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Anschlag auf Kasino Mafia-Terror im Norden Mexikos

Bei einem Terroranschlag auf ein mexikanisches Spielkasino sind mindestens 53 Menschen gestorben. Die Hintergründe der Tat sind noch unklar.

Bis zum späten Donnerstagabend holten Rettungskräfte Tote und Verletzte aus dem in Flammen stehenden Gebäude des Bingo-Kasinos Royal in Mexiko.

Bei einem Terroranschlag auf ein mexikanisches Spielkasino sind mindestens 53 Menschen gestorben. Die Hintergründe der Tat sind noch unklar.

Alejandro Poiré ist eigentlich daran gewöhnt, die bizarren Grausamkeiten des mexikanischen Drogenkriegs zu kommentieren. Als Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates muss er fast jeden Tag Stellung nehmen zu Morden, Festnahmen oder Anschlägen. Aber als er am Donnerstagabend im mexikanischen Fernsehen nach den richtigen Worte zum Brandanschlag auf ein Kasino in Monterrey suchte, konnte er seine Fassungslosigkeit nur mühsam verbergen: „Es ist ein Terroranschlag unsäglichen Ausmaßes“, sagte der Sprecher: „Das ist ein sehr trauriger Abend für Mexiko“.

Noch ist das ganze Ausmaß des Anschlags in der Industriemetropole Monterrey nicht zu ermessen. Vorerst sprechen die Behörden von 53 Menschen, die im Casino Royale erstickt und verbrannt sind. Dutzende liegen mit Verbrennungen und Vergiftungen in den Krankenhäusern. Und die Menschen in der Vier-Millionen-Metropole, aber auch in ganz Mexiko, stehen fassungslos vor einem der brutalsten Attentate auf die Zivilbevölkerung seit fünf Jahren, seit Präsident Felipe Calderón den Krieg gegen die Kartelle ausrief.

Ersten Ermittlungen zufolge drangen schwer bewaffnete Männer am Donnerstagnachmittag kurz nach 15 Uhr in die Spielhölle im Stadtteil San Jerómimo ein, warfen Handgranaten, verschütteten Benzin und forderten die verschreckten Gäste auf, das Kasino zu verlassen. „Die Angreifer zielten auf uns und sagten, wir sollten verschwinden, sonst würden wir mit zum Teufel gehen“, erzählte eine Überlebende der Internetausgabe der Tageszeitung El Norte.

Mafia wollte Schutzgeld

Zum Zeitpunkt des Anschlags hielten sich über hundert Menschen in dem zweistöckigen Kasino auf und spielten Poker und Bingo, versuchten am Roulette-Tisch ihr Glück oder setzten auf Pferderennen. Viele Spieler flohen auf die Toiletten und die Büros, wo sie sich vor den Angreifern sicher wähnten. Augenzeugen berichteten später, dass die Notausgänge zum einen zu klein und zum anderen abgeschlossen waren.

Der Brand konnte erst nach drei Stunden gelöscht werden. Die Feuerwehr riss sogar die Mauern des Gebäudes ein, um leichter zu den Eingeschlossenen vorzudringen. Sie konnten aber fast nur noch Tote bergen. Die meisten Opfer fanden die Rettungskräfte auf den Toiletten.

Die Urheber des Attentats waren zunächst unbekannt. Es trägt aber den Stempel der Drogenkartelle. In Monterrey, der drittgrößten Stadt Mexikos, kämpfen das „Golf-Kartell“ und die „Zetas“ erbittert um die Macht. Beide Mafiabanden bekämpfen sich nicht nur gegenseitig brutal und blutig, sondern finanzieren sich auch über die Erpressung von Schutzgeldern.

Außerdem zwingen sie Bar- und Kneipenbesitzer, in ihren Etablissements Drogen zu verkaufen. Medienberichten zufolge weigerte sich der Eigentümer des Kasinos, die Gruppe Royale, an die Mafias Schutzgeld zu zahlen.

Spielhöllen und Zockerbuden sind gerade in Monterrey und anderen Städten im Norden Mexikos in den vergangenen Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen. Die Behörden verdächtigen die Drogenkartelle, in den Vergnügungsgeschäften das Geld aus dem Handel mit Drogen und anderen Schmuggelwaren zu waschen.

Mexikos Regierung führt seit Ende 2006 einen fast aussichtslosen Kampf gegen die Drogenkartelle. Mehr als 40?000 Tote – Drogenbosse, Dealer, Pistoleros, Soldaten, Polizisten und Zivilisten – sind seit 2007 in diesem Krieg zu beklagen.

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