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Anschlag-Serie Gewalt überrollt den Irak

Eine Anschlag-Serie erschüttert Irak: Zahlreiche Anschläge töten mehr als 75 Menschen, mehr als 250 Personen werden verletzt. Das gegen den Vizepräsidenten verhängte Todesurteil verschärft die Spannungen im Land noch weiter.

10.09.2012 21:44
Vom Sitz des Polizeigeheimdienstes in Kirkuk ist wenig mehr als Trümmer übrig geblieben. Eine Autobombe explodierte hier. Foto: dpa

Im Irak sind bei zahlreichen Anschlägen im ganzen Land am Wochenende mehr als 75 Menschen getötet worden. Mehr als 250 Menschen wurden nach Angaben der irakischen Behörden verletzt. So starben bei einem Autobombenanschlang in der Hauptstadt Bagdad am Sonntagabend elf Menschen. Der schwerste Angriff des Wochenendes hatte zuvor die 300 Kilometer südlich von Bagdad gelegene Stadt Amara getroffen. Allein dort rissen zwei Autobomben mindestens 16 Menschen auf einem Marktplatz in den Tod. Der viel besuchte Markt liegt in der Nähe des Schreins für einen schiitischen Imam. Die zweite Bombe explodierte, als die Rettungskräfte eintrafen. In Nassirija detonierte eine Autobombe vor einem französischen Konsulargebäude und tötete einen Wachmann. Die Angriffe schürten Ängste vor einem erneuten Abgleiten des Landes in eine Gewaltspirale. Gleichzeitig wuchsen die politischen Spannungen, weil ein Gericht den flüchtigen Vizepräsidenten Tarek al-Haschemi zum Tode verurteilte.

Das französische Konsulargebäude wurde bei dem Anschlag in Nassirija beschädigt, wie ein Diplomat sagte. Der Honorarkonsul, ein Iraker, sei zum Zeitpunkt der Tat nicht dort gewesen. In dem nördlich von Bagdad gelegenen Ort Dudschail griffen Bewaffnete und ein Selbstmordattentäter einen Militärstützpunkt an. Der Polizei zufolge starben dabei elf Soldaten. Im nordirakischen Kirkuk tötete eine Autobombe acht Menschen, die sich als Polizeiwachen für einen irakischen Ölkonzern bewerben wollten. Zunächst bekannte sich niemand zu den Anschlägen, die auch die Orte Bakuba, Samarra und Basra trafen. Allerdings hatte Al-Kaida vor kurzem angekündigt, im Irak wieder aktiver werden zu wollen.

Syrienkonflikt bedroht das Land

Der Irak ringt darum, dass der Konflikt im benachbarten Syrien nicht auf das eigene Land übergreift. Doch in den vergangenen Monaten erschütterten immer wieder Anschläge islamistischer Extremisten und Al-Kaida-Verbündeter das Land, das selbst mit Feindseligkeiten zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen zu kämpfen hat. Die Bagdader Koalitionsregierung ist wegen der Spannungen zwischen den im Kabinett beteiligten Sunniten, Schiiten und Kurden ständig vom Scheitern bedroht. Weiter verschärfen dürfte diese Spannungen nun das Todesurteil gegen den sunnitischen Vizepräsidenten Tarek al-Haschemi.

Der oberste Strafgerichtshof verurteilte Haschemi in Abwesenheit zum Tod. Der in die Türkei geflohene Politiker war dem Gericht zufolge zuvor für schuldig befunden worden, eine Todesschwadron befehligt zu haben. Haschemi bestreitet die Anschuldigungen und wirft dem schiitischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki eine Hexenjagd auf sunnitische Gegner vor. Die Regierung erklärt, sie habe keinen Einfluss auf den Justizprozess. (AFP, dapd, Reuters)

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