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Anschlag in Straßburg Schockstarre und Verschwörungstheorien in Frankreich

Die französische Staatsanwaltschaft geht von einem Terroranschlag aus. Deutsche Politiker fordern eine bessere Zusammenarbeit zwischen den europäischen Ländern.

Frankreich
Polizisten sichern nach dem Anschlag die Umgebung. Foto: afp

In Frankreich herrscht wieder „Dringlichkeit Attentat“: Auf diese höchste Alarmstufe wurde das Antiterrordispositiv Vigipirate am Mittwoch erhöht. 600 Polizisten fahndeten fieberhaft nach Chérif C., einem radikalisierten Schwerkriminellen, der am Vorabend in Straßburg zwei Passanten erschossen und 14 verletzt hatte. Der polizeilich Gesuchte hatte laut Augenzeugen an drei Orten in der Altstadt von Straßburg mit einer Pistole das Feuer gezielt auf Fußgänger eröffnet. Ein Kellner erzählte, seine Kunden hätten sich im Innern des Restaurants verschanzt und auf den Boden gelegt, während der Täter in der Gasse auf Passanten angelegt habe. Am dritten Schauplatz wurde der Angreifer von einer Militärpatrouille gestellt und offenbar verletzt. Das berichtete jedenfalls ein Taxifahrer, den der Schütze als Fluchthelfer benutzt hatte. Später verlor sich seine Spur.

Staatsanwalt Rémy Heitz erklärte, es werde wegen Mordes „durch eine terroristische Unternehmung“ ermittelt, da der Täter „Allah Akbar“ gerufen habe. Laut Pariser Medien hatte der Gesuchte im Gefängnis eine „radikale religiöse Praxis“ an den Tag gelegt. Auch figuriert er seit 2016 wegen islamistischer Kontakte in der so genannten S-Kartei, deren erster Buchstabe für „sûreté“ (Staatssicherheit) steht.

Der 29-jährige, im Elsass aufgewachsene Franzose hat schon mehrere Haftstrafen in Frankreich, Deutschland und der Schweiz abgesessen. Am Dienstagmorgen wollte ihn die Polizei an seiner Straßburger Wohnadresse festnehmen, weil er im vergangenen Sommer bei einem Überfall eine Person getötet haben soll. Die Polizisten fanden in seiner Wohnung zwar Granaten und Handfeuerwaffen, nicht aber den Gesuchten. C. trat gegen 20 Uhr in Aktion, indem er in der Altstadt an drei verschiedenen Orten auf Passanten schoss und sie mit einem Messer angriff. Ermittler schließen nicht aus, dass der Festnahmeversuch den Täter bewogen haben könnte, bestehende Attentatsideen in die Tat umzusetzen.

Nach ersten Erkenntnissen handelte C. allein. Dass er nicht gleich gestellt werden konnte, veranlasste die Polizei allerdings, die Fahndung auf mögliche Komplizen auszudehnen. In der elsässischen Metropole Straßburg hatte die groß angelegte Fahndung zur Folge, dass das öffentliche Leben weitgehend zum Erliegen kam. Schulen und Geschäfte blieben ebenso geschlossen wie der über 400 Jahre alte Weihnachtsmarkt, in dessen Nähe die Todesschüsse erfolgt waren.

Landesweit fällt die Schießerei in die gespannte Atmosphäre der Gelbwesten-Proteste. „Auch das noch!“, lautete ein Internetkommentar zu dieser wochenlangen Sozialkrise. Die Schießerei erfolgte nur einen Tag, nachdem Präsident Emmanuel Macron unter Druck neue Konzessionen an die „gilets jaunes“ angekündigt hatte. Seine Hoffnung, die Protestbewegung mit einem Fernsehauftritt zu beenden, haben sich allerdings zerschlagen. Am Mittwoch fehlte es in den sozialen Medien nicht an – völlig unbelegten – Kommentaren, die Regierung habe „das Attentat sicher organisiert“. Die zeitliche Koinzidenz könne „kein Zufall“ sein, las man, und auch: „Macron und seine Regierung machten diese Anschlag, um den Ausnahmezustand ausrufen und die Revolution der Gelbwesten abwürgen zu können.“

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