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Afrin Zivilisten in Kurdenstadt suchen in Kellern Schutz vor türkischen Bomben

2. UpdateDie Türkei will die starke kurdische Präsenz in Nordsyrien brechen. Seit Beginn der türkischen Luft- und Bodenoffensive herrscht bei den Bewohnern von Afrin Angst.

21.01.2018 08:24
Freie Syrische Armee
Kämpfer der Freien Syrischen Armee auf dem Weg nach Syrien. Foto: Furkan Arslanoglu

Als die ersten Bomben fallen, rennt Nisrin um ihr Leben. „Wir hatten unsere Keller vorbereitet, um unsere Kinder zu schützen“, sagt die Bewohnerin der nordsyrischen Kurdenstadt Afrin, die seit Samstag von der türkischen Luftwaffe beschossen wird. „Mein vierjähriger Sohn hat jedes Mal furchtbare Angst, wenn er das Geräusch eines Flugzeugs hört. Was für ein Verbrechen hat er begangen, dass er in schrecklicher Angst leben muss?“

Seit Beginn der türkischen Luft- und Bodenoffensive herrscht bei den Bewohnern von Afrin Angst. „Ich weiß nicht, wie ich beschreiben soll, was ich gefühlt habe, als türkische Flugzeuge über Afrin geflogen sind und Zivilisten bombardiert haben“, sagt die Lehrerin Randa Mustafa. „Die Kinder haben Angst. Unsere Männer, Frauen und jungen Leute sind friedlich.“ Die Türkei, sagt Mustafa, wolle das syrische Volk spalten und setze auf „psychologische Kriegsführung“.

Seit Tagen war die Offensive in dem kurdischen Autonomiegebiet im Nordwesten der Provinz Aleppo erwartet worden. Die Türkei will die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) verdrängen, die von Ankara als syrischer Zweig der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und damit als Terrororganisation eingestuft werden.

Als die Bombardements dann beginnen, leeren sich die Straßen von Afrin schlagartig. Die Zivilisten suchen Schutz, an ihrer Stelle fahren YPG-Kämpfer mit Militärfahrzeugen auf. Die örtlichen Behörden verhängen eine Ausgangssperre, Geschäfte und Schulen bleiben geschlossen.

„Wir haben Schritte unternommen, um Zivilisten zu schützen“, sagt Heve Mustafa vom Exekutivrat in Afrin. „Wir haben Bunker und Tunnel gegraben, die in Notsituationen genutzt werden können.“ Nach kurdischen Angaben gibt es bei den Bombardements trotzdem mindestens zehn Tote, davon sieben Zivilisten, und 25 Verletzte. Die Türkei spricht nur von getöteten kurdischen Kämpfern.

Die Kurden hoffen, dass internationaler Druck auf die Türkei sie schützen könnte. Die Staaten, die im Kampf gegen den Terrorismus Truppen nach Syrien geschickt hätten, dürften ihre „Augen nicht verschließen“, sagt Heve Mustafa. Ansonsten bleibe der Autonomiebehörde nur eine Wahl: „Widerstand. Nichts anderes. Wir werden eine türkische Besatzung des syrischen Territoriums nicht zulassen.“

Bislang war die hügelige und ländliche Region vom syrischen Bürgerkrieg weitgehend verschont geblieben. Sie ist für ihre Olivenhaine bekannt – deswegen stößt es den Bewohnern bitter auf, dass die türkische Armee ihre Offensive „Operation Olivenzweig“ getauft hat. Zumal der Olivenzweig ein Friedenssymbol ist.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan habe den Einsatz so genannt, weil Afrin „die Stadt der Oliven und des Friedens“ sei, sagt Jamil, ein 22-jähriger Ingenieur. Jetzt beweise der Staatschef aber, dass er weder an Frieden noch an Sicherheit interessiert sei.
Die Bewohner von Afrin bereiten sich derweil darauf vor, dass die Bombardements einige Zeit andauern könnten. „Wir haben Vorräte lebenswichtiger Dinge wie Milch und Medikamente für die Kinder und Alten angelegt“, sagt Nisrin. (afp)

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