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Anschlagserie in Kabul Taliban greifen Botschaften und Parlament in Kabul an

Die Taliban beginnen eine Offensive mit Angriffen auf Botschaften und das Parlament in der afghanischen Hauptstadt Kabul. Auch die deutsche Botschaft ist betroffen. Die Kämpfe in der Stadt dauern noch immer an.

15.04.2012 12:10
Ein Nato-Soldat während der Kämpfe in Kabul. Foto: dapd

Bei einer Serie von koordinierten Angriffen in Afghanistan haben die radikal-islamischen Taliban die deutsche Botschaft in Kabul zu einem Hauptziel erklärt. Das Personal sei in Sicherheit, teilte die Bundesregierung mit. Nach ersten Angaben der Nato und von Reuters-Reportern wurden sieben Orte in der afghanischen Hauptstadt angegriffen, darunter Botschaften, das Parlament, Einrichtungen der Schutztruppe Isaf und ein Hotel. Auch in anderen Landesteilen gab es Gefechte. Die Kämpfe in Kabul hielten noch zur Abenddämmerung - fünf Stunden nach ihrem Beginn - an. Nach Angaben der Polizei wurden in der Stadt mindestens drei Selbstmordattentäter getötet.

Im stark befestigten Kabuler Diplomatenviertel heulten Alarmsirenen, Rauch stieg in den Himmel. Eine Werfergranate schlug in ein Gebäude ein, das von britischen Diplomaten benutzt wurde. Auch das Parlamentsgebäude wurde einem Sprecher zufolge mit Raketen beschossen. Dort halfen einige Abgeordnete bei der Abwehr des Angriffes. „Ich bin der Vertreter meiner Leute und ich muss sie Verteidigen“, sagte Naim Hamidsai. Die Nato-Schutztruppe Isaf berichte über Twitter von Kämpfen nahe der deutschen, russischen und US-Botschaft. Amerikanische Soldaten und afghanische Sicherheitskräfte eilten ins Kampfgebiet.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle sagte in Berlin, unter dem Personal gebe es keine Verletzten. Am Gebäude sei leichter Sachschaden entstanden. „Alle Botschaftsangehörigen sind an einem sicheren Ort.“ Der Anschlag werde keine Konsequenzen für das deutsche Vorgehen in dem Land haben, die Regierung werde an ihrer Afghanistan-Politik festhalten: „Wir werden der Gewalt der Terroristen nicht nachgeben.“ Auch die US-Botschaft erklärte per SMS, alle ihre Mitarbeiter seien in Sicherheit.

Örtlichen Medien zufolge stürmten bewaffnete Männer das Star Hotel in Kabul. Aus den Fenstern des Gebäudes stieg später Rauch in den Himmel. In einen bei Ausländern beliebten Supermarkt nahe der deutschen Botschaft schlugen drei Raketen ein. Aufständische griffen in der Paktia-Provinz von einem dreistöckigen Gebäude aus ein Polizeihauptquartier an. Die Vorderseite des Hauses wurde von Explosionen und schwerem Maschinengewehrfeuer zerstört. In Dschalalabad griffen die Taliban einen ausländischen Stützpunkt nahe einer Schule an, am Flughafen kam es zu einer Explosion. Dabei wurden zwei Angreifer getötet und einer gefangen genommen.

Frühjahrsoffensive der Taliban

Ein Taliban-Sprecher sagte der Nachrichtenagentur Reuters, die Angriffe seien der Beginn der Frühjahrsoffensive. „Wir haben sie seit Monaten geplant“, erklärte er. Die wichtigsten Ziele in Kabul seien die deutsche und britische Botschaft sowie das örtliche Nato-Hauptquartier. Die Angriffe seien Vergeltung für die Koran-Verbrennungen auf einem US-Stützpunkt, für den Tod von 17 Afghanen, der einem amerikanischen Soldaten zur Last gelegt wird, und für Videos, auf denen US-Marineinfanteristen offenbar auf einen toten Taliban urinieren.


Ein Sprecher des afghanischen Innenministeriums sagte, es gebe erste Hinweise auf eine Beteiligung des radikalen Haqqani-Netzwerks, deren Hochburgen in Pakistan vermutet werden. Sollten sich dies bestätigen, könnte es die Beziehungen zwischen den USA und Pakistan weiter belasten: Die Regierung in Washington fordert von ihrem Gegenstück in Islamabad ein härteres Vorgehen gegen Radikale. Stunden vor den Angriffen in Afghanistan stürmten Islamisten in Pakistan ein Gefängnis und ließen knapp 400 Insassen frei.

Im vergangenen Jahr hatten die Aufständischen am Hindukusch zu Frühlingsbeginn ihre Offensive gegen ausländische und einheimische Soldaten deutlich verschärft. Ein Nato-Sprecher sagte vor einigen Tagen, in diesem Jahr gebe es dafür bislang keine Anzeichen. Stattdessen setzten die Aufständischen eher auf einzelne kleinere Anschläge auf Militäreinheiten und Armeestützpunkte. Die Angriffswelle dürfte die Sorgen über den geplanten Abzug der ausländischen Kampftruppen bis 2014 verstärken.

Kämpfe dauern an

Zehn Stunden nach Beginn der Angriffe der Taliban in Kabul am Sonntag wurde in der afghanischen Hauptstadt noch immer gekämpft. Die Gefechte gingen in der Nacht in zwei Gebieten weiter, erklärte ein Sprecher der Kabuler Polizei. „Zwei Angreifer kämpfen in der Nähe des Parlaments gegen die Sicherheitskräfte und drei Angreifer sind in einem Gebäude im Bereich Wasir Achbar Khan“, einem hoch gesicherten Diplomatenviertel. Dort befindet sich auch die deutsche Botschaft, wo es bei dem Angriff am Morgen zu leichten Schäden gekommen war.

Fünf Angreifer und zwei Polizisten wurden dem Polizeisprecher zufolge getötet. Dazu kämen zehn verwundete Polizisten. Das Innenministerium sprach von mindestens 19 getöteten Aufständischen. Außer an sieben Stellen in Kabul griffen die Aufständischen Ziele in Dschalalabad, der Hauptstadt der Provinz Nangarhar, in Pul-e-Alam, der Hauptstadt der Provinz Logar, und in Gardes, der Hauptstadt der Provinz Paktia, an. In Dschalalabad schlugen Isaf-Soldaten einen Angriff auf eine Militärbasis zurück. (rtr/dpa)

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