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Alternative für Deutschland „AfD spricht Ängste junger Männer an“

Der Parteienforscher Oskar Niedermayer sagt im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau, dass man die AfD nicht ignorieren kann. "Man muss die AfD jetzt mit Sacharbeit bekämpfen", glaubt Niedermayer.

AfD-Chef Bernd Lucke hat gut lachen: Seine Partei hat in Sachsen aus dem Stand fast zehn Prozent der Stimmen geholt. Foto: dpa

Herr Niedermayer, wie realistisch ist die Hoffnung der CDU, dass sich die AfD wie schon die Piraten selbst zerlegen wird?
Ich glaube, das kann man jetzt noch nicht definitiv abschätzen. Die AfD hat durch ihren Erfolg in Sachsen einen großen Schritt hin zur Etablierung getan und wird damit auch auf Bundesebene stärker als ernst zu nehmende Partei wahrgenommen. Aber sie muss sich jetzt erst mal auf Landesebene bewähren. Wenn sie es nicht schafft, die permanenten Querelen und Personalauseinandersetzungen zu beenden und vor allem das Ausufern in Rechtspopulismus zu stoppen, sehe ich eher Schwierigkeiten für die Etablierung.

Anders als andere rechtspopulistische Parteien scheint die AfD ein größeres Wählerpotenzial zu haben. Spricht das nicht für längerfristigen Erfolg?
Ich glaube schon, dass die AfD größere Chancen hat, sich zu etablieren als das bei einigen anderen rechtspopulistischen Parteien der Fall war. Aber wie gesagt, nur unter bestimmten Bedingungen. Wenn sie in Zukunft weiter bürgerlich-konservative gesinnte Wählerschichten ansprechen will, muss sie sich in den Augen ihrer Wähler glaubwürdig vom rechten Rand absetzen.

Die AfD profitiert aber schon jetzt von einer straffen Organisation, es gibt ein AfD-Milieu, sie ist längst nicht mehr die Ein-Themen-Partei. Die Piraten hatten schlechtere Bedingungen.
Nach außen hin dringen aus der AfD immer nur Personalstreitigkeiten und inhaltliche Auseinandersetzungen. Dabei vergisst man leicht, dass viele Leute, die in der AfD organisiert sind, über politische Erfahrungen verfügen, weil sie von anderen Parteien kommen. Das ist anders als bei den Piraten, wo die meisten politische Laien waren. Darüber hinaus hat sie ein durchaus schon gefestigtes Organisationsfundament, Sie ist in allen Bundesländern präsent, auch das nützt ihr. Die Piraten wurden in ihrer Selbstzerstörung von den Wählern sehr schnell als Chaostruppe wahrgenommen, die man nicht mehr ernst nehmen kann. Das sehe ich bei der AfD nicht, auch wenn es viele Berichte über Querelen gibt.

Wenn man sich das Programm und das doch überwiegend ältere Personal der AfD anschaut, erstaunt es sehr, dass sie Stimmen von sehr vielen jungen Wählern bekommen hat.
Die AfD spricht Ängste, Befürchtungen und Sorgen gerade von jungen Männern an. Bei denen sind Parteibindungen längerfristige Art noch nicht so ausgeprägt, sodass sie sich schneller für so eine neue Partei entscheiden.

Wie soll die Union mit der Konkurrenz von rechts umgehen?
Sie zu ignorieren wie es noch bei der Bundestags- oder der Europawahl versucht wurde, wird nicht mehr funktionieren. Das gilt auch für den Versuch, sie einfach zu verteufeln, denn die Wähler, die die AfD anzieht, sind aus bestimmten inhaltlichen Gründen von den anderen Parteien enttäuscht. Sie fühlen sich benachteiligt, diesen Ängsten muss man durch Argumente begegnen. Man muss die AfD jetzt mit Sacharbeit bekämpfen und nicht mit Pauschalurteilen oder Missachtung.

Interview: Mira Gajevic

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