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Afrika Islamisten bestreiten Hungersnot

Am Horn von Afrika „fehlt nur Regen“, heißt es von islamistischen Gruppen - doch die Trockenheit hat in der Region die schlimmste Hungersnot seit Jahrzehnten ausgelöst. Hilfswerke prüfen nun die Versorgung aus der Luft.

Not herrscht auch im Land der Zuflucht: Wassersuche in Kenia. Foto: dpa

Die internationalen Hilfsorganisationen wollen den Kampf gegen die Hungersnot am Horn von Afrika nicht aufgeben. Notfalls könne die Nahrungsmittelhilfe auch aus der Luft abgeworfen werden, sagte WFP-Exekutivdirektorin Josette Sheeran am Samstag bei einem Besuch des Flüchtlingszentrums Dadaab im Osten Kenias, wo inzwischen fast 400000 Somalier Zuflucht gefunden haben. In Somalia selbst seien rund 2,2 Millionen Menschen vom Hungertod bedroht.

Zuvor hatte ein Sprecher der Islamistengruppe „al Schabab“, die einen Großteil des Landes beherrscht, die Einladung internationaler Hilfsorganisationen als „Übersetzungsfehler“ bezeichnet. Die verbannten Hilfswerke seien nach wie vor nicht willkommen, die Ausrufung einer Hungersnot seitens der UN sei „politisch motiviert“ und „eine Lüge“. Es gebe zwar einen „Mangel an Regen“, aber keine Hungersnot.

EU sucht Wege nach Somalia

Al Schabab hatte Anfang vergangenen Jahres neben 16 privaten Organisationen auch das WFP aus seinen Territorien verbannt, weil sie angeblich christliches Gedankengut verbreiteten und verdorbene Nahrung verteilten.

Hilfswerke wie das Rote Kreuz oder die muslimische Organisation Islamic Relief waren von dem Bann ausgeschlossen. Sie weiten ihre Hilfsleistungen derzeit stark aus. Über sie will auch die Europäische Union ihre Hilfe verstärken, wie die EU-Kommissarin für humanitäre Angelegenheiten, Kristalina Georgieva, am Wochenende ankündigte: Es sei sinnvoller, die Bevölkerung vor Ort zu unterstützen als erst nach ihrer Flucht ins Nachbarland Kenia.

Die Bulgarin räumte aber ein, dass Somalia das weltweit gefährlichste Terrain für Helfer ist. In den vergangenen zweieinhalb Jahren wurden hier 36 Mitglieder von Hilfswerken umgebracht.

Furcht vor wachsendem Flüchtingszug

Allgemein wird befürchtet, dass der auf täglich rund 3000 Menschen geschätzte Flüchtlingszug nach Äthiopien und Kenia noch weiter wachsen wird, falls die Hilfe nicht in Somalia selbst geleistet werden kann. „Lasst uns sie innerhalb ihrer Grenzen ernähren“, sagte die kenianische Ministerin für Spezialprojekte, Esther Mirugi. „Sie werden sonst Unsicherheiten und Konflikte mit sich bringen.“

Zumindest Teile der kenianischen Regierung weigern sich, bereits vorhandene Einrichtungen im Flüchtlingszentrum Dadaab zu öffnen: Kenia werde durch den Ansturm zu großen Belastungen ausgesetzt, heißt es. Georgieva sagte der Frankfurter Rundschau, sie werde das Thema ansprechen, aber „keinen Druck ausüben“, denn „Druck haben die Kenianer schon genug.“

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