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Afghanistan Schmiergeld von der CIA

Auf der Gehaltsliste des US-Spionagedienstes stehen auch zahlreiche Mitarbeiter des afghanischen Präsidenten Karsai

28.08.2010 18:08
Dietmar Ostermann

Mehrere Mitarbeiter des afghanischen Präsidenten Hamid Karsai erhalten offenbar seit Jahren geheime Zuwendungen vom US-Geheimdienst CIA. Laut der Washington Post fließt das Geld an Informanten sowie an Personen im Umfeld Karsais, mit denen die CIA informelle Kontakte unterhält. Auf den Gehaltslisten befänden sich eine „erhebliche Anzahl“ afghanischer Regierungsmitarbeiter. Die Zeitung beruft sich auf namentlich nicht genannte amtierende und ehemalige US-Beamte. Zuvor hatte die New York Times berichtet, der ranghohe Mitarbeiter des Nationalen Sicherheitsrates Afghanistans, Mohammed Sia Salehi, habe jahrelang Geld von der CIA erhalten. Das unausweisliche Dementi folgte: „Diese anonyme Quelle wird anscheinend von Unwissen oder Bösartigkeit oder beidem geleitet“, sagte ein CIA-Sprecher.

Brisant wären CIA-Zahlungen im Kabuler Präsidentenpalast, die freilich kaum überraschen, in mehrfacher Hinsicht. Zum einen könnten sie das angespannte Verhältnis zwischen den USA und Karsai weiter belasten. Die Washington Post zitierte einen CIA-Mitarbeiter, die Zuwendungen seien notwendig, weil der afghanische Präsident nicht alles sage und oft über die Aktivitäten seiner eigenen Regierung nicht im Bilde sei. Zum anderen könnten die Berichte das Ansehen der afghanischen Regierung bei der eigenen Bevölkerung weiter untergraben. Zudem dürften sie ein Propagandageschenk an die Taliban sein, die Karsais Regierung als Handlanger der USA betrachten.

Laut der aktuellen Strategie drängen die USA Karsai eigentlich, Korruption zu bekämpfen. Im Fall Salehi, der in eine Schmiergeldaffäre verwickelt ist, hatte Außenministerin Hillary Clinton sich besorgt über Karsais Einschreiten gezeigt. Der afghanische Präsident hatte eine Untersuchung der Vorwürfe gegen Salehi verhindert. Dass der auch von der CIA Geld bekommen haben soll, macht Washingtons Anti-Korruptions-Rhetorik nicht unbedingt glaubwürdiger. „Es gibt wahrscheinlich nicht allzu viele Beamte, die wir nicht getroffen und kontaktiert und bezahlt haben“, wird ein Ex-CIA-Mann zitiert.

Das hat sogar Tradition. Schon in den 80er Jahren hatte die CIA afghanische Mudschaheddin gegen die Sowjetbesatzer mit geheimen Geldern unterstützt. Auch nach dem 11. September 2001 waren amerikanische Agenten in Afghanistan mit Dollarkoffern unterwegs, um sich die Loyalität von Klans und Warlords zu sichern. Selbst Karsai reiste damals in Begleitung des Leiters der Kabuler CIA-Außenstelle. Und auch andere Staaten, darunter Pakistan, der Iran und Saudi-Arabien, pflegen mit finanziellen Zuwendungen geheime Kontakte in Kabul.

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