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Afghanistan US-Militär fliegt Amokläufer aus

Der US-Soldat, der in Afghanistan 16 Menschen bei einem Amoklauf getötet haben soll, wird ausgeflogen, vermutlich nach Kuwait. US-Präsident Obama spricht sich indes gegen einen früheren Truppenabzug aus Afghanistan aus.

14.03.2012 22:35
Angehörige betrauern die Opfer des Amoklaufs. Foto: dapd

Der US-Soldat, der in Afghanistan 16 Menschen bei einem Amoklauf getötet haben soll, wird ausgeflogen, vermutlich nach Kuwait. US-Präsident Obama spricht sich indes gegen einen früheren Truppenabzug aus Afghanistan aus.

Nach dem Amoklauf mit 16 Toten in Afghanistan haben die US-Streitkräfte den verdächtigen Soldaten am Mittwoch außer Landes gebracht. „Auf juristischen Rat hin“ sei der 38-jährige Stabsunteroffizier aus Afghanistan ausgeflogen worden, sagte Pentagon-Sprecher Kapitän John Kirby. Der Soldat sei in eine Untersuchungshaftanstalt in einem anderen Land gebracht worden, hieß es. Nach Informationen von CNN befindet sich der mutmaßliche Amokschütze in einer US-Militärbasis in Kuwait. Dort gebe es auch entsprechende Einrichtungen der US-Militärjustiz, hieß.

„Wir haben in Afghanistan keine angemessenen Haftanstalten für diese Art von Fällen“, sagte Kirby als Begründung. Ob dem Verdächtigen auch in einem anderen Staat der Prozess gemacht werden soll, war zunächst unklar. Bislang ist noch keine Anklage gegen den Mann erhoben worden.

Afghanen protestieren

Aus Protest gegen die Ermordung von 16 Zivilisten durch einen US-Soldaten sind im Süden Afghanistans am Donnerstag rund tausend Menschen auf die Straße gegangen. Die Demonstranten in der Stadt Kalat in der Provinz Sabul riefen anti-amerikanische Slogans und forderten einen öffentlichen Prozess für den Soldaten, wie ein Polizeisprecher sagte. Die Provinz grenzt an Kandahar, wo sich der Amoklauf am Sonntag ereignet hatte. Unter den getöteten Zivilisten befanden sich auch drei Frauen und neun Kinder. Der mutmaßliche Täter war am Mittwoch außer Landes gebracht worden.

Zuletzt hatten afghanische Abgeordnete gefordert, das Verfahren solle in Afghanistan stattfinden. Sie riefen Präsident Hamid Karsai auf, alle Gespräche mit den USA über eine langfristige militärische Präsenz im Land ruhen zu lassen, bis eine Entscheidung zugunsten eines öffentlichen Prozesses in Afghanistan gefallen sei.

Dem US-Soldaten wird vorgeworfen, in der Nacht zum Sonntag seinen Stützpunkt in der Provinz Kandahar verlassen und 16 Zivilpersonen erschossen zu haben, darunter neun Kinder und drei Frauen.

Obama: Kein Vorzeitiger Abzug

US-Präsident Barack Obama hat Spekulationen über einen schnelleren Abzug der USA aus Afghanistan zurückgewiesen. Er rechne nicht mit plötzlichen Änderungen an den bisherigen Plänen, sagte Obama am Mittwoch bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem britischen Premierminister David Cameron in Washington.

Die USA und Großbritannien als wichtigste Truppensteller würden den Einsatz verantwortungsvoll beenden wollen. Der Amoklauf eines US-Soldaten hatte Spekulationen angeheizt, ob die internationalen Truppen nicht wie geplant Ende 2014, sondern früher die Sicherheitsverantwortung vollständig an die Armee und Polizei Afghanistans übergeben.

Obama betonte, in den kommenden Monaten würde ausreichend Soldaten am Hindukusch stationiert sein, um den radikal-islamischen Taliban klarzumachen, dass ihr Kampf keinen neuen Schwung erhalten werde. Zuvor hatten sich auch US-Verteidigungsminister Leon Panetta und sein deutscher Kollege Thomas de Maiziere bemüht, die Spekulationen über einen beschleunigten Abzug einzudämmen.

(dapd/rtr)

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