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Afghanistan Trumps Trio am Hindukusch

US-Präsident Donald Trump will den Krieg in Afghanistan innerhalb von zehn Monaten beenden.

USA
Donald Trump will den Krieg in Afghanistan beenden. Foto: afp

Drei Veteranen Washingtons sollen 17 Jahre nach dem Einmarsch von US-Truppen in Afghanistan und der Vertreibung der radikalislamischen Talibanmilizen aus der Hauptstadt Kabul jetzt für Präsident Donald Trump den längsten Krieg der Vereinigten Staaten unter massivem Zeitdruck beenden. Der frühere US-Botschafter in Afghanistan, Zalmay Khalilzad, drängt laut der in Kabul beheimateten angesehenen Forschungsgruppe „Afghanistan Analysts Network“ in seiner neuen Rolle als Berater des US-Außenministeriums gegenüber afghanischen Gesprächspartnern zur Eile: Präsident Trump habe ihm eine Frist von zehn Monaten gesetzt, um den Konflikt für die USA zu beenden. 

Militärisch wird Khalilzad, der wegen seiner aktiven Rolle als Botschafter in den Jahren 2003 bis 2005 als mächtigster Mann am Hindukusch galt, seit Anfang September von General Austin Scott Miller an der Spitze der Nato-Mission „Resolute Support“ flankiert. Der Spezialist für Anti-Terror-Operationen gehörte zu den ersten US-Soldaten, die nach den Terroranschlägen in New York am 11. September 2001 nach Afghanistan geschickt wurden. Seit dem Jahr 2013 kommandierte er die Nato- und US-Operationen von Spezialeinheiten am Hindukusch. Die wichtigste Aufgabe des Generals, so Beobachter in Kabul: Miller soll die fragile Sicherheitslage stabilisieren. 

Ex-Blackwater-Chef Prince will neue Söldnertruppe

Trumps dritter Mann im Kabul-Dreigestirn heißt Erik Prince. Er stellt sich gegenwärtig Gegnern des amtierenden Präsidenten Aschraf Ghani als ein Berater von Trump vor. Der frühere Chef der Söldnertruppe Blackwater, die im Irak wegen Massaker von Zivilisten in Verruf geriet, propagiert laut der US-Tageszeitung „New York Times“ eine Privatisierung des Afghanistan-Kriegs. 6000 bis 10 000 sogenannte „Contractors“, wie der neuzeitliche Namen für bezahlte Ex-Soldaten im Kriegseinsatz lautet, sollen schaffen, woran sich zwischenzeitlich bis zu 150 000 Nato-Soldaten die Zähne ausbissen. Prince, dessen neueste Söldner-Truppe „Frontier Services Group“ laut „New York Times“ in Hongkong zu Hause ist und die Rückendeckung von Chinas staatlicher Investmentgruppe „Citic Group“ genießt, ist überzeugt, dass seine angeheuerten Kämpfer die Talibanmilizen militärisch besiegen können. Ihm schwebt gar eine eigene private Luftwaffe vor. 

Afghanistans angeschlagener Präsident Aschraf Ghani erklärte jüngst, dass er eine Privatisierung des Konflikts strikt ablehnt. Seine Regierung beklagt, Washington würde Kabul über den Verlauf direkter Gespräche zwischen den USA und den Taliban in Qatars Hauptstadt Doha im Dunkeln lassen. 

Ghanis im Frühjahr zurückgetretener nationaler Sicherheitsberater Mohammed Hanif Atmar versucht derzeit, für die nächsten Präsidentenwahlen in der ersten Hälfte nächsten Jahres ein von Paschtunen dominiertes Bündnis gegen Aschraf Ghani zu schmieden. Er buhlt um die Unterstützung des früheren Präsidenten Hamid Karzai und hofft auf den guten Willen der Regierung von US-Präsident Trump und seiner europäischen Verbündeten. 

Neben der miesen Wirtschaftslage lasten Kritiker Präsident Ghani die desaströse Sicherheitslage an. Afghanistans 350 000 Mann starke Streitkräfte verzeichnen gegenwärtig täglich bis zu 40 Tote. Die Zahl der Deserteure geht in die Zehntausende.

Die meisten Anschlagsopfer gehen zwar auf das Konto der Terrormiliz „Islamischer Staat“ und Talibankämpfer. Menschenrechtler weisen freilich darauf hin, dass die vermehrten, von Präsident Trump und Generälen angeordneten Luftangriffe mehr Zivilisten töteten als in den Jahren zuvor. 

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Afghanistan

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