem einzigen Autor erstellte Film zwischen Berlin und dem Nahen Osten.“

Zu der Frage, ob „Bild.de“ die Rechte an der Dokumentation erworben habe, äußerte sich der Medienkonzern Axel Springer nicht. Springer erklärte, der Kampf gegen Antisemitismus stoße in Deutschland auf überragendes öffentliches Interesse in Deutschland: „Unsere historische Verantwortung verpflichtet uns dazu, den Unsäglichkeiten, die in der Dokumentation belegt werden, entschlossen entgegenzutreten.“

Mit der Online-Stellung für 24 Stunden habe „Bild“ allen die Möglichkeit gegeben, sich selbst eine Meinung über die Dokumentation zu bilden. „Dies ist eine Frage der Glaubwürdigkeit aller Medien, dem Verdacht der Eigenzensur bei politisch nicht genehmen Themen entschieden entgegenzutreten“, teilte Springer mit.

Arte teilte mit, man habe zur Kenntnis genommen, dass „Bild.de“ die Dokumentation „in eigener Verantwortung“ online gestellt habe. „Auch wenn diese Vorgehensweise befremdlich ist, hat Arte keinen Einwand, dass die Öffentlichkeit sich ein eigenes Urteil über den Film bilden kann“, erklärte der Sender auf seiner Seite. Zudem bekräftigte Arte, den Film „nicht durch eine eigene Ausstrahlung nachträglich legitimieren“ zu wollen, da er vom verabredeten Sendungskonzept abweiche.

„Die Unterstellung, der Film passe aus politischen Gründen nicht ins Programm, ist schlichtweg absurd.“ Zuletzt hatte es viel Kritik an der Vorgehensweise von Arte und dem WDR gegeben. Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, hatte sich in einem Schreiben an Arte, WDR und ZDF verwundert geäußert, dass die Dokumentation nicht wie geplant bei Arte gesendet werden soll.

Historiker wie Michael Wolffsohn und Götz Aly hatten die Dokumentation gelobt. Aly hatte dem Arte-Programmdirektor Zensur vorgeworfen. Auch der Islamismus-Experte Ahmad Mansour hatte die Relevanz des Projekts hervorgehoben. Der arabische Israeli hatte die Autoren bei der Produktion beraten. Auch der WDR will die für Arte produzierte TV-Dokumentation zumindest vorerst nicht ausstrahlen. Es gebe „handwerkliche Bedenken“ gegen den Film, der nun zunächst geprüft werden solle, erklärte der Sender. Zudem lägen die Ausstrahlungsrechte bei Arte. Die Arte-Redaktion des WDR verantwortet die Produktion, der Film wurde von der zuständigen WDR-Redakteurin abgenommen. (epd)

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