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Alassane Ouattara im Porträt Ein mittelprächtiger Guter

Lange Zeit hatte er einen moralischen Vorsprung auf den bösen Ex-Präsidenten Laurent Gbagbo, doch Alassane Ouattara hat im Machtkampf in der Elfenbeinküste seine weiße Weste befleckt.

Alassane Ouattara hat die Wahl gewonnen, die Macht aber nicht übernehmen können. Foto: AFP

Die Weltöffentlichkeit liebt den Kampf des personifizierten Guten gegen das Böse. Beinahe hätte es Alassane Ouattara geschafft, mit blütenreiner Weste sein Amt als Präsident der westafrikanischen Elfenbeinküste anzutreten. Dem 69-jährigen Ökonom hatte der böse Ex-Präsident Laurent Gbagbo Ende vergangenen Jahres den Wahlsieg gestohlen. Seitdem kam für Ouattara alles darauf an, seinen moralischen Vorsprung in den Augen der Welt aufrechtzuerhalten. Denn nur mit ausländischer Hilfe hatte der ehemalige Direktor des Internationalen Währungsfonds noch eine Chance auf Triumph.

Von Nachbarstaaten und westlichen Nationen aufgepäppelt, rollten Ouattaras „Republikanische Kräfte“ in einem Blitzkrieg die Elfenbeinküste auf. Das Reich des bösen Gbagbo ist auf das Zentrum der Metropole Abidjan reduziert. Es scheint nur noch eine Frage der Zeit, bis der aufbrausende Geschichtsprofessor selbst Geschichte ist. Doch im Verlauf des Feldzugs hat Ouattara, der Gute, die Unschuld verloren: Mit seinen Truppen befreundete Milizionäre, vielleicht auch Angehörige der Republikanischen Kräfte selbst, richteten im Westen des Landes ein Blutbad mit Hunderten von Toten an. Die weiße Weste des Präsidenten hat Flecken.

Ganz schwarz-weiß war die Relation der beiden Erzkontrahenten nie. Während Ouattara Anfang der 90er Jahre dem Autokraten Félix Houphouët-Boigny als Premier diente, saß der Sozialist Laurent Gbagbo monatelang im Gefängnis. An der blutigen Unterdrückung der oppositionellen Proteste soll Ouattara selbst beteiligt gewesen sein.

Nach dem Tod „Papa Houphouëts“ brach die Rivalität zwischen Ouattara und Gbagbo erst richtig aus: Wiederholt gelang es dem linksnationalistischen Geschichtsprofessor, den von seinen Anhängern nach seinen Initialen „Ado“ genannten Ouattara mit einem Trick von der Macht fernzuhalten. Er ließ den muslimischen Nord-Ivorer, dessen Vater aus dem Nachbarland Burkina Faso stammt, zum Ausländer abstempeln und verhinderte so zweimal dessen Kandidatur für das höchste Amt. Ob Ado das geduldig hinnahm oder ob er hinter der blutigen Rebellion der „Forces Nouvelles“ im Jahr 2002 stand, ist umstritten.

Im westlichen Ausland war Ado stets die Lichtgestalt. Der in den USA ausgebildete Ökonom und Basketball-Fan ist mit der Französin Dominique Nouvian Folleroux verheiratet. Ihre Hochzeit vollzog im Oktober 1990 der damalige Bürgermeister von Neuilly, Nicolas Sarkozy. Im Westen wird Ado als hart arbeitender Technokrat gepriesen. Gbagbos Anhänger werfen ihm vor, die Elfenbeinküste westlichen Interessen auszuliefern: Die Umtriebe seiner Gattin als Geschäftsfrau und seine Unterstützung der harschen, vom Westen diktierten Strukturprogramme ließen Schlimmstes ahnen, sagen sie.

Ouattara muss das zutiefst geteilte Land vereinen, dessen Bevölkerung zu immerhin 45 Prozent für Gbagbo stimmte. Schafft es Ado nicht, mit der Bestrafung der Massenmörder in Duékoué den Flecken auf seiner Weste zu tilgen, wird er das Land nie hinter sich bringen. Ein besserer Guter als Ado ist aber nicht in Sicht.

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