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Anschlag auf Minsker Metro Lukaschenko präsentiert einen Täter

Der weißrussische Präsident lobt Geheimdienste und Polizei für ihre Aufklärungsarbeit. Innerhalb von 24 Stunden schnappen die Fahnder zwei mutmaßliche Täter. Angeblich sind sie auch für weitere Anschläge verantwortlich.

Der Anschlag auf die Minsker Metro forderte zwölf Todesopfer, 150 Menschen wurden verletzt. Foto: REUTERS

Der Anschlag auf die Minsker Metro vom Montagabend ist aufgeklärt – so jedenfalls verkündete es der weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko. Gestern lobte er Geheimdienste und Polizei: Die weißrussischen „Tschekisten“ hätten nur 24 Stunden gebraucht, um die Täter festzunehmen – in einer „glänzenden Operation ohne Lärm, Schüsse und Geplapper“. Die am Dienstagabend Festgenommenen hätten schon Mittwoch früh die Tat gestanden.

Wie die Staatsanwaltschaft ausführte, wurden zwei Männer aus Weißrussland verhaftet, der Täter sei 1986 geboren und auf Videoaufnahmen identifiziert worden. Die Aufnahmen aus der U-Bahn-Station Oktjabrskaja zeigten, wie er die Tasche mit dem Sprengstoff abstelle, sich entferne und mit einer Handbewegung die Bombe zünde. Der Anschlag vom Montagabend hatte zwölf Todesopfer gefordert und rund 150 Verletzte.

Lukaschenko verkündete zugleich die Aufklärung früherer Attentate: Die Täter hätten die Bombenanschläge auf ein Konzert am Unabhängigkeitstag 2008 und in der Stadt Witebsk 2005 auf dem Gewissen. Bei den Anschlägen wurden Dutzende Menschen verletzt. Die Taten waren nie aufgeklärt worden, obwohl die Polizei die Fingerabdrücke aller wehrpflichtigen Männer des Landes erfasst hatte.

Die russische Agentur Interfax erfuhr aus ungenannter Quelle in der Polizei, dass der mutmaßliche Täter seinerseits in der U-Bahn verhaftet wurde. Man hatte mit Überwachungskameras den üblichen Weg des Verdächtigen im U-Bahn-Netz verfolgt. Der Mann habe die Anschläge von 2005 und 2008 gestanden. Psychologen verglichen ihn mit der Filmfigur Hannibal Lecter – der Mann habe nach eigenen Aussagen als Einzelner gehandelt und aus purer Freude am Leid anderer Menschen.

Die angebliche Aufklärung gleich mehrerer Anschläge rief große Zweifel hervor. Die Version eines Einzeltäters sei „unwahrscheinlich“, sagte der Moskauer Geheimdienstexperte Andrej Soldatow. Ein Anschlag dieser Größe erfordere Organisation.

Ebenso zweifelhaft, aber umso erwartbarer waren Vorwürfe Lukaschenkos gegen die Opposition: „Wir suchen Mittäter und Auftraggeber. Vielleicht decken die Mitglieder der sogenannten Fünften Kolonne ihre Karten auf und zeigen, wer der Auftraggeber ist“, mahnte Lukaschenko. Er forderte Verhöre – „ohne Rücksicht auf die Demokratie und Heulen ausländischer Dulder.“ „Fünfte Kolonne“ hatte er jene Oppositionellen genannt, die in Straßburg Sanktionen gegen Weißrussland forderten.

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