Lade Inhalte...

Afghanistan Tote bei Protesten gegen Koranverbrennungen

Die Proteste gegen die Koranverbrennung durch amerikanische Soldaten in Afghanistan haben neun Todesopfer gefordert. Dutzende wurden verletzt (mit Audio).

24.02.2012 09:21
In Afghanistan kommt es in vielen Städten zu Protesten gegen die Koranverbrennungen. Foto: AFP

Trotz Aufrufen zur Ruhe ist es in Afghanistan am vierten Tag in Folge zu schweren Ausschreitungen gekommen. Bei Protesten gegen die Koranverbrennung durch US-Soldaten starben am Freitag mindestens neun Menschen, Dutzende wurden verletzt. Erstmals waren Tote auch in Westafghanistan zu beklagen. In der westafghanischen Stadt Herat versuchten Aufrührer nach dem Freitagsgebet, das US-Konsulat zu stürmen. In der nordafghanischen Stadt Pul-i-Chumri, die zum Verantwortungsbereich der Bundeswehr gehört, wollte ein Mob das ungarische Feldlager überrennen.

In der Provinz Herat starben nach Angaben der Provinzregierung insgesamt sieben Demonstranten. Bei den Zusammenstößen an dem Camp in Pul-i-Chumri - der Hauptstadt der Provinz Baghlan - wurde ein Demonstrant getötet, wie die Polizei mitteilte. In der afghanischen Hauptstadt Kabul meldete die Polizei ebenfalls einen Toten. Der Vizepolizeichef der Provinz Kundus, Gulam Mohammad Farhad, sagte, in Kundus-Stadt hätten Sicherheitskräfte rund 1000 Demonstranten daran gehindert, gewaltsam in das UN-Gebäude einzudringen..

Abzug der Bundeswehr von Stützpunkt Talokan

Die Bundeswehr zog sich wegen der gewaltsamen Proteste vorzeitig komplett aus ihrem Stützpunkt Talokan zurück. Allerdings sollte das Lager im März ohnehin geräumt werden.

Angesichts eines Auflaufs von rund 300 Demonstranten unmittelbar vor dem Stützpunkt habe der Kommandeur der Nordregion am Donnerstag die mit der Räumung beschäftigten Kräfte ins rund 70 Kilometer entfernte größere Feldlager Kundus abrücken lassen, teilte die Bundeswehr mit. Ein Sprecher des Einsatzführungskommandos sagte, die rund 50 Soldaten hätten sämtliche Fahrzeuge mitgenommen.

Ein ZDF-Reporter berichtete, das Lager sei mit Steinen beworfen worden. Der relativ kleine Komplex ist schwierig zu sichern, weil er mitten in der 200.000-Einwohner-Stadt liegt.

Die Soldaten sind inzwischen wohlbehalten im Feldlager Kundus eingetroffen, sagte ein Sprecher. In Talokan selbst sind nur noch Rückbauarbeiten zu erledigen. Diese waren eigentlich bis Ende März angesetzt.

Obama bedauert die Koranverbrennungen

Nach der Verbrennung von Koran-Ausgaben auf dem US-Stützpunkt Bagram hat sich Präsident Barack Obama bei seinem afghanischen Kollegen Hamid Karsai entschuldigt. In einem Brief äußerte Obama sein "tiefes Bedauern“ über den Vorfall. Er versichert, die Koran-Ausgaben seien "versehentlich" verbrannt worden.

Die USA würden nun alles Erforderliche unternehmen, um eine Wiederholung zu verhindern und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Karsai machte für die Verbrennung einen US-Offizier verantwortlich, der dies jedoch "aus Unkenntnis heraus" getan habe.

In Afghanistan gibt es seit drei Tagen gewalttätige Proteste wegen der Koran-Verbrennung, mindestens zwölf Menschen starben. Im Osten des Landes erschoss ein Mann, der die Uniform der afghanischen Armee trug, zwei Nato-Soldaten. Zur Nationalität der Getöteten machte die internationale Truppe keine Angaben.

Vor einem US-Stützpunkt in der Provinz Nangahar sollen zwei Demonstranten erschossen worden sein, als afghanische und Nato-Soldaten in die Menge feuerten. Bei Kundgebungen in der Provinz Baghlan und in Urusgan starben mehrere Menschen.

Kommissionen sollen Koranverbrennungen untersuchen

Die Taliban schworen Rache und riefen Angehörige der afghanischen Sicherheitskräfte zur Fahnenflucht auf. Taliban-Funktionäre seien angewiesen worden, alle Deserteure, die sich gegen die "Invasoren" stellten, als "Helden" willkommen zu heißen.

Die islamischen Staaten verurteilten die Koranverbrennung. Die Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) betonte in einer Erklärung, die Tat stehe im Widerspruch zu den gemeinsamen Bemühungen von muslimischen Ländern und internationaler Gemeinschaft, Intoleranz und religiösen Hass zu bekämpfen. Zugleich begrüßte die Organisation, der 57 Staaten angehören, die Entschuldigungen der Isaf und der USA.

Die Isaf teilte mit, ein Team aus Isaf-Angehörigen und Vertretern der afghanischen Regierung habe inzwischen das Gefängnis auf dem Stützpunkt Bagram untersucht, um die Umstände der Koranverbrennung zu prüfen. Die Koran-Exemplare, die entsorgt werden sollten, waren dort Häftlingen zur Verfügung gestellt worden.

Zwei afghanische Untersuchungskommissionen mit Regierungsvertretern, Geistlichen und Abgeordneten verurteilten die "beleidigende und schändliche Tat der Koranverbrennung". Sie appellierten in einer gemeinsamen Erklärung aber auch an die Afghanen, Zurückhaltung zu üben. (afp/dapd/dpa)

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen