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Afghanistan Trump schießt mit Bomben auf Höhlen

Kabuls Streitkräften gelang es im Verbund mit den USA bislang nicht, die Stadt vor dem IS zu schützen. Nun tötet der Abwurf einer umstrittenen US-Riesenwaffe 36 IS-Kämpfer in den Bergen Afghanistans.

Bombe GBU-43/B
Erstmals eingesetzt: Eine Bombe vom Typ GBU-43/B (MOAB: massive ordnance air blast) - auch bekannt als die „Mutter aller Bomben“. Foto: rtr

Der Gouverneur des Achin-Distrikts in der afghanischen Nangahar-Provinz nahe der Grenze zu Pakistan rang sich eine gehörige Portion Ehrfurcht ab. „So was habe ich noch nicht erlebt“, berichtete er, nachdem die USA am 13. April erstmals ihre gewaltigste konventionelle Bombe einsetzten und auf einen Höhlennetzwerk in den Bergen nahe der Momand Dara Gegend abwarfen, „wir konnten Flammen so groß wie Türme sehen“. Die Bombe mit einer Sprengkraft von 11 000 Tonnen TNT ist so schwer, dass die US-Luftwaffe sie beim Abwurf aus dem Laderaum eines Transportflugzeugs vom Typ C-130 sozusagen hinausschieben musste.

Während der frühere US-Präsident Barack Obama während der letzten Jahre seiner Amtszeit dem Luftkrieg mit unbemannten Drohnen am Hindukusch den Vorrang gab, scheint sein Nachfolger Donald Trump nun auf den Donnerhall gewaltiger Waffen zu setzen. Aber so spektakulär die technischen Daten der „Mother of all Bombs“ – wie sie wegen ihrer Abkürzung MOAB auch genannt wird – klingen, so fragwürdig ist ihre Wirkung. „Der Einsatz kann ein Indiz der Verzweiflung sein“, hieß es im „Longwarjournal“, einer dem US-Militär sympathisch gesonnenen Onlinepublikation, die seit Jahren mit minutiöser Penibilität US-Militäraktionen auf den Schlachtfeldern der Welt aufschreibt.

Der Einsatz der laut Medienberichten 16 Millionen US-Dollar teuren Bombe soll laut dem afghanischen Verteidigungsministerium in Kabul 36 Kämpfer der Terrororganisation „Islamischer Staat Khorasan“ (IS-K), wie der nach einem traditionellen Namen für Afghanistan und Teile Südasiens benannte IS-Ableger am Hindukusch heißt, gefordert haben. Laut der Behörde müssten der Gruppe freilich längst die Kämpfer ausgegangen sein, weil angeblich während der vergangenen drei Jahre bereits 2000 bis 3000 Kämpfer der Gruppe umgekommen sein sollen.

Die Bombe mit einer Sprengwirkung von 3,2 Kilometern Durchmesser erschütterte ein Gebirgssystem, das von zahllosen natürlichen Höhlen durchzogen ist. Sie widerstanden während der vergangenen Jahrzehnte vielen Erdbeben – und Hunderten von Bomben, die von Ende des Jahres 2001 bis Mitte 2002 von B-52 Langstreckenbombern der US-Luftwaffe bei der Jagd nach Al-Kaida und den Talibanmilizen abgeworfen wurden.

Schon damals bissen sich die US-Streitkräfte in der Region an der Mischung von feindlicher Natur, argwöhnischen Bewohnern und Untergrundkämpfern die Zähne aus. General John Nicholson, der die verbliebenen rund 10 000 ausländischen Soldaten am Hindukusch befehligt, rechtfertigte die Bombe mit einem indirekten Eingeständnis von Hilflosigkeit: „Der IS-K benutzt Sprengfallen, Bunker und Tunnel, um seine Verteidigung zu stärken.“

IS schlägt immer wieder zu

Afghanistans Streitkräften gelang es im Verbund mit den USA bislang nicht, die Hauptstadt Kabul vor dem IS zu schützen. Erst in der vergangenen Woche verübte ein Selbstmordattentäter des IS einen Anschlag auf den hermetisch abgeschirmten Amtssitz von Präsident Ashraf Ghani. Die Terrorgruppe beanspruchte zudem ein Massaker in Kabuls wichtigstem Krankenhaus vor einigen Wochen für sich, dem mindestens 100 Menschen zum Opfer fielen.

Der IS tauchte erstmals am Hindukusch auf, nachdem Pakistan Tausende von Untergrundkämpfern aus der Wasiristan-Region über die Grenze nach Afghanistan drängte. Insbesondere Angehörige der „Islamischen Bewegung Usbekistan“ (IMU), die vorher zu Taliban gehörten, wechselten die Fahnen.

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