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Anschlag auf Moschee im Iran Tödliches Fest

Bei einem Anschlag auf eine schiitische Moschee im Südosten des Iran sind mindestens 15 Menschen ums Leben gekommen. Zunächst war von mindestens 50 Verletzten die Rede gewesen.

15.12.2010 10:07
Astrid Frefel
Fernsehbilder zeigen den Ort des Anschlags.

Mitten während den Aschura-Feierlichkeiten zündeten ein Selbstmordattentäter seine tödliche Bombe vor der schiitischen Imam Hussein Moschee in Schabahar, einer Hafenstadt am Golf von Oman. Mindestens 39 Gläubige kamen bei der Explosion ums Leben, etwa 50 wurden verletzt und die lokalen Krankenhäuser gebracht. Eine zweite Detonation soll verhindert worden sein. Die militante sunnitische Gruppe Dschundallah (Soldaten Gottes) bekannte sich auf ihrer Internetseite zu dem Attentat. Zwei mutmaßliche Attentäter seien verhaftet worden, erklärte der Gouverneur.

Der Anschlag sei als Rache für die Hinrichtung des früheren Anführers der Gruppe, Abdolmalek Righi, und anderer Rebellen zu verstehen, hieß es auf der Internetseite, auf der auch Fotos der beiden angeblichen Selbstmordattentäter veröffentlicht wurden. Bei dem Anschlag hatte sich ein Kämpfer in die Luft gesprengt, ein zweiter war von der Polizei erschossen worden.

In der Provinz Sistan-Balutschistan kam es in der Vergangenheit immer wieder zu blutigen Anschlägen. Im Juni wurde der Dschundallah-Anführer Righi erhängt. Ihm war vorgeworfen worden, hinter einer Serie von Attentaten zu stecken. Damals erklärten die iranischen Behörden, sie hätten die Organisation „geköpft und zertrümmert“.

Jetzt mussten sie einräumen, dass in den vergangenen Tagen neue Bombendrohungen eingegangen waren und die Sicherheitsvorkehrungen verschärft wurden. Das Aschura-Fest zum Gedenken an den Tod von Imam Hussein ist der höchste Feiertag im schiitischen Kalender. Dann pilgern überall viele Menschen zu den heiligen Stätten.

Nachbarschaft zu Pakistan

Sich ein objektives Bild von der Lage in dieser unterentwickelten, armen Grenzprovinz zu machen, ist äußerst schwierig. Journalisten und westliche Ausländer dürfen nicht in diese Gegend reisen. Die einheimischen Balutschen sind in doppelter Hinsicht eine Minderheit. Sie sind eine ethnische Gruppe mit eigener Sprache und als Sunniten eine religiöse Minderheit im mehrheitlich schiitischen Iran.

Spannungen gab es hier schon vor der Islamischen Revolution von 1979. Die jeweilige Regierung unterdrückte traditionell ethnische und religiöse Minderheiten. Zuletzt wurden mehrere sunnitische Moscheen und Religionsschulen zerstört.

In der Nachbarschaft zu Pakistan und Afghanistan, auch „Dreieck des Todes“ genannt, kommt als weiteres Problem der Drogenschmuggel über die kaum bewachten Grenzen hinzu. In Balutschistan sind mehrere Gruppen aktiv. Die einen setzen sich für Demokratie und mehr Rechte ein, die anderen kämpfen für Unabhängigkeit, entweder alleine oder zusammen mit den Balutschen in den Nachbarstaaten.

In der Region wird jede Regung von Opposition unterdrückt. Belege liefern Menschenrechtsorganisationen. Laut Amnesty International wurden im Iran 2007 insgesamt 166 Todesurteile verhängt, davon fielen allein 50 auf die Unruheprovinz.

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