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Anti-Terrror-Operation Jemens Militär geht gegen Al-Kaida vor

Spezialkräfte jagen die mutmaßlichen Hintermänner der versuchten Anschläge mit Sprengstoffpaketen in Frachtflugzeugen. Terroristen konnten im Jemen bisher ungehindert operieren.

Jemenitische Soldaten bewachen eine Filiale des Paketdienstes UPS. Foto: dpa

Erst der Unterhosenbomber, jetzt die Tonerbombe – Jemens Präsident Abdullah Ali Saleh gerät unter immer größeren internationalen Druck. Denn der Westen hat es satt, seinem Lavieren im Kampf gegen Al-Kaida weiter zuzusehen. Am Dienstag hat die Regierung in Sanaa ihre Spezialkräfte wieder ausgeschickt.

Ihr Auftrag lautet: Sie sollen führende Köpfe des Terrornetzwerks ausschalten, die hinter dem Anschlagsversuch mit präparierten Druckerpatronen stecken. Ganz oben auf der Fahndungsliste stehen der mutmaßliche Bombenbauer Ibrahim Hassan al-Asiri, der aus Saudi-Arabien stammt, sowie der Hassprediger Anwar al-Awlaki, ein Mann mit US-amerikanischem Pass. Asiri hat nach Überzeugung westlicher Fahnder die Sprengladungen präpariert.

Awlaki, der lange in den USA gelebt hat, gilt inzwischen als Vordenker von Al-Kaida auf der arabischen Halbinsel. Mehrfach hat er per Internet dazu aufgerufen, westliche Ausländer zu töten.

Auch einen muslimischen Militärpsychologen, der in Texas bei einem Amoklauf 13 Kameraden erschoss, soll al-Awlaki angestachelt haben. Im April gab daher US-Präsident Barack Obama seinen Sicherheitsdiensten grünes Licht dafür, Awlaki zu töten.

Im tödlichen Hinterhalt

Der jemenitische Militäreinsatz konzentriert sich nach Angaben der Regierung in Sanaa auf die Provinzen Shabwa und Marib, die als Hochburgen von Al-Kaida gelten. Seit Jahresbeginn vergeht kaum ein Woche, in der nicht eine Militärpatrouille in einen tödlichen Hinterhalt gerät oder auf uniformierte Polizisten geschossen wird.

Vor vier Wochen hatten die von US-amerikanischen und britischen Ausbildern trainierten Spezialeinheiten in der Region Shabwa schon einmal eine Gruppe von 120 Islamisten umzingelt, die sich in einem Städtchen verschanzt hatte. Als die Sicherheitskräfte nach fünf Tagen Artillerie-Dauerfeuer in die zerstörte Ortschaft einrückten, waren alle Al-Kaida-Kämpfer verschwunden. Die Inkompetenz der jemenitischen Staatsmacht gepaart mit der wachsenden Gefahr für den Westen geben nach Informationen des Wall Street Journal in den USA Überlegungen Auftrieb, Terroristen mit eigenen Elitekommandos vor Ort zu bekämpfen.

Testlauf im September

Jemens Präsident Saleh lehnt solche Kommandoaktionen kategorisch ab. Er will vor seinen Landleuten nicht als Marionette des Westens dastehen. Und auch das Pentagon hat solche Pläne zunächst dementiert.

Wie ungehindert Al-Kaida im Jemen inzwischen operiert, zeigt auch die komplexe Planung des Frachtbomben-Attentats. Nach Informationen des US-Fernsehsenders ABC unternahmen die Terroristen bereits Mitte September einen Testlauf mit Haushaltsgütern, religiöser Literatur und einer Computer-CD, die vom Jemen aus an eine Adresse in Chicago verschickt wurden.

Als Kunde bei den Firmen UPS und Fedex in Sanaa erschien eine Person, die Verbindungen zu Al Kaida hat, heißt es in Washington. Die verdächtige Sendung sei zwar beim Umladen entdeckt worden, habe aber keinen Sprengstoff enthalten.

Die Fahnder vermuten nun, dass die Terrorstrategen anhand der Paketnummern über die Webseiten der beiden Frachtkonzerne Routen und Transportzeiten auskundschaften und so den Weg der eigentlichen Sprengstoff-Sendung vorbereiten wollten.

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