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Alexej Nawalny „Russland ist viel größer als Putin“

Der russische Oppositionspolitiker Alexej Nawalny spricht im Interview über seinen Wahlkampf, Waffen und Faschismus in Russland - und warum er die „Gauner im Kreml“ hasst.

Alexej Nawalny
Ärgert seit Jahren die Mächtigen in Russland: Alexej Nawalny. Foto: Imago

Herr Nawalny, Sie wollen bei den Präsidentschaftswahlen im März gegen Wladimir Putin antreten. Aber was tun Sie, wenn die russischen Behörden ihre Ankündigung wahr machen, und sie erst gar nicht als Kandidaten zulassen. Wie sieht Ihr Plan B aus?
Wir haben keinen Plan B, wir haben nur einen Plan A. Wenn du in der russischen Politik mit einem Plan B kommst, heißt das, dass du bei erster Gelegenheit zurückweichen wirst. Ich gehe davon aus, dass ich vollkommen berechtigt bin, an diesen Wahlen teilzunehmen. Wenn man mich, den Hauptkonkurrenten, nicht zu den Wahlen zulassen wird, dann sind das keine Wahlen mehr, wir werden sie boykottieren und alle zum Boykott aufrufen. Und ich bin sicher, viele werden auf uns hören.

So oder so gilt ein Wahlsieg Putins als sicher? Seine Umfrageergebnisse liegen bei 86 Prozent.
Diese 86 Prozent zeugen nur vom Fehlen jeder politischen Konkurrenz. In der Sowjetunion hatte die Kommunistische Partei eine Unterstützung von 99 Prozent. In autoritären Systemen sind alle statistischen Dienste völlig bedeutungslos. Vor den Bürgermeisterwahlen in Moskau 2013 prognostizierten sie mir auch nur ein Prozent, am Ende holte ich fast 30, und das praktisch ohne Geld.

Sie machen seit Monaten Wahlkampf, legen jedes Wochenende Tausende Kilometer zurück, um in zwei oder drei Provinzstädten aufzutreten, Ihre Kundgebungen werden verboten, Sie festgenommen, man wirft ihnen Chemikalien ins Gesicht. Wofür tun Sie sich das an? Was ist ihr Ziel?
Diese Frage höre ich oft. Weil wohl alle vermuten, hinter meiner Tätigkeit verberge sich ein geheimer Sinn. Aber die Antwort ist sehr einfach: Ich glaube schlicht an das, was ich tue. Und ich werde dabei von den Leuten unterstützt. Ich habe die Stiftung gegen Korruption gegründet, eine nichtkommerzielle Organisation, die unabhängig vom Staat ist. Die Leute finanzieren sie, ihnen gefällt, was ich tue, mir gefällt es auch.

Wie stehen Sie Ihren monatelangen Marathon auf Kundgebungsplätzen und Polizeiwachen, in Fliegern und S-Bahnen durch. Haben Sie einen Zaubertrank?
Nein, ich nehme weder mythische noch nicht-mythische Aufputschmittel. Jetzt fahren wir nach Smolensk, eine eher kleine Stadt, 300.000 Einwohner. In Smolensk wird seit 20 Jahren keine Politik gemacht. Ich weiß nicht, ob die Kundgebung groß sein wird oder klein, aber ich bin sicher, die Leute, die kommen, stehen hinter mir. Sie haben keine Zukunftsperspektive, haben nie etwas mit Politik zu tun gehabt. Aber die Leute warten in Smolensk genauso auf mich wie im ostsibirischen Kemerowo. Keiner sonst hat solche Anhänger. Sie geben mir einen Energieschub und das Gefühl, dass ich morgen wieder losfahren muss.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Russland

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