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Afrika Massaker im Südsudan

Der jüngste afrikanische Staat ist noch in Gründung ? da gehen die alten Feinde aufeinander los. Wer für den Tod von 250 Menschen verantwortlich ist - Renegaten oder die Befreiungsbewegung - weiß niemand.

Einer der Verletzten nach den jüngsten Zusammenstößen im Sudan wird im Krankenhaus behandelt. Foto: dapd

Kaum ist der Jubel über die Geburt des jüngsten afrikanischen Staates Südsudan etwas abgeklungen, da wird er schon von Trauerklagen übertönt. In der bevölkerungsreichsten südsudanesischen Provinz Jonglei kamen bei gewalttätigen Zusammenstößen in der vergangenen Woche fast 250 Menschen ums Leben ? nur wenige Tage nach der Bekanntgabe der Ergebnisse des Volksentscheids, in dem sich fast 98 Prozent der überwiegend christlichen Bevölkerung des Südens für die Loslösung vom muslimisch dominierten Norden aussprachen .

Das Ausmaß des Massakers kam erst jetzt ans Licht. Ein Großteil der Opfer seien „Kinder, Frauen und wehrlose Flüchtlinge“ gewesen, teilte der Minister für humanitäre Angelegenheiten, James Kok Ruea, nach einem Besuch der Unruheregion mit.

Wie die Kämpfe begannen, ist umstritten. Fest steht lediglich, dass sich Anhänger des ehemaligen Offiziers der Sudanesischen Befreiungsarmee (SPLA), George Athor, mit ihren einstigen Kameraden in die Haare gerieten. Die Gefechte zogen sich mehrere Tage lang hin. Hunderte Zivilisten versuchten zu entfliehen, ertranken dabei jedoch in einem Fluss oder wurden auf der Flucht erschossen. „Es war ein Massaker“, sagte Ruea: „Wir haben mehr als 160 Zivilisten in einem Massengrab beigesetzt.“

Oft haben Spannungen ethnische Hintergründe

Nach seiner Niederlage bei der Gouverneurswahl im Jonglei-Staat hatte Athor der Regierungspartei im April wütend den Rücken gekehrt. Den Misserfolg schrieb er der Manipulation der Sudanesischen Befreiungsbewegung (SPLM) zu. Bereits 2010 kam es immer wieder zu Kämpfen zwischen Athors Getreuen und der Armee. Diese schienen jedoch mit einem Friedensschluss zwischen Präsident Salva Kiir und Athor Anfang des Jahres der Vergangenheit anzugehören.

Die neuerliche Eskalation lastet die SPLM der Regierung an: Diese unterstütze Renegaten überall im Süden, um den am 9. Juli unabhängig werdenden Staat bereits im Vorfeld seiner Entstehung zu destabilisieren. Beobachter halten es jedoch auch nicht für ausgeschlossen, dass die SPLM ihren Sieg beim Referendum zum Anlass nahm, um mit ihren Kritikern abzurechnen: „Wir selbst haben keine Informationen darüber, wer die Kämpfe begonnen hat“, sagte der Sprecher der UN-Mission, Kouider Zerrouk, auf Anfrage.

Athor ist nur eine von zahlreichen Figuren, die im jungen Südsudan für Unruhe sorgen. Andere Unsicherheitskandidaten sind schwer bewaffnete Kriegsfürsten wie Gabriel Tang in der Unity Provinz, der bereits zu Zeiten des Bürgerkriegs auf der Seite der Nordsudanesen kämpfte.

Oft haben die Spannungen auch ethnische Hintergründe: Die Dinkas, denen Präsident Kiir angehört, werden von Atscholis, Schilluks oder den Nuer (zu denen Athor zählt) um ihre Dominanz beneidet. Schon während des Bürgerkriegs war es zwischen den insgesamt 200 Ethnien des Teilstaats immer wieder zu Konflikten gekommen. Diese würden von der Euphorie über die Unabhängigkeit nur notdürftig übertüncht, fürchten Kenner.

Belastend auf den jungen Staat wirken sich auch noch andere Probleme aus. So sieht sich die Regierung in Dschuba mit einer Flut von Rückkehrern aus dem Norden konfrontiert, die sowohl Unterkunft wie Arbeit suchen. Ungeklärt ist auch noch immer die genaue Grenzziehung sowie die Zugehörigkeit der erdölreichen Abyei-Provinz. Selbst die künftige Verteilung der Erdöleinnahmen muss noch ausgehandelt werden.

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