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Ahed Tamimi Berühmt durch zwei Ohrfeigen

Die junge Palästinenserin Ahed Tamimi wird wegen ihres Protests gegen israelische Soldaten zum Exempel. Ein Porträt.

Ahed Tamimi
Jung, wütend, standhaft: Ahed Tamimi. Foto: afp

Zu Pop-Idolen haben es Teenager schon öfter gebracht, seltener zu politischen Ikonen. Aber für ihre Fangemeinde ist Ahed Tamimi genau das, eine Art palästinensische Jeanne d’Arc, die sich unerschrocken der Besatzungsmacht entgegenstellte. Zu dieser Rolle hat ihr nicht zuletzt Israel verholfen, dessen Regierung und Armee auf die blondgelockte Tamimi reagierten wie ein rotes Tuch.

Weil sie es wagte, in einem Zornesausbruch zwei israelische Soldaten zu ohrfeigen, sitzt die inzwischen 17-Jährige seit dem 19. Dezember in Militärhaft. Am Dienstag nun begann ihr Prozess hinter geschlossenen Türen vor dem Militärgericht in Ofer, einem Hochsicherheitsareal.

Beschuldigt wird sie in gleich zwölf Anklagepunkten. Dazu gehören Vorwürfe wie schwere Handgreiflichkeiten, Behinderung von Soldaten im Einsatz sowie wegen Aufruhrs und Hetze. Ein unbeschriebenes Blatt ist das Mädchen mit der blondgelockten Mähne auch nicht. Bereits im Kindesalter nahm Tamimi an Protesten in ihrem Heimatdorf Nabi Saleh gegen israelische Siedler teil, die dem Westbank-Örtchen nördlich von Ramallah eine Wasserquelle samt Naturpool abgenommen haben. Die Familie Tamimi war bei solchen Demonstrationen, die öfter in Zusammenstößen mit der Armee mündeten, meist in der ersten Reihe vertreten. Mit dabei Ahed, die schon vor Jahren einmal einen Jungen aus dem Klammergriff eines Soldaten zerrte. Wenn nicht irgendeine versteckte Kamera gefilmt hätte, wie sie recht rabiat, hinter sich ihre Mutter und eine Cousine, zwei israelische Gefreite in Kampfmontur vom Hof scheuchte, wäre vermutlich auch die Sache mit den Ohrfeigen im Sande verlaufen. Erst, als ein kurzer Videoclip von dem Vorfall durch die sozialen Netzwerke geisterte, ging ein Aufschrei durch Israel.

Zwar gab es kritische Stimmen aus dem israelischen Friedenslager, die das Verhalten der Soldaten, sich ohne Gegenwehr davongetrollt zu haben, als besonnen lobten. Doch der Sicherheitsapparat beschloss, jetzt müsse hart durchgegriffen werden, schon um das Abschreckungspotenzial der Streitkräfte zu erhalten. Und so wurde unverzüglich die damals noch 16-Jährige aus dem Bett heraus verhaftet.

Israel hat sich damit allerdings eine Menge Unverständnis in aller Welt eingehandelt. Nicht nur Amnesty International und einige EU-Vertreter wandten sich besorgt gegen ihre angeordnete Inhaftnahme bis zum Ende des sich voraussichtlich noch monatelang hinziehenden Verfahrens.

Es drohen zehn Jahre Haft

Ein unbewaffnetes Mädchen könne doch nicht ernsthaft als Bedrohung für zwei hochgerüstete Soldaten hingestellt werden. Dutzende bekannte Größen aus der amerikanischen Protestszene, unter ihnen Angela Davis und Alice Walker, setzen sich inzwischen ebenso für die sofortige Freilassung von Ahed Tamimi ein.

Ein wenig Nachsicht wäre auch angebracht. Nur Stunden bevor sie sich mit den Soldaten auf dem Grundstück ihrer Eltern anlegte, war ihr Cousin von einem Armeegeschoss lebensgefährlich im Gesicht verletzt worden. Ob die Militärrichter ihr deshalb mildernde Umstände zugutehalten werden? Nach israelischem Recht wäre auch eine Höchststrafe bis zu zehn Jahren möglich.

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