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Anti-IS-Einsatz Im Kampf gegen das virtuelle Kalifat

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen besucht den neuen Bundeswehr-Standort Al Azraq in Jordanien und übergibt Flugzeuge an das Militär im Königreich.

Von der Leyen in Jordanien
Übergabe: Von der Leyen übergibt Jordaniens General Mahmoud Freihat in Amman zwei Kleinflugzeuge, 70 Lastwagen und 56 Kleinbusse. Foto: rtr

Zwei Billardtische stehen in dem großen Flachbau mitten in der Wüste, orangefarbene Plastikstühle und mehrere Reihen knautschige schwarze Kunstledersofas. Es gibt einen Kühlschrank und einen kleinen Tresen. Die Zigaretten und der Topfkuchen kosten drei Euro, das lokale Bier zwei.

Hinter dem Gebäude liegt ein vertrockneter Weihnachtsbaum, eine kleine Holzhütte davor trägt den Namen „Köllefornia“. Dutzende helle Container liegen vor dem Flachbau, und ein Kantinenbau mit dem Warnschild: Muskelshirts und Flipflops verboten. Um alles herum sind hohe Wälle gezogen. Dahinter liegt die jordanische Wüste, kilometerweit.

Anti-IS-Einsatz in Al Azraq

Rund 280 deutsche Soldaten sind hier in Al Azraq stationiert, als Teil des internationalen Einsatzes gegen den Islamischen Staat „Operation Inherent Resolve“ (Natürliche Entschlossenheit). Wegen der massiven Spannungen zwischen Deutschland und der Türkei sind die Soldaten vor einem halben Jahr vom türkischen Incirlik nach Jordanien verlegt worden.

Mit vier Tornados fliegen die deutschen Soldaten nun von Jordanien aus Aufklärungsflüge über Syrien und dem Irak. Ein Tankflugzeug hilft bei der Luftbetankung der Kampfflugzeuge anderer Nationen.

Kurz nach Abschluss der Sondierungsverhandlungen zu einer großen Koalition ist Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen nach Al Azraq geflogen. Abgeordnete aller Fraktionen hat von der Leyen mitgenommen. Sie alle lauschen im Aufenthaltsbau mit den Billardtischen dem Lagevortrag eines Oberstleutnants. Der wirft im Aufenthaltsraum des Camps Fotos von den Fortschritten beim Lageraufbau an die Wand. „Man wacht jeden Morgen auf und hat was Neues“, sagt der Offizier. Auf den ersten Fotos an der Wand ist nur Wüste zu sehen, dann wächst das Containerdorf. Demnächst soll zwischen Aufenhaltsflachbau und Kantine ein Volleyballfeld entstehen. Der Oberstleutnant schwärmt überhaupt viel: von einer „Durchführungsquote von 100 Prozent“ bei den Flügen, die höchstens mal durch das Wetter etwas geringer werde. Von guten Sportmöglichkeiten. „Die Betreuungsangebote werden gerne genutzt.“ Und: „Motivation und Engagement sind überdurchschnittlich gut.“

Der CDU-Abgeordnete Hendrik Otte fragt nach der Versorgung. „Uns geht’s gut“, ist die Antwort. Der AfD-Parlamentarier Gerold Otten, dessen Fraktion gegen eine Verlängerung des Einsatzes gestimmt hat, will wissen, wie die Beziehung zum Gastland Jordanien ist. „Sehr herzlich“. Der Grüne Ottmar von Holtz erkundigt sich, ob der Einsatz anders sei als in Incirlik. „Es ist letzten Endes das selbe.“ Die Flugzeiten seien gleich.

Aber es ändert sich doch etwas. Das erzählt Dominique G., der Chef der Flugstaffel. Im hellbraunen Overall steht der 38-Jährige vor einem der Tornados, die von der Leyen besichtigt. Der IS ist zurückgedrängt worden. G.s Piloten fliegen über Syrien und den Irak und fotografieren das Gelände. Rückzugsorte sollen so gefunden werden. Was ist ein Beduinencamp? Was ist eine Stellung von Kämpfern. „Wir wissen, worauf wir achten müssen“, sagt G. „Aber je mehr die in den Untergrund gehen, umso mehr wird es zur Suche einer Nadel im Heuhaufen.“

Ist der Einsatz dann überhaupt weiter nötig? „Das virtuelle Kalifat ist noch nicht geschlagen“, sagt von der Leyen.

In der Hauptstadt Amman übergibt sie zwei Kleinflugzeuge, 70 Lastwagen und 56 Kleinbusse ans jordanische Militär. Sie sollen helfen, die Grenze zu Syrien zu überwachen. „Jordanien ist eine Stimme des Ausgleichs und der Vernunft“, lobt die Ministerin. Das Land hat wirtschaftliche Probleme. Es hat Hunderttausende Flüchtlinge aufgenommen. Der König gilt als moderater Mittler in der Region. Man wolle das Land langfristig stabilisieren, sagt von der Leyen.

Durchaus möglich also, dass das Lager in der Wüste eine Weile stehen wird.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Jordanien

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