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Amoklauf in Afghanistan Eine Kaserne mit vielen Problemen

US Soldaten aus der Lewis-McChord-Kaserne im Nordwesten der USA sorgen immer wieder für Probleme. Schon das sog. "Kill Team", das 2010 wehrlose Zivilisten ermordet hatte, stammt aus dem Stützpunkt - so auch der Amokläufer vom Sonntag.

Die Lewis-McChord-Kaserne im Bundesstaat Washington ist der größte Militärtützpunkt in den USA. Foto: dapd

Adam Winfield hatte Glück. Er wurde Anfang August 2011 von einem US-Militärgericht lediglich zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt. Dem jungen Infanteristen hatte eine viel härtere Strafe gedroht – wegen vorsätzlichen Mordes an mindestens einem afghanischen Zivilisten. Doch Winfield ließ sich auf einen Deal mit den Staatsanwälten ein. Er sagte in dem Verfahren gegen Unteroffizier Calvin Gibbs aus, der als Anstifter der Morde galt, die zwischen Januar und Mai 2010 in Afghanistan verübt wurden. Gibbs schließlich wurde im November 2011 zu lebenslanger Haft verurteilt.

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US-Soldaten, die offenbar aus Lust am Töten wehrlose Zivilisten in Afghanistan ermordeten und die Leichen so präparierten, dass es aussah, als seien die Menschen im Kampf gestorben – dieser Fall hatte im Jahr 2010 international für Empörung gesorgt. Das „Kill Team“ um Gibbs schändete zudem die Leichen der Afghanen, schnitt ihnen Finger ab, schlug ihnen Zähne aus und nahm die Körperteile als Trophäen.

Winfield und Gibbs stammten vom US-Militärstützpunkt Lewis-McChord im Bundesstaat Washington. Die Armeezeitung Stars and Stripes nennt die Großkaserne im Nordwesten der Vereinigten Staaten den Standort mit den meisten Problemen. Das dürfte auch an der schieren Größe der Garnison liegen, knapp 100.000 Soldaten und Zivilangestellte sind dort stationiert. Der Stützpunkt ist seit den Anschlägen vom 11. September 2001 ständig gewachsen. Die dortigen Einheiten waren und sind regelmäßig im Einsatz im Irak und in Afghanistan.

Schon wieder in den Schlagzeilen

Nun ist die Joint Base Lewis-McChord, wie der Stützpunkt im Sprachgebrauch der US-Armee genannt wird, wieder in die Schlagzeilen geraten. Von hier stammt auch der Amokläufer, der am Sonntag 16?Menschen in Afghanistan erschoss. Sprecher des Stützpunkts wollten das zwar nicht bestätigen. In US-Medienberichten hieß es, es handle sich um einen 38 Jahre alten Feldwebel, der bereits drei Einsätze im Irak hinter sich gebracht hatte. Der Vater zweier Kinder sei seit Dezember in Afghanistan stationiert und dort als Mitglied einer US-Einheit eingesetzt gewesen, die vor allem gute Beziehungen zu den afghanischen Dorfältesten pflegen, lokale Polizisten ausbilden und Jagd auf Taliban-Kämpfer machen soll.

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Neben dem Amoklauf und den Untaten des sogenannten Kill Teams um Calvin Gibbs machte zuletzt der Fall eines 24 Jahre alten Veteranen aus dem Irakkrieg Schlagzeilen. Der Mann tötete Anfang dieses Jahres einen Parkwächter im Nationalpark Mount Rainier, flüchtete und kam im Schnee ums Leben. Und im Jahr 2010 schoss ein Ex-Soldat aus Lewis-McChord einen Polizisten im US-Bundesstaat Utah an. Die Garnison ist auch berüchtigt für die Vielzahl an Selbsttötungen unter Soldaten – 2011 nahmen sich zwölf Armee-Angehörige das Leben, 2010 waren es neun. Die Zeitung Seattle Times berichtete zudem von mehr als 300 Soldaten, bei denen in den letzten fünf Jahren posttraumatische Belastungsstörungen diagnostiziert wurden.

Die Kommandeure des Stützpunktes Lewis-McChord reagierten bislang nicht mit öffentlichen Stellungnahmen auf den jüngsten Amoklauf eines ihrer Soldaten. In vorausgegangenen Fällen hatte es wiederholt geheißen, jede Garnison dieser Größe habe ihre Probleme. Die Standardformulierung lautete dabei stets, es handle sich um Einzelfälle. (mit AP)

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