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Anschlag in Stockholm Polizei geht von Helfern aus

Er lebte mit seiner Frau und drei Kindern in Luton und studierte Sporttherapie: Der Attentäter von Stockholm schien jahrelang ein ganz normales Leben zu führen. Die Polizei bezweifelt aber, dass er ein Einzeltäter war.

13.12.2010 08:51
Die Explosion des Autos wurde zufällig aufgenommen. Foto: dapd

Er lebte mit seiner Frau und drei Kindern in Luton und studierte Sporttherapie: Der Attentäter von Stockholm schien jahrelang ein ganz normales Leben zu führen. Die Polizei bezweifelt aber, dass er ein Einzeltäter war.

Die britische Polizei hat in Verbindung mit dem Anschlag in Stockholm Ermittlungen aufgenommen. Am späten Sonntagabend sei in der Grafschaft Bedfordshire nördlich von London ein Haus durchsucht worden, sagte ein Polizeisprecher am Montag. Mehrere britische Zeitungen berichteten am Montag, dass der mögliche Stockholmer Attentäter an der Universität von Bedfordshire in Luton studiert habe.

Nach Polizeiangaben wurde bei der Durchsuchung kein gefährliches Material entdeckt, auch gab es keine Festnahmen. Die Polizei wollte sich nicht dazu äußern, ob der Einsatz in Luton war, bestätigte jedoch, dass er in Verbindung mit den beiden Explosionen stand, bei denen am Samstag im Zentrum der schwedischen Hauptstadt während der Haupteinkaufszeit zwei Menschen verletzt und der mutmaßliche Attentäter getötet wurde.

The Daily Mail und The Daily Telegraph berichteten, der von einer islamistischen Webseite als Attentäter identifizierte Taimur Abdel Wahab habe in den letzten Jahren in Luton gelebt und studiert. Die Frau und die Kinder des Mannes, der angeblich Ende zwanzig ist, leben demnach weiterhin in der Stadt, rund 50 Kilometer nördlich von London. Den Berichten zufolge studierte er Sporttherapie.

Luton ist eine islamische Hochburg in Großbritannien. 20 000 Muslime leben dort. Am Bahnhof der Stadt hatten sich auch die Attentäter vom 7. Juli 2005 versammelt, bevor sie zu ihren Anschlägen auf die Londoner U-Bahn und einen Linienbus starteten. Damals starben 52 Menschen.

Nach Angaben des „Telegraph“ stammt Taimur Abdel Wahab ursprünglich aus dem Irak. 1992 sei er von Bagdad nach Schweden gezogen, bevor er 2001 nach England zum Studium gekommen sei. Nachbarn wollen ihn der Zeitung zufolge noch vor zweieinhalb Wochen in Luton gesehen haben. Das britische Innenministerium wollte die Berichte zunächst nicht kommentieren. Die Universität war für eine Erklärung nicht zu erreichen.

Zur Ausbildung für Terroraktivitäten sei der Attentäter unter anderem nach Pakistan geschickt worden, hieß es in britischen Medienberichten. In diesem Frühjahr hielt er sich auch in Jordanien auf. Er hatte in einer an die Polizei und die Nachrichtenagentur TT geschickten Erklärung unmittelbar vor dem Anschlag seine Familie um Verzeihung gebeten, weil er ihnen nicht die Wahrheit über diese Aufenthalte gesagt habe.

Die Zeitung Aftonbladet zitierte aus einer Kontaktanzeige in einer Dating-Site für Muslime, in der der 28-Jährige nach einer Zweitfrau suchte. Darin kündigte er auch an, dass er in ein arabisches Land umziehen wolle.

Die islamistische Webseite „Schumuch el Islam“ hatte am Sonntag ein Photo von einem Mann mit schwarzer Jacke, dunkler Brille und Dreitagebart vor einer grünen hügeligen Landschaft veröffentlicht und behauptet, es handele sich dabei um den Attentäter von Stockholm. „Das ist unser Bruder, der Mudschahid Taimur Abdel Wahab, der die Märtyrertat in Stockholm vollbracht hat“, hieß es auf der Seite.

Die schwedischen Behörden bestätigten, dass es sich bei den Explosionen in Stockholm womöglich um einen Selbstmordanschlag handelte. Sollte sich dies bewahrheiten, wäre es der erste in der Geschichte Schwedens.

Die Polizei geht von mehreren Mithelfern aus. Der zuständige Staatsanwalt Thomas Widstrand sagte am Montag, das Attentat sei zwar missglückt, aber „gut vorbereitet“ gewesen. Deshalb gehe man von Helfern bei der Vorbereitung aus. Es gebe keine konkret Verdächtigen. Die Identität sei mit weitgehender Sicherheit bestätigt. Zu „98 Prozent“ sei davon auszugehen, dass es sich bei dem Täter um Taimur Abdel Wahab handele, sagte Lindstrand. (afp/dpa)

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