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Angela Merkel und Emmanuel Macron Alles nur Symbolik

Das Treffen des französischen Präsidenten Emmanuel Macron und Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin dient vor allem der gegenseitigen Versicherung.

Merkel und Macron
Zwei, die sich offenbar gut verstehen: Merkel und Macron am Berliner Humboldt-Forum. Foto: afp

Der französische Präsident besucht Angela Merkel und dafür hält sein Wagen vor grauen Mülltonnen und grünen Bauschuttcontainern. Ein Schloss steht da auch noch, allerdings hinter riesigen Baugerüsten. Ein paar Meter ist die Fassade freigeräumt, viereinhalb Fenster lang. Ein bisschen Pracht für die Kameras. Emmanuel Macron steigt genau vor diesem Fassadenstück aus dem Wagen, zwei Mal aufgestampft, damit die Hosenbeine nicht unschön an den Knien knubbeln.

Auch das wäre nicht so prächtig. Und gleich wird es auch noch staubig. Merkel empfängt auf der Baustelle des Berliner Schlosses, das wiederaufgebaut wird auf seinem historischen Standort. Es sind zu sehen: Viele Gerüste, Kabelrollen, Warnschilder, Paletten, Dixi-Toiletten, Plastikplanen. „Ein Platz der im Entstehen ist“, sagt Merkel und damit wird klar: Hier eifert nicht die deutsche Kanzlerin dem Präsidenten aus dem Land der Loire-Schlösser architektonisch nach. Hier geht es um große Symbolik: Seit Monaten gibt es die Debatte um eine Reform, eine Wiederbelebung der EU, auch da gibt es viele Gerüste – und es ist noch nicht ganz klar, ob dahinter ein Prunkbau entsteht.

Es sollte einmal mehr das große deutsch-französische Thema sein. Aber bisher hat nur Macron seine Vorstellungen dargelegt. Merkel hatte einen Wahlkampf, dann Koalitionsverhandlungen und blieb daher zurückhaltend. Mittlerweile hat zwar ihre Bundestagsfraktion Position bezogen – dabei aber vor allem bekannt gegeben, was sie auf jeden Fall schlecht findet an den Macron-Vorschlägen: die Finanzpolitik ist der Union bei Macron zu gemeinsam – und zwar vom Haushalt bis über die Idee eines gemeinsamen europäischen Finanzministers. Für Macron sind das ziemlich zentrale Punkte.

Eine Baustelle ist also wohl wirklich ein guter Platz für so ein Treffen. Macron und Merkel besichtigen ein großes Schloss-portal, im obersten Stockwerk des riesigen Baus blicken sie von dem künftigen Café über die Stadt. „Das ist ein schöner Beginn dieses Arbeitstreffens“, sagt Macron anschließend bei einer kurzen Pressekonferenz. Die Baustelle hat keinen Staub hinterlassen auf seinen Schuhen.

Er spricht von einem deutschen Projekt, Merkel von einem „sehr europäischen“. Sie verweist auf den Namen des Bauwerks: „Humboldt-Forum“ heißt es nach den Naturforschern Alexander und Wilhelm von Humboldt, die beide im 18. Jahrhundert auch in Paris gelebt und geforscht haben. Es zeige, dass es schon früher eine enge deutsch-französische Zusammenarbeit gegeben habe, sagt Merkel. Es ist wirklich alles sehr symbolisch.

Wie die beiden denn nun wirklich zusammenkommen wollen bei der EU-Reform, bleibt offen. Erstmal hat man ja nur eine Baustelle besichtigt, das politische Gespräch folgt am Nachmittag. Die Pressekonferenz gibt es schon davor, auf der Schlossbaustelle, in dem Raum, wo das Ethnologische Museum künftig seine Sammlung vom Amazonas präsentiert.

Merkel sagt, man habe unterschiedliche Ausgangspunkte und brauche die Fähigkeit zum Kompromiss. Es gehe darum, „in der Summe der Vorschläge“ zu einer guten Lösung zu kommen. Und Macron findet, die einzelnen politischen Instrumente seien ja nun wirklich nicht so wichtig. „Wir müssen wissen, welches Ziel wir haben.“ Das ist in der Tat eine bestechend gute Idee. Aber offenbar ist bislang noch nicht einmal das klar. „Es mangelt nicht an Arbeit, es mangelt nicht an Willen“, sagt Macron. So viele schöne Worte auf dieser Baustelle.

Am 19. Juni wollen sich die Kabinette beider Länder nochmal zusammensetzen. Danach folgt ein Europäischer Rat. Bis dahin soll es so etwas wie eine deutsch-französische Linie geben. Bei Merkel kommt in der thematischen Reihenfolge die gemeinsame Asylpolitik vor der gemeinsamen Währungpolitik, bei Macron ist es umgekehrt. Es sei schon seltsam, dass schon der kleinste Vorschlag Aufregung verursache, wundert sich Merkel – Differenzen und Debatte seien das Normalste der Welt, soll das wohl heißen.

Dann fahren die beiden ins Kanzleramt. „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“, so hat Merkel Emmanuel Macron vor einem Jahr begrüßt. Da war der gerade Präsident geworden und vor dem Kanzleramt jubelten seine Anhänger. Nun sind Macrons Umfragewerte gefallen, Merkel hat sich eine Regierung zusammengekratzt. „Wir hatten den Zauber ein bisschen konserviert und weggelegt“, sagt Merkel. „Jetzt kommt er wieder.“

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