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Anonymous Hacker-Blitzkrieg gegen rechts

Neonazis in Deutschland reagieren aufgeschreckt auf den Enthüllungs-Pranger, den Hacker von Anonymous ins Internet stellten. Die "Operation Blitzkrieg" legt rechte Websites lahm, auf "Nazi-Leaks" veröffentlichen die Hacker Daten von NPD-Spendern und Kunden eines einschlägigen Versandhauses.

Öffentlich an den Pranger gestellt zu werden, war im Mittelalter eine Form der Bestrafung. Das funktioniert auch im digitalen Zeitalter.

In der deutschen Neonazi-Szene herrschte helle Aufregung. In einschlägigen Onlineforen warnten die User einander vor einer „Operation Blitzkrieg“. Alle Daten der Kunden des „Nationalen Versandhauses“ seien im Internet einsehbar, schrieb ein User im Forum „Thiazi“. Ein anderer rief seine Gesinnungsgenossen dazu auf, alle Namenslisten, die Unbekannte veröffentlicht hatten, auf Bekannte durchsuchen. Schließlich müsse man nun gemeinsam den Kampf gegen die Hacker organisieren. Vorerst behielten die jedoch ihren Vorsprung – und legten am Montag gleich mehrere Neonazi-Foren und -Websites lahm.

Das neue Jahr hat im Internet mit einem großangelegten anonymen Angriff auf rechte Websites begonnen. Ob er unter verschiedenen Hacker-Gruppen vorab verabredet war oder durch einen Schneeball-Effekt entstanden ist, blieb zunächst offen.

Den Startschuss gab das internationale Hacker-Kollektiv Anonymous, das sich bisher bereits mit Scientology, der Mafia, lateinamerikanischen Drogenkartellen und mächtigen Internetkonzernen angelegt hatte. In Deutschland legte die Gruppe am Montag unter dem anonym auf Twitter ausgerufenen Motto „Operation Blitzkrieg“ mehrere Seiten der Neonazi-Szene lahm, darunter Altermedia Deutschland.

Zum „Blitzkrieg“ der Hacker zählt auch die Eröffnung eines Internet-Portal namens Nazi-Leaks, wo sie unter anderem NPD-Spenderlisten und E-Mail-Diskussionen von Neonazis einstellten. Auf der Seite findet sich zudem Material zu der in der rechten Szene beliebten Modemarke Thor Steinar sowie zur rechtsgerichteten Wochenzeitung Junge Freiheit. Weitere persönliche Daten über angebliche Unterstützer der rechten Szene sollen folgen. Der Umfang der Listen ist sehr unterschiedlich. Mal enthalten sie nur Namen und E-Mail-Adressen, mal komplette Datensätze einschließlich Adressen und Telefonnummern. Zudem tauchen teils Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens auf. In der Autorenliste der Jungen Freiheit etwa wird ein Journalist, der als Korrespondent für ARD und ZDF arbeitete, samt persönlicher Daten aufgeführt. Die Echtheit der Dokumente blieb offen. Quelle vieler Daten sind laut Medienberichten Hacker-Angriffe, die am Rande des 28. Chaos Communication Congress in Berlin stattfanden. Andere Infos waren bereits auf diversen Internet-Seiten veröffentlicht worden und wurden nur gebündelt.

Nachdem das lose Hacker-Kollektiv Anonymus über sein Twitter-Profil außerdem zu Attacken auf rechte Homepages aufgerufen hatte, waren Portale wie Altermedia Deutschland, das NPD-Parteiorgan Deutsche Stimme und der DS-Versand zeitweise lahmgelegt. Die Hacker wünschten zudem per Online-Botschaft „allen Nazis und vor allem Altermedia einen guten Start ins neue Jahr“. Die Deutsche Stimme und der Online-Shop für Neonazi-Accessoires, DS-Versand, blieben hingegen lange offline. Allerdings lösten erste Online-Berichte über Nazi-Leaks auch einen Ansturm auf die Ent-hüllungsseite aus, durch den das Online-Portal teilweise überlastet war.

Altermedia, das auch Verfassungsschützer als eines der zentralen Diskussionsforen der rechtsextremen Szene sehen, war am Montag zumindest zeitweise wieder zu erreichen. Immer wieder jedoch erhielten Nutzer beim Ansteuern der Seite eine Fehlermeldung. Die Seite wurde bislang aus Stralsund in Mecklenburg-Vorpommern betrieben. Der Administrator Axel Möller sitzt jedoch seit Dezember 2011 in Haft, wegen Volksverhetzung, Verwendens verfassungsfeindlicher Symbole, Beleidigung, Aufruf zu Straftaten und Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener. Verurteilt hatte ihn das Landgericht Rostock. (mit dapd)

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