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AKW Philippsburg 2 Sicherheitschecks in Atomkraftwerk vorgetäuscht

In dem Atomkraftwerk Philippsburg 2 hat ein externer Mitarbeiter Sicherheitschecks dokumentiert, aber nie durchgeführt. In Hessen gab es einen ähnlichen Fall.  

Kernkraftwerk Philippsburg in Baden-Württemberg. Foto: dpa

Der baden-württembergische Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) hat schockiert auf einen jetzt aufgedeckten Vorfall im Atomkraftwerk Philippsburg 2 reagiert. Mehrfach waren in der vom Stromkonzern EnBW betriebenen Anlage Sicherheitschecks nur vorgetäuscht worden. Untersteller nannte dies „hochgradig beunruhigend und nicht akzeptabel“ und kündigte an, den Betrieb des Reaktors bis auf weiteres zu untersagen.

Betreiber EnBW hatte bei eigenen Untersuchungen kürzlich festgestellt, dass ein Mitarbeiter eine turnusgemäß anstehende Prüfung von Strahlenschutz-Messeinrichtungen im Dezember 2015 zwar in einem Protokoll dokumentiert, sie tatsächlich aber nicht durchgeführt hatte.

Nachprüfungen ergaben, dass derselbe Mann, der bei einem externen Dienstleiter angestellt ist, auch sieben weitere ähnliche Checks vorgetäuscht hatte. EnBW teilte mit, man habe sich nach Aufdeckung des Vorfalls „unmittelbar“ an das Umweltministerium gewandt. Rechtliche Schritte gegen den Mitarbeiter würden geprüft.

Der Konzern versicherte, die betroffenen Messeinrichtungen seien trotz der Täuschungen funktionstüchtig gewesen, dies hätten die früheren und späteren Prüfungen gezeigt, die korrekt durchgeführt wurden. Man habe dem Ministerium bereits zugesichert, „Maßnahmen einzuleiten, die ein solches Fehlverhalten Einzelner ausschließen“. Man werde die relevanten internen Abläufe „sehr kritisch prüfen und verbessern, um solche Verfehlungen in Zukunft auszuschließen“.

Mit den „wiederkehrenden Prüfungen“ wird in AKW untersucht, ob die Einrichtungen und Systeme ihre Funktion sicher erfüllen. Zum Teil werden diese Checks von den Betreibern in Eigenverantwortung und zum Teil unter Aufsicht von behördlich hinzugezogenen Sachverständigen ausgeführt.

Das Stuttgarter Ministerium will trotzdem mit einer aufsichtlichen Anordnung reagieren. EnBW soll nach einer Anhörung vorläufig untersagt werden, das AKW wieder hochzufahren. Der Reaktor ist derzeit wegen der Jahresrevision ohnehin abgeschaltet. Ob und wie lange sich das Wiederanfahren verzögert, war am Donnerstag noch unklar.

Philippsburg 2 ist eins von zwei AKW, die in Baden-Württemberg noch aktiv sind. Drei der ursprünglich fünf Reaktoren in dem Bundesland sind aufgrund des Atomausstiegs bereits stillgelegt worden. Philippsburg 2 soll noch bis Ende 2019 laufen.
Weiterer Vorfall in Hessen

Umweltminister Untersteller teilte mit, nach derzeitigem Kenntnisstand hätten Täuschungen keine Auswirkungen auf die Sicherheit. Bevor EnBW aber nicht nachgewiesen habe, dass der Reaktor vorschriftsmäßig und sicher betrieben werde, dürfe er nicht wieder hochgefahren werden. Der Minister sagte: „Meines Wissens ist es das erste Mal, dass eine vorgeschriebene Prüfung in einem deutschen Kernkraftwerk offenbar bewusst vorgetäuscht wurde. Das ist hochgradig beunruhigend und nicht akzeptabel. Die EnBW hat jetzt zunächst für Aufklärung zu sorgen – schnell und umfassend!“

Noch am Donnerstagnachmittag wurde jedoch ein weiterer ähnlicher Fall bekannt – aus Hessen. Ein für den Strahlenschutz zuständiger Mitarbeiter des Atomkraftwerks Biblis nahm die geplanten Checks in den Jahren 2014 und 2015 gar nicht vor. Da die Dokumentation der „Prüfergebnisse“ aber sehr auffällig war, hätten der Kraftwerkbetreiber und das Umweltministerium als Aufsichtsbehörde den Fall aufdecken können, teilte das Ministerium am Donnerstagabend in Wiesbaden mit.
Der Fall sei nach der Stilllegung des AKWs erfolgt. Eine sicherheits- und strahlenschutztechnische Gefährdung konnte nach Angaben des Ministeriums umgehend ausgeschlossen werden. mit dpa

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Atomausstieg

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