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Anschlag in Düsseldorf „Es gab damals Kontakte zu Neonazis“

Bei den Ermittlungen zum Bombenattentat von Düsseldorf im Jahr 2000 wurden Fehler gemacht, sagt der Rechtsextremismusforscher Alexander Häusler im Interview.

01.02.2017 17:01
Detlef Schmalenberg
Beamte einer Ermittlungsgruppe des Bundeskriminalamtes suchen im Juli 2000 am Düsseldorfer S-Bahnhof Wehrhahn nach der Explosion einer Splitterbombe am Vortag nach Spuren. Foto: dpa

Der als Bombenleger von Düsseldorf verdächtigte Ralf S. soll Kontakte zu Rechtsextremen gehabt haben. Das allerdings wurde nach der Tat verneint. Alexander Häusler, Rechtsextremismusforscher der Hochschule Düsseldorf, erinnert an die widersprüchlichen Ermittlungen.

Polizei und Staatsanwaltschaft haben nach dem Attentat im Jahr 2000 gesagt, der verdächtige S. sei nicht in eine rechtsextreme Szene eingebettet, die es in Düsseldorf zudem nicht geben würde. Was halten Sie davon?
Das ist begründet anzuzweifeln. Es gab zu diesem Zeitpunkt die aktive neonazistische Kameradschaft Düsseldorf und es gab auch Kontakte von S. zu Aktivisten dieser Gruppe. Der damalige Kameradschaftsführer der Neonazigruppierung war der Betreiber des „Nationalen Infotelefons Rheinland“ in unmittelbarer Nähe des Anschlagortes, über das rechtsextremistische Inhalte verbreitet wurden. Auch zu diesem Mann, dessen „Aktionsbüro Mittelrhein“ später politische Gegner ausgespäht hat und offen gewalttätig gegen Angehörige der linken Szene vorgegangen ist, soll S. Kontakt gehabt haben. Dass die Tat von S. jetzt völlig losgelöst von dieser Szene durchgeführt wurde, die damals auch in Düsseldorf eine zunehmend gewalttätige Orientierung gesucht hat, ist kaum zu glauben. Bei einer Durchsuchung des Kellers des Verdächtigen wurde dann auch noch eine Handgranate und rechtsextremes Propagandamaterial gefunden.

Ist bei den Ermittlungen also etwas falsch gelaufen?
Offensichtlich. Zum einen die vorschnelle These eines völlig losgelösten Einzeltäters, die ich für verkehrt halte. Und dann noch die falsche Behauptung, es gebe keine Hinweise auf eine gewaltorientierte Neonaziszene in Düsseldorf. Dabei gab es nicht nur die Drohkulisse rund um das „Nationale Infotelefon“, sondern einige Jahren zuvor im Stadtteil Wersten auch einen Sprengstoffanschlag auf ein Aussiedlerheim. Da ist es merkwürdig, dass der Wehrhahn-Anschlag nicht zumindest als möglicher Ausdruck einer zunehmend gewalttätigen Neonaziszene eingeordnet wurde.

Wie erklären Sie sich das?
Ähnlich wie bei der NSU-Mordserie hat man der Szene derartige Taten offensichtlich nicht zugetraut. Fragwürdig ist aus meiner Sicht, warum das Thema Wehrhahn-Anschlag im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss zum NSU, der jetzt im Düsseldorfer Landtag abgeschlossen wurde, nicht behandelt wurde – obwohl das ursprünglich so geplant war. Angesichts der aktuellen Entwicklung sollten die Parlamentarier das meines Erachtens nachholen oder für die noch offenen Fragen einen eigenen Untersuchungsausschuss einrichten.

Interview: Detlef Schmalenberg

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