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Afrin-Offensive Heftige Kämpfe zwischen türkischer Armee und Kurden

„Keinen Schritt zurück weichen“ werde man, verspricht Erdogan. Die Kämpfe werden heftiger, die internationale Kritik lauter.

22.01.2018 22:24
Türkische Offensive in Nordsyrien
Ein Leopard Panzer der türkischen Armee auf dem Weg nach Afrin in Syrien. Foto: dpa

 

Die Türkei hat ihre Offensive gegen Kurdenstellungen in Nordsyrien am Montag weiter intensiviert. Am dritten Tag ihres Angriffs in der syrischen Region Afrin lieferte sich die Armee heftige Kämpfe mit den kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG), Präsident Recep Tayyip Erdogan zeigte sich zugleich entschlossen, die Offensive zum Abschluss zu führen. Vor einer Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats riefen die USA zur „Zurückhaltung“ auf.

„Wir werden keinen Schritt zurückweichen“, sagte Erdogan in Ankara. Der Einsatz werde beendet, sobald „das Ziel erreicht ist“. Obwohl sich Russland und der Iran, die beide militärisch in Syrien vertreten sind, besorgt über das Vorgehen der Türkei zeigten, versicherte Erdogan, der Einsatz sei mit den „russischen Freunden“ abgesprochen. Auch mit den USA habe Ankara gesprochen, sie aber „bei einigen Fragen nicht überzeugen“ können.

Tillerson mahnt zur Zurückhaltung

US-Außenminister Rex Tillerson mahnte alle Konfliktparteien in Afrin zur „Zurückhaltung“. Zugleich erkannte er „das legitime Recht der Türkei, seine Bürger zu schützen vor Terrorelementen“, an. Das Weiße Haus mahnte die Türkei „dringlich darum, in ihren Militäraktionen und in ihrer Rhetorik Zurückhaltung zu üben“. Ziel müsse weiterhin der Sieg über die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) bleiben.

Die türkische Offensive in Afrin ist brisant für die USA, da sie die YPG im Kampf gegen den IS unterstützen. Die Türkei dagegen betrachtet die YPG als syrischen Zweig der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und damit als Terrororganisation.

Die Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF), die vorwiegend aus YPG-Kämpfern bestehen, riefen die US-geführte Anti-IS-Koalition auf, sie in Afrin nicht im Stich zu lassen.

Mogherini „äußerst besorgt“

Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini zeigte sich „äußerst besorgt“. Das Vorgehen der Türkei könne die Wiederaufnahme der unter UN-Schirmherrschaft abgehaltenen Syrien-Friedensgespräche in Genf „untergraben“.

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) telefonierte mit seinem türkischen Kollegen Mevlüt Cavusoglu. Laut Auswärtigem Amt brachte er dabei seine Sorge wegen „einer Eskalation der Lage in Nordsyrien und der möglichen humanitären Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung“ zum Ausdruck.

Die Linke kritisierte die zurückhaltende Haltung der Bundesregierung zum Einsatz der Türkei und forderte einen Stopp von Waffenlieferungen und den Abzug noch in der Türkei stationierter deutscher Soldaten. Auch die Grünen forderten ein Ende der militärischen Zusammenarbeit mit der Türkei.

Noch am Montag wollte der UN-Sicherheitsrat in einer Dringlichkeitssitzung über Syrien beraten. Eine deutsche Außenamtssprecherin betonte in Berlin, der Konflikt müsse politisch gelöst werden.

Moskau kündigte unterdessen an, auch Vertreter der Kurden zu den Ende Januar geplanten Syrien-Friedensgesprächen in Sotschi einzuladen. Aus dem türkischen Außenministerium hieß es daraufhin, die YPG dürfe nicht zum Kongress des nationalen Dialogs geladen werden.

Die türkische Artillerie nahm derweil weiter kurdische Stellungen in Afrin unter Beschuss. Laut türkischen Staatsmedien wurden bereits 15 Dörfer und weitere Ortschaften bei dem Vormarsch eingenommen. Zudem startete die Armee mit verbündeten protürkischen Rebellen eine neue Offensive von der syrischen Region Asas aus auf Afrin. Wie ein AFP-Korrespondent in der Region berichtete, überquerten zehn Panzer und bis zu 500 Soldaten und Rebellen die Grenze.

Der YPG-Sprecher Resan Hedu sprach von „heftigen Kämpfen“. Laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden seit Beginn des Einsatzes in Afrin mindestens 54 Kämpfer getötet, darunter 26 kurdische Milizen und 19 protürkische syrische Rebellen. Zudem seien 22 Zivilisten getötet worden. Nach türkischen Armeeangaben wurde zudem ein türkischer Soldat getötet.

Ankara wies den Tod von Zivilisten zurück und sprach von „Propaganda“ der YPG. Laut Medienberichten wurden am Montag 24 Verdächtige in den türkischen Provinzen Diyarbakir und Mardin wegen „Terrorpropaganda“ zugunsten der YPG festgenommen.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Syrien

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