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Anschlag auf Journalistin Entsetzen nach Mord auf Malta

Schock und Trauer auf Malta nach dem tödlichen Anschlag auf die Investigativjournalistin Daphne Caruana Galizia, die trotz Drohungen keinen Polizeischutz erhalten hatte.

Autobombe
Trümmer und Reste des verbrannten Autos nach dem Anschlag. Foto: afp

Malta steht unter Schock. Nach dem Attentat am Montagnachmittag auf Daphne Caruana Galizia, bekannteste Investigativ-Journalistin des kleinsten EU-Mitgliedslandes, versammelten sich Tausende zu einer Mahnwache. In den sozialen Netzwerken schwärzten viele ihre Profilbilder, der Hashtag „Je suis Daphne“ kursierte. Staat und Regierung werden Versagen vorgeworfen.

Ex-Innenminister Louis Galea erklärte, es handele sich um einen politischen Mord. Obwohl das Risiko bekannt gewesen sei, habe die Polizei nichts getan. „Der Staat, die Regierung und ihre Institutionen hätten die heilige Pflicht gehabt, das Leben von Daphne zu schützen.“

Matthew Galizia, einer der drei Söhne der Ermordeten, ebenfalls Investigativ-Journalist, war als Erster zum Tatort gerannt, nachdem er die Explosion gehört hatte. „Meine Mutter wurde ermordet, weil sie zwischen dem Gesetz und denen stand, die es verletzen“, schrieb er auf Facebook. Malta sei „ein Mafia-Staat, in dem du zerfetzt wirst, wenn du deine elementaren Rechte ausübst“. Premier Joseph Muscat habe Regierung, Polizei und Gerichte mit Gaunern und Unfähigen besetzt. Die Familie der Ermordeten kämpft nun dagegen, dass die Ermittlungen von einer Richterin geführt werden, die auf Galizias Blog mehrfach harter Kritik ausgesetzt war.

Auch international gab es empörte Reaktionen auf den Anschlag. So etwas erinnere an Putins Russland, nicht an die EU, erklärte der Grünen-Europaabgeordnete Sven Giegold. Der frühere griechische Finanzminister Yanis Varoufakis twitterte: „Europa im 21. Jahrhundert: Hinrichtung einer Aktivistin, die Steuerbetrug aufdeckte.“ Wikileaks-Gründer Julian Assange setzte auf Twitter 20.000 Euro aus für Hinweise, die auf die Spur der Killer führen.

Galizia betrieb eine der meistgelesenen Webseiten Maltas

Die Hintergründe des Mordanschlags sind bislang unklar. Klar ist, dass Daphne Caruana Galizia einigen maltesischen Politikern mehr als unbequem war. Ihre Enthüllungen über deren krumme Finanzgeschäfte hatten international für Aufsehen gesorgt, ebenso wie Berichte über Malta als Steueroase. Ihr Blog „Running Commentary“, in dem sie die sozialdemokratische Labour-Regierung von Premier Muscat wie auch die Opposition mit deutlichen Worten attackierte, war eine der meistgelesenen Webseiten des Inselstaats.

Morddrohungen war sie gewöhnt, vor zwei Wochen erst zeigte sie neue Einschüchterungsversuche bei der Polizei an. Dennoch hatte sie keinen Personenschutz. Am Montagnachmittag dann explodierte der Peugeot 108 der 53-Jährigen kurz nachdem sie den Motor gestartet hatte. „Wo du auch hinschaust, überall sind Ganoven“, endete ihr letzter Blogeintrag, den sie keine halbe Stunde vor ihrem Tod schrieb, „die Lage ist verzweifelt.“

Die Journalistin hatte Anfang 2016 aufgedeckt, dass Energieminister Konrad Mizzi und Kabinettschef Keith Schembri in Panama Briefkastenfirmen zur Geldwäsche unterhielten. Das wurde wenig später durch die „Panama Papers“ belegt. Regierungschef Muscat brachte sie in Bedrängnis, als sie schrieb, dass ein weiteres Offshore-Konto dessen Ehefrau gehöre. Eine Million Euro sollen darauf geflossen sein – überwiesen von der Tochter des aserbaidschanischen Staatschefs. Der Premier nannte das eine Lüge. Er musste aber vorgezogene Neuwahlen ausrufen, bei denen er im Mai bestätigt wurde. Am Montag erklärte er auf einer eilig einberufenen Pressekonferenz: „Jeder weiß, dass Frau Caruana Galizia mich politisch wie persönlich scharf kritisiert hat, aber niemand kann diese barbarische Tat rechtfertigen.“ Er werde nicht ruhen, bis sie aufgeklärt sei.

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