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Alkoholkonsum Jugendlicher Komatrinken mit Folgen

Seit 2000 steigt die Zahl der Jugendlichen, die wegen Alkoholmissbrauchs ins Krankenhaus eingeliefert werden, kontinuierlich an. Doch der Anstieg ist kein Indiz dafür, dass Alkoholexzesse bei Jugendlichen heute häufiger vorkommen als früher.

Saufen ohne Ende. Die Zahl der Komasäufer in den Notaufnahmen nimmt weiter zu. Foto: dpa

Auf den Plakaten wird seit 2009 gewarnt: „Alkohol? Kenn dein Limit“, so heißt der Spruch der bundesweiten Kampagne, die Jugendliche davon abhalten soll, sich einen Vollrausch anzutrinken. Besonders abschreckend haben die Plakate der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung offenbar aber nicht gewirkt. Auch 2011 stieg die Zahl der Kinder und Jugendlichen im Alter von zehn bis 19 Jahren an, die wegen akuten Alkoholmissbrauchs stationär im Krankenhaus behandelt wurden. Zählten die Kliniken 2010 noch 25.995 alkoholvergiftete jugendliche Patienten, waren es 2011 genau 354 mehr, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte.

Bezogen auf 100.000 Einwohner nimmt die Zahl seit Beginn der Statistik im Jahr 2000 ständig zu. Fast zwei Drittel der Patienten, die volltrunken eingeliefert werden, sind Jungen und junge Männer.

Für Suchtexperten wie den Direktor des Instituts für Suchtforschung der Fachhochschule Frankfurt am Main, Heino Stöver, sind die Zahlen jedoch kein Indiz dafür, dass Alkoholexzesse bei Jugendlichen heute häufiger vorkommen als früher. „Wir wissen nicht, ob Rauschtrinken in den letzten zehn, 20 Jahren zugenommen hat. Wir haben gar keine Vergleichswerte“, sagte er unserer Zeitung. Was den allgemeinen Alkoholkonsum angehe, sei sogar das Gegenteil richtig: Heute werde deutlich weniger als früher getrunken. „Wir haben sinkende Fälle, aber eine wachsende Aufmerksamkeit“, sagte Stöver.

Promillepegel sinkt

Auch vor 20 oder 40 Jahren sei es Jugendlichen beim Trinken um den Rausch und nicht um den Genuss gegangen, sagte Stöver. „Das sind doch keine Connaisseure, die den Cognac schwenken, bis er Zimmertemperatur erreicht hat. Die hören nicht nach einem Weinbrand auf und sagen, der hat aber schön gewärmt. Nein, es geht darum, den Abend durchzuhalten, um das Trinken in der Gemeinschaft.“ Anders als früher sei aber die gesellschaftliche Aufmerksamkeit gestiegen. Während Eltern ihrem Sohn früher einen Eimer ans Bett gestellt hätten, würden sie heute den Notarzt rufen.

Dafür, dass nicht jeder in eine Klinik eingelieferte Jugendliche im Vollrausch ist, spricht nach Ansicht des Suchtexperten, dass der durchschnittliche Alkoholpegel von Jugendlichen, die betrunken im Krankenhaus landeten, seit Jahren sinkt – zuletzt auf etwa 1,5 Promille.

Für bedeutsamer hält Stöver deshalb die Tatsache, dass das Statistische Bundesamt in allen Altersgruppen einen Anstieg der Krankenhauseinweisungen wegen Alkoholkonsums verzeichnet. „Es sind nicht nur unsere Jugendlichen, die häufiger in Krankenhäuser eingeliefert werden, es sind auch mehr über 70-Jährige. Was die Drogenbeauftragte aber macht, ist, das wieder auf die Jugendlichen zu reduzieren. Das ist pharisäerhaft. Wir sollten nicht so tun, als ob das Gros unserer Gesellschaft abstinent lebt und es nur diese paar jugendlichen Komatrinker gibt“, sagte Stöver. Alkohol habe nach wie vor einen hohen Stellenwert in der Gesellschaft. Deshalb gelte es, den Blick auf die Alltagsanforderungen zu lenken, die bewältigt werden müssten. „Das schaffen viele Menschen nur, indem sie abends zum Ausgleich einen Wein oder ein Bier trinken, um runter zukommen oder abzuschalten.“

Gezielte Prävention

Für Mechthild Dyckmanns, die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, sind die aktuellen Zahlen gleichwohl ein weiterer Beweis für die Notwendigkeit, den Jugendschutz konsequent einzuhalten und weiter auf gezielte Prävention zu setzen. „Diese Zahlen zeigen, dass wir nicht nachlassen dürfen, Kinder und Jugendliche über die Gefahren des Rauschtrinkens aufzuklären“, sagte Dyckmanns in Berlin. Deshalb müssten Alkoholverbote für unter 16-Jährige konsequenter beachtet werden. Eltern sollten durch maßvolles Konsumverhalten ein Vorbild für ihre Kinder sein, forderte die Drogenbeauftragte.

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