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Anti-Atomkraft-Demos Tausende demonstrieren in Essen und Bremen

Etwa 5000 Menschen demonstrieren vor der Zentrale des Energiekonzerns RWE in Essen für einen Ausstieg aus der Atomenergie demonstriert. In Bremen gehen sogar 7.000 Menschen auf die Straße.

02.04.2011 19:31
Ein Demonstrant bei der Anti-Atom-Demo vor dem Essener RWE-Konzern. Foto: dapd

Eine Woche nach den Großdemonstrationen gegen Atomkraft sind am Samstag wieder tausende Kernkraftgegner auf die Straße gegen. In Essen forderten rund 5.000 Menschen den sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie. Weitere Kundgebungen fanden unter anderem in Bremen, Hannover und Regensburg statt. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kündigte derweil an, sie werde einen breiten gesellschaftlichen Konsens für eine Energiewende in Deutschland suchen.
In Essen brachten mehrere Redner Solidarität und Anteilnahme mit den Opfern der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima zum Ausdruck. Die ruhrgebietsweite Kundgebung richtete sich auch gegen den Energiekonzern RWE, der gegen die Abschaltung seines Atommeilers Biblis A in Südhessen klagt. Die Demonstranten zogen am Nachmittag zur Zentrale des Energieriesen, die symbolisch umstellt werden sollte.
Mit diesem Zeichen sollten die Revierstädte aufgefordert werden, auf Atomstrom des Konzerns zu verzichten. Der Umweltverband BUND rief RWE-Kunden auf, zu Ökostromanbietern zu wechseln. der Konzern stelle „seine Gewinninteressen gnadenlos vor die Sicherheitsinteressen der Bevölkerung“, erklärte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger in Berlin.
Bundeskanzlerin Merkel kündigte in der „Bild am Sonntag“ an, sie werde Anfang Mai persönlich mit Vertretern von Kirchen, Umweltgruppen und Gewerkschaften über die künftige Energiepolitik diskutieren, um „diesen Weg zusammen mit einer breiten Mehrheit der Bürger zu gehen“. Auch Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) warb für einen „nationalen Energiekonsens“. Er sagte dem Magazin „Spiegel“: „Wir haben jetzt die Chance, binnen weniger Monate den Atomkampf zu beenden, der die Republik über Jahrzehnte gespalten hat.“
Merkel nimmt am Montag am ersten Treffen der von ihr berufenen Ethik-Kommission zur Atomenergie teil. Der evangelische Vertreter in dem Gremium, der badische Landesbischof Ulrich Fischer, zeigte sich überzeugt, dass die Bundesregierung die Empfehlungen der Kommission ernst nehmen werde. „Wenn wir nur eine Schauspielertruppe wären, würde ich bei dem Ganzen doch nicht mitarbeiten“, sagte er am Samstag im Deutschlandfunk. Fischer bekräftigte zugleich seine Forderung nach einem raschen Atomausstieg. Die Katastrophe in Fukushima habe gezeigt, dass die Folgen eines solchen Atom-Unfalls nicht zu beherrschen seien.
Der ehemalige Chef der deutschen Atomaufsicht, Wolfgang Renneberg, widersprach der Behauptung von Kernkraft-Befürwortern, die deutschen Atomkraftwerke seien die sichersten der Welt. Er halte zudem den von der Bundesregierung geplanten „Stresstest“ für die 17 deutschen Kernkraftwerke für unseriös, sagte er am Freitagabend auf einer Veranstaltung der evangelischen Kirche in Bonn. Dabei werde lediglich bewertet, „was die Betreiber von Atomkraftwerken sagen“. Die Schwächen der alten Anlagen seien zudem bereits bekannt: „Die Unterlagen liegen alle im Bundesumweltministerium.“
Der japanische Botschafter in Berlin, Takahiro Shinyo, forderte die Deutschen zu mehr Gelassenheit auf. Die Atomdebatte in Deutschland sei „sehr, sehr aufgeregt“, sagte er der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“. „Wenn ich hier in Deutschland den Fernseher einschalte, bekomme ich den Eindruck vermittelt, ganz Japan sei verstrahlt.“
RWE-Vorstand Leonhard Birnbaum rechnet als Folge des Atommoratoriums der Bundesregierung damit, dass die Strompreise für Privatkunden um bis zu fünf Prozent steigen werden. Er halte auch Engpässe in der Stromversorgung für möglich, sagte er der „Rheinischen Post“.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Atomausstieg

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